Nahaufnahme einer Holzfaserdämmplatte als Querschnitt, die auf einem Lineal zur Dickenmessung liegt. Die Struktur zeigt deutlich die gepressten, natürlichen Holzfasern und vereinzelt rote Fasereinschlüsse.
Abb. 2: Flexible Dämmmatten mit rot gefärbten Bindefasern (Quelle: IHD)

Technik 2026-09-16T10:07:40.935Z Alternative Bindefaser für flexible Holzfaserdämmung

Biobasierte Schmelzklebefasern für flexible Holzfaserdämmmatten? Genau diesen Ansatz untersuchen das IHD und die DITF im IGF-Projekt „CelluWoodFlex". Ziel: Celluloseester-Bindefasern sollen petrochemische Bikomponentenfasern ersetzen – und so die stoffliche Verwertung der Dämmmatten am Lebensende erleichtern.

Flexible Holzfaserdämmmatten werden heute überwiegend mit thermoplastischen Bikomponentenfasern auf petrochemischer Basis gebunden. Diese erfüllen zwar zuverlässig ihre Funktion als Bindefaser, erschweren jedoch die stoffliche Verwertung der Matten am Ende der Nutzungsphase. Zudem erhöhen sie den Anteil fossiler Rohstoffe im Produkt – unter anderem durch Mikroplastik.

Celluloseester als nachhaltige Alternative

Im IGF-Projekt „CelluWoodFlex" entwickeln das IHD (Institut für Holztechnologie Dresden) und die DITF (Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf) deshalb thermoplastische Bindefasern auf Basis von Celluloseestern. Die Fasern werden aus Granulaten im Schmelzspinnprozess gesponnen, zurechtgeschnitten und homogen mit Holzfasern gemischt, bevor sie sich in bestehende Herstellungsprozesse integrieren lassen. Parallel untersucht das Projektteam, ob sich Holz- und Bindefasern nach der Nutzungsphase wieder stofflich trennen und erneut verwerten lassen.

Eine extrem detaillierte mikroskopische Aufnahme, die ein komplexes Netzwerk aus feinen, transparenten Pflanzenfasern zeigt, das von leuchtend roten Kapillaren oder gefärbten Faserstrukturen durchzogen ist.
Abb. 1: Rot gefärbte Bindefasern in Mischung mit Holzfasern (Quelle: IHD)

Erste Ergebnisse: gute Durchmischung, erste Dämmmatten

In ersten Arbeiten zeigte sich, dass sich Celluloseesterfasern sehr gut einfärben lassen. In Kombination mit den Holzfasern ließ sich das Vermischungsverhalten dadurch optisch bewerten – und als zufriedenstellend einstufen (Bild 1). Auf dieser Basis konnten am IHD im HF-Verfahren bereits flexible Dämmmatten unter Verwendung rot gefärbter Bindefasern hergestellt werden (Bild 2).

Nächste Schritte: Optimierung, Prüfmethoden und Recycling

Im weiteren Projektverlauf soll zunächst das Schmelzspinnverfahren für verschiedene Celluloseester an den DITF optimiert werden. Parallel entwickelt das IHD eine Technologie zur Vereinzelung, Dosierung und Zugabe der Bindefasern, die sich als quasi-kontinuierlicher Prozess in die Holzfasererzeugung integrieren lässt. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind Prüfmethoden für flexible Matten, die Bewertung der Verklebungsgüte sowie erste Recyclingversuche zur Trennung und Wiederverwertung der Materialien.

Praxisnähe durch projektbegleitenden Ausschuss

Begleitet wird „CelluWoodFlex" von einem projektbegleitenden Ausschuss mit 14 Partnern aus Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Baugewerbe. Deren praktische und technische Expertise fließt sowohl in die Bewertung der Zwischenergebnisse als auch in die weitere Projektbearbeitung ein.

www.ihd-dresden.de

zuletzt editiert am 16. September 2026
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