Hotel La Briosa
Mit dem neu errichteten Hotel La Briosa ist die Kapuzinergasse im Bozener Stadtzentrum um eine Attraktion reicher. Das aufsehenerregende Gebäude in modernster, mehrgeschossiger holzius-Vollholzbauweise steht – im wahrsten Sinne des Wortes – auf historischem Grund. (Quelle: Barbara Corsico)

Technik 2023-11-22T08:13:06.911Z Auf Mondholz bauen

Bozen ist das pulsierende Zentrum Südtirols. In der Innenstadt laden kleine Gassen, bunte Märkte, historische Plätze und natürlich gemütliche Cafés und Restaurants zum Flanieren und Verweilen ein. Mit dem neu errichteten Hotel La Briosa ist die Kapuzinergasse im Bozener Stadtzentrum um eine Attraktion reicher. Das aufsehenerregende Gebäude in modernster Vollholzbauweise steht – im wahrsten Sinne des Wortes – auf historischem Grund.

Ursprünglich war die Bauherrenfamilie D’Onofrio auf der Suche nach einem Wohnhaus im Zentrum von Bozen. Die Wahl fiel auf ein altes Gebäude, das nicht mehr den gängigen Standards entsprach. So entwickelte sich das Konzept, das Haus bis auf den historischen Kern abzureißen und als Hotel mit privatem Wohnbereich neu zu errichten. Die Eltern von Sandra und Fabio D’Onofrio hatten in der Vergangenheit bereits die Hotels Alpi und Città in der Innenstadt geführt und wollten ihre persönliche Form der Gastlichkeit mit ihrem eigenen Konzept in die Zukunft tragen: zeitlose Qualitätsgastfreundschaft und Wohlbefinden, harmonisch integriert in das umgebende Gebäude-Ensemble. Planerische und technische Unterstützung erhielten sie dabei durch Projektmanager Armin Strickner sowie die Architekten Felix Perasso und Daniel Tolpeit. Die Entscheidung, das Projekt in nachhaltiger Holzbauweise auszuführen, wurde relativ früh getroffen. Sandra D’Onofrio erklärt: „So wie Bäume auf natürlichem Grund wachsen, sollte auch unser Hotel auf den historischen Grundmauern der Stadt wachsen.“ Genau darin bestand eine der konstruktiven Herausforderungen, denn die werksseitig millimetergenau vorgefertigten Vollholzelemente von holzius mussten präzise auf den historischen Baubestand angepasst werden. Sämtliche Elemente sind auf besonderen Wunsch von Familie D’Onofrio aus Mondholz (während der „Saftruhe“ bei abnehmendem Mond geschlagen) gefertigt. „Die Verarbeitung von Mondholz bedarf spezieller Expertise. holzius hat bereits seit vielen Jahren Erfahrung darin und konnte uns in der Produktion in Prad am Stilfserjoch vor Ort überzeugen, der richtige Partner für unser Vollholzprojekt zu sein“, fasst Fabio D’Onofrio zusammen.

Das konstruktiv verarbeitete Mondholz ist nach außen hin nicht sichtbar, spielt aber „hinter den Kulissen“ seine Stärken aus. Auch aufgrund des vergleichsweise geringeren Gesamtgewichts dieses Naturrohstoffs war es möglich, die Stockwerke zwei bis fünf auf einen Teil der mehr als 100 Jahre alten Bausubstanz und einem einzigen zusätzlichen Ausleger aufzubauen, ohne weitere vor- oder nachgespannte Strukturen installieren zu müssen. Für die Fertigung entsprechender Wand-, Decken- und Dachelemente interpretiert holzius eine uralte Holzverbindungstechnik neu. Bei den Wandelementen werden die Bohlen in Wuchsrichtung verbaut und mit einer Gratleiste in Schwalbenschwanzform miteinander verbunden. Für die Decken- und Dachelemente werden die aneinandergereihten Holzbalken mit einer mehrfachen Nut- und Kammverbindung verkämmt und mit Schrauben aus Buchenholz zu einem formstabilen Vollholzelement verbunden. Die Außenwände des Hotels sind mit 180 mm starken, die Innenwände mit 120 mm starken Vollholzelementen ausgeführt. Für die Decken und Böden des Gebäudes kommen 120 und 200 mm starke Deckenelemente zu Einsatz. Die Dachplatte der intensiv begrünten Pflanzenterrasse, zusätzlich durch Haustechnik- und eine PV-Anlage belastet, ist in 240 mm Stärke ausgeführt.   

Natürliches Raum- und Wohnklima

Die Fassade des Hotels La Briosa präsentiert sich mit Steinmauerwerk und rauem Putz. In den 17 Zimmern des Hotels hingegen sorgen unbehandeltes, offenporiges Kastanien- und Fichtenholz, Lehmputz und Venezianischer Terrazzoboden auf Kalkbasis für ein ausgeglichenes Raumklima. Holz spielt auch im Eingangsbereich und der Lobby auf innovative Weise die Hauptrolle. Sandra D’Onofrio beobachtet, dass sich ein Rückzugsort im Hotel besonderer Beliebtheit erfreut: „Viele Gäste schätzen es, in einer der Nischen beim Eingang zu sitzen. Von dort aus kann man das bunte Treiben auf der Straße verfolgen, genießt aber gleichzeitig die Heimeligkeit des Holzes und des warmen Lichts der künstlerisch mit echtem Laub gefertigten Lampenschirme.“

Nachhaltige Energieeffizienz

Obwohl bei der Konzeption und Planung keine konkrete Zielsetzung definiert wurde, überzeugt des Hotels heute durch maximale Energieeffizienz – nicht zuletzt aufgrund des Naturbaustoffs Holz. Da es sich bei diesem Projekt um eine Sanierung mit baulicher Erweiterung handelt, war die Mindestanforderung gemäß den geltenden Vorschriften, die Energieeffizienzklasse Casaclima C zu erreichen – tatsächlich ist das Gebäude heute in der Klasse Casaclima A zertifiziert. Die Klimatisierung erfolgt über zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einer Gesamtheizleistung von 120 kW. Kühlung und Heizung erfolgen über ein wasserbasiertes System, das (anders als herkömmliche Aircondition-Anlagen) keinerlei Luftzug erzeugt. In den Gemeinschaftsbereiche im Erdgeschoss sowie im Untergeschoss ist dieses System in Form einer Fußbodenheizung, in den Gästezimmern als Deckenheizung installiert.

Für Herbert Niederfriniger, holzius Geschäftsführer, ist das neu errichtete Hotel La Briosa in der Bozener Innenstadt ein Musterbeispiel für die intelligente Nutzung aller Vorteile des bewährten holzius-Systems: „Die bewusste Entscheidung zur reinstofflichen Vollholzbauweise, der konstruktive Einsatz von Mondholz und die Kombination mit historischer Bausubstanz machen dieses mehrgeschossige Gebäude einzigartig. Das bestätigt auch das Feedback der Gäste – und natürlich der Bauherrenfamilie D’Onofrio.“

zuletzt editiert am 22. November 2023