Die gute Konjunktur der Bauwirtschaft und anderer Hauptverbraucher erzeugt spürbar höheren Bedarf und teilweise kräftige Preiserhöhungen.
Als die deutschen Wirtschaftslandschaften noch mit hohen Schneewehen bedeckt waren, drängten bei den Holzwerkstoffen wie bei den Frühlingsblühern schon die Preise vehement nach oben, die bei den meisten Plattenarten schon seit dem Herbst behutsam angezogen hatten, wenngleich sie von den Höchstpreisen der jüngsten Vergangenheit noch deutlich entfernt sind. Es ist angesichts der jeweils um stattliche zweistellige Prozentraten zurückgegangenen Exportmengen und inländischen Verbrauchszahlen höchst erstaunlich, dass die Preise der Holzwerkstoffe nicht regelrecht eingebrochen sind, sondern im Mittel "nur" um 15 Prozent nachgegeben haben. Ausschlaggebend für diese aus der Sicht der Hersteller glimpfliche Depression war die subtile Mengensteuerung, die jedenfalls dazu angetan war und ausreichte, um gewaltige Überproduktionen und nicht mehr beherrschbare Mengen- und Preisdrücke wie in grauen Vorzeiten zu vermeiden. Die dabei waldente Vorsicht war wohl schon im zweiten Halbjahr 2009 der Auslöser für die zunächst noch unvermutet einsetzenden Preissteigerungen, weil infolge der Auswirkungen der Konjunkturpakete eine vergleichsweise heftige Nachfrage die Hersteller sozusagen auf dem falschen Fuß überraschte.
Der lange, strenge Winter hat zudem dafür gesorgt, dass die Frühjahrsnachfrage plötzlich und verstärkt einsetzte und auf relativ geleerte Lager traf. Die Frage, ob die Hersteller sich jahreszeitlich mit genügend Rohstoff versorgen können, wird unterschiedlich beantwortet. Jedenfalls deutet alles, vor allem die von Monat zu Monat zunehmenden Raten der Preisanstiege und auch die ständig steigenden Importpreise, darauf hin, dass sich die Holzwerkstoffpreise weiterhin aufwärts entwickeln werden, wobei auch ein Niveau nicht auszuschließen ist, das den Abschluss von Vorverträgen empfehlenswert erscheinen lässt.
Spanplatten spürbar teurer
Obwohl die Exporte der deutschen Spanplattenhersteller im vergangenen Jahr um 21 Prozent zurückgingen, gaben die Preise gegenüber dem letzten Höchststand um durchschnittlich 13 Prozent nach, ein für die wirtschaftliche Dramatik der Zeit geradezu harmloser Preiseinbruch. Von den Rettungsaktionen der öffentlichen Hände wurde die Branche dann förmlich überrascht, sodass eine mehr oder weniger plötzlich auftauchende Nachfrage, die stellenweise so etwas wie einen Mangel erkennen ließ, Preisanhebungen stimulierte. Bei den Spanplatten (roh/geschliffen) machte die Preiserholung seit dem Tiefststand im Sommer 2009 bis jetzt gute 7 Prozent aus. Die um 7 Prozent und 9 Prozent höheren Auftragseingänge der beiden Hauptverbraucher von Spanplatten (Hochbau und Möbelproduktion) lassen den Schluss zu, dass die Holzwerkstoffpreise allein schon nachfragebedingt weiter steigen werden. Wenn die Produktion noch durch fehlende Rohstoffmengen eingeschränkt und bei den Vorprodukten (Leimen) weltmarktbedingt unverhältnismäßig verteuert werden sollte, werden die Preisanstiege unkalkulierbar.
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Günther Zimmermann
Günther Zimmermann ist freier Mitarbeiter der Zeitschrift BAUEN MIT HOLZ.
