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Josef Huber betreut persönlich die Baustelle in Köln. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Technik

26. January 2011 | Teilen auf:

Aufstockung: Anspruchsvoller Brandschutz realisiert

Bautagebuch Holzbauunternehmer Josef Huber berichtet in Teil 2 unseres Berichts zum Sanierungsvorhaben in Köln-Niehl über die Herausforderungen in Werkplanung und Produktion.

BAUEN MIT HOLZ: Was war die Herausforderung bei diesem Projekt: Das Bauvolumen, die Konstruktion oder etwas anderes?

JOSEF HUBER:

Natürlich stellen die genannten Punkte Herausforderungen dar, aber die größte Herausforderung war der zu gewährleistende Brandschutz. Bei dem hier verwirklichten Bauwerk bewegen wir uns ja laut Musterbauordnung in Gebäudeklasse 4. Gemäß der MBO 2002 und der Muster-Holzbaurichtlinie (M-HFH HolzR) sind in dieser Gebäudeklasse die Holzbauteile hochfeuerhemmend also F60 und mit einer wirksamen Brandschutzbekleidung der Kapselklasse K60 auszuführen. Dies war unter Berücksichtigung des projektbezogenen Brandschutzgutachtens technisch schon anspruchsvoll, hinzu kamen aber noch Fragen rund ums Baurecht.

Was meinen Sie damit?

Nach eingehender Lektüre der Richtlinie fanden wir einen Passus, der von einer speziellen `Fremdüberwachung´ für Hersteller hochfeuerhemmender Bauteile sprach. Da unser Betrieb natürlich bereits fremdüberwacht wird, fragten wir bei unserer Überwachungsstelle nach, ob die Fremdüberwachung damit erledigt sei. Doch weder die Überwachungsstelle, noch der Plattenlieferant wussten dazu etwas zu sagen. Zu guter Letzt baten wir Prof. Dr. Stefan Winter von der TU München um Hilfe. Sein Gespräch mit dem Deutschen Institut für Bautechnik ergab, dass tatsächlich eine spezielle Fremdüberwachung nötig sei - nur gebe es dafür in Deutschland noch kein zugelassenes Institut. Schlussendlich war es möglich, dass die Bauaufsichtsbehörde der Stadt Köln die Materialprüfanstalt der TU München von Prof. Dr. Winter mit der Fremdüberwachung beauftragte. Diese ganze Diskussion fand zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe in Ludwigshafen statt, bei der mehrere Menschen ums Leben kamen. Dies hat uns alle bezüglich der gesetzlichen und bauordnungsrechtlichen Vorschriften weiter sensibilisiert. Nachdem dies geklärt war, konnten wir mit der Lösung der technischen Aufgaben beginnen.

Welche Lösung haben Sie gefunden?

Gemeinsam mit dem Architekturbüro Archplan konnten wir praxisgerechte Lösungen finden, die das Ganze "baubar" machten. Wir konnten einige Änderungsvorschläge anbringen, die uns die Produktion erleichterten. Sehr entgegen kam uns dabei die Tatsache, dass die Architekten mit ihrem Büro auch die Statik und Bauphysik verantworten. Dies führte zu erfreulich kurzen Wegen und einer guten Abstimmung.

Wie realisieren Sie den Brandschutz nun im Detail?

Alle tragenden Wände der Kapselklasse K30 sind zweifach mit 12,5 mm dicken Gipsfaserplatten beplankt, im Bereich der Brandersatzwände verbauten wir eine Dreifach-Beplankung plus einer 0,5 mm dicken Blechtafel. An dieser Stelle möchte ich besonders betonen, dass wir auch auf die Kapselung aller Leitungs-/Rohrdurchführungen geachtet sowie Wanddurchbrüche und Fensterlaibungen sorgfältig mit zweifach Gipsfaserplatte gekapselt haben. Dies geschah zum größten Teil bereits in der Werksvorfertigung.

Wie steht es um das Volumen dieses Auftrags? Ist ihr Betrieb damit nun ausgelastet?

Nein. In unserem Unternehmensbereich Holzbau macht dieses Projekt weniger als 15 Prozent vom Jahresumsatz aus. Wir könnten also sechs oder sieben solcher Projekte bearbeiten. Wir achten aber auf eine "gesunde" Kundenstruktur, zum Beispiel ist der Holzhausvertrieb an Endkunden ein wichtiges Standbein, das wir nicht zugunsten von zu vielen Großprojekten vernachlässigen wollen.

Eine beispielhafte Sanierung samt Aufstockung in Holzbauweise: die "Fordsiedlung" in Köln.

Kurz zu der Baustelle vor Ort. Wie laufen da momentan die Arbeiten?

Prinzipiell sind wir im Plan, aber häufige Regenfälle behindern uns natürlich. Wir mussten besondere Regenschutzmaßnahmen ergreifen. Dies führt zu Mehrkosten, die außer uns keiner übernehmen mag. Die Arbeiten selbst laufen immer nach einem festgelegten Schema ab: montags Montage der Schwellen und Brettsperrholz-Deckenelemente, dienstags Montage der Wandbauteile, mittwochs Montage der Deckenelemente über dem neuen Geschoß.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Beteiligten?

Mit dem Bauherrn haben wir wenige direkte Berührungspunkte, das übernimmt der Generalunternehmer. Dieser wiederum ist ein angenehmer, verlässlicher Partner. Hier besteht die Möglichkeit, zusammen mit den Planern sachgerechte Lösungen zu entwickeln, ohne dass der Generalunternehmer sofort fragt, ob die gefundenen Lösungen zu Einsparungen führen würden. Das ist aber zugegebenermaßen eine Seltenheit. Weil Architektur und Statik in einer Hand liegen, läuft die Zusammenarbeit mit dem Büro Archplan wie erwähnt besonders reibungslos.

Welche Lehren haben Sie aus diesem Projekt gezogen, können Sie etwas für zukünftige Arbeiten mitnehmen?

Die Anforderungen an den Brandschutz in der Gebäudeklasse 4 sind hoch und bedürfen einer laufenden Kontrolle in der Produktion und auf der Baustelle, um die Einhaltung der Vorschriften sicherstellen zu können. Der temporäre Witterungsschutz während der Montage ist in den ganzen Bauablauf von Anfang an zu integrieren. Bereits bei der Planung ist dieses Thema nicht zu vernachlässigen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Details zu den energetischen Verhältnissen

Ziele/Vorgaben Solarsiedlung NRW - Umsetzung in der Fordsiedlung Köln

Basis: Passivhaus-Projektierungs-Paket, Passivhausleitfaden

Solarer Deckungsgrad: >0,25, erzielt: >0,27

Transmissionswärmeverlust: HT´ ≤ 0,4 W/(m²K) (für Aufstockung und Bestand),

erzielt: 0,38 W/(m²K)

Emission: ≤ 40 CO2/(m²a), erzielt: > 40 CO2/(m²a)

Heizwärmebedarf: ≤ 35 kWh/(m²a) (3-Liter Haus), erzielt: ≤ 26,5 kWh/(m²a)

Ziele nach dem KFW-Programm

Aufstockung: "Ökologisch Bauen, Energiesparhaus 40"

Jahres-Primärenergiebedarf: Qp < 40 kWh/(m²a), erreicht: Qp i.M. 34,2 kWh/(m²a),

Transmissionswärmeverlust: HT´ -45% - erreicht: HT´ -65,6%

Bestand: "CO2-Gebäudesanierungsprogramm" Kategorie A, Neubau-Niveau minus 30% Jahres-Primärenergiebedarf: zul. Qp i.M. = 80,67 kWh/(m²a), erreicht Qp i.M. 47,3 kWh/(m²a)

Transmissionswärmeverlust: zul. HT´ i.M. =70,5, erreicht HT´ i.M. 46,6

Bauordnungsrechtliche Situation

Orientierend: Musterbauordnung (MBO) Fassung November 2002

Einführung der Gebäudeklassen G1-G5,

Holzbauweise bis zur GK4 (5 Geschosse)

Einführung von hoch-feuerhemmenden Bauteilen in F60

Orientierend: Muster-Richtlinie für Brandschutztechnischen Anforderungen an

hoch-feuerhemmenden Bauteilen in Holzbauweise

(M-HFHHolzR) Fassung Juli 2004

Beherrschung des "Brandrisikos" durch BA-Bauweise

Hochfeuerhemmende Bauteile (F60-BA)

Bauteiloberfläche nichtbrennbar

Kapselung der brennbaren Tragkonstruktion

Grundlage: Landesbauordnung:

Einführung der MBO und der M-HFHHolzR

Empfehlung: Jeweils individuelles Brandschutzkonzept; Abstimmung des Brandschutzkonzeptes mit den beteiligten Behörden, der Feuerwehr und den Herstellern möglichst in einem frühen Planungsstadium und unter Leitung des Brandschutzsachverständigen.

Raumplanerische Aspekte

Ein wesentlicher Bestandteil des zukunftsfähigen Wohnens ist ein schönes, aber auch individuell gestaltbares Wohnumfeld. Verschiedene Bausteine tragen diesem Ziel Rechnung:

Mietergärten "grüne Zimmer" am Balkon

Die Erdgeschossbalkone erhalten Treppenzugänge in eine Gartenparzelle zur freien Verfügung der Mieter. Hecken bilden die robusten, räumlich stabilen Konstanten der Gärten, die der individuellen Nutzung und Ausstattung durch die Mieter gestalterisch Freiraum lassen und in die Gesamtsiedlung einbinden.Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, für einige Obergeschossmieter ebenfalls einen privaten Gartenraum einzurichten, ohne dass auf allgemeinzugängliche Freiflächen verzichtet wird.

Hausterrassen für die Hausgemeinschaft

Zu den Kellereingängen werden schmale Gartenwege geführt. Hier entstehen kleine Hausterrassen, die den Bewohnern für eine gemeinsame Nutzung zur Verfügung stehen. Wegeverbindungen werden barrierefrei und mit ausreichender Beleuchtung gestaltet. Spiel- und Kommunikationsbereiche werden neu belebt und heutigen Bedürfnissen entsprechend ausgestattet.

Eingangsplatz Platz zum Schwatz

Die Hauseingänge werden zu kleinen barrierefreien Eingangsplätzen erweitert. Sie bieten die Möglichkeit, vorübergehend Fahrräder, Kinderwagen oder Gehhilfen trocken und geschützt abzustellen. Auch die Vorgärten bieten reichliche Möglichkeiten, je nach Gebäudeausrichtung die Abendsonne für den nachbarlichen Treff zu nutzen. Entlang der Hausfronten werden niedrige Heckensockel gepflanzt.

Regenwasser

Das Dachflächen-Niederschlagswasser wird in Rigolen auf dem Gelände versickert. Es kann aber auch für die Gartenbewässerung aufgefangen werden. Ein weiterer kleiner Beitrag zur Wohnkostenminderung.

Gestaltung

Das markanteste Merkmal ist die städtebauliche Anordnung der Gebäuderiegel mit einer klaren Nord-Süd-Orientierung der Wohnblocks. Die dazwischen liegenden großzügigen Freiflächen sind zwischenzeitlich üppig mit Baumbestand ausgestattet. Die Anordnung in Verbindung mit dem Grün ergibt den Charakter der Siedlung.

Durch Sanierung und Aufstockung wird die Chance genutzt, dieser Siedlung bei Beibehaltung der städtebaulichen Struktur ein modernes Gesicht zu geben. Während die bestehende Substanz durch Wärmedämmverbundsystem und zum Teil neue Fenstereinteilung in ihrer Form trotzdem aber erhalten bleibt, ergibt das Obergeschoss auch farblich abgesetzt dem Gebäuderiegel eine neue Gesamtform. Die neuen Balkone unterstützen die neuen Proportionen zusätzlich.

Die Aufstockung erhält an den südlichen Enden der Wohnblocks eine turmartige Erhöhung mit einem großen, nach Süden geneigten Pultdach. Neben der Notwendigkeit, hier Sonnenkollektoren zu installieren, soll diese Form städtebaulich die Blocks deutlich orientieren. So ergibt sich an der Haupterschließungsstraße, der Königsberger Straße, eine Abfolge von Kopfbauten, die der geschwungenen Straßenform folgen und so hier ganz neue Blickpunkte und Einfassung des Flächenraumes mit sich bringen.

Die neuen Bauteile werden farblich deutlich gegenüber dem Bestand abgesetzt, wodurch die Aufsattelung und deren Kopfbauten noch einmal zusätzlich betont werden. Die Balkone neben zum Teil die Farbgebung auf, die sich zusätzlich dann noch in den neuen Eingangsbauwerken widerspiegelt. Es wird allerdings mit nur drei Farbtönen mit unterschiedlichen Nuancierungen gespielt.

Bautafel

Wohnfläche/Anzahl Wohnungen

vorher: 14.210 m²/300,

nachher: 14.712 m²/264 plus 6.354 m²/81 durch die Aufstockung

Bauherr:

LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH, Düsseldorf, www.leg-nrw.de

Generalunternehmer: B&O Wohnungswirtschaft GmbH + Co. KG, München,www.bo-wohnungswirtschaft.de

Architekur/Tragwerksplanung/Bauphysik/Energiekonzept/Qualitätskontrolle:

Archplan GbR, Architektur - Tragwerksplanung - Bauphysik, Münster, www.archplan.de

Holzbau:

Huber & Sohn GmbH & Co. KG, Bachmehring, www.huber-sohn.de

TGA:

KaTplan, Ingenieurbüro für Haustechnik, Münster, www.katplan.de

Brandschutzkonzept:

Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG,Gifhorn, www.kd-brandschutz.de

Prüfstatik:

SKP, Ingenieursozietät Schürmann Kindmann und Partner GbR, Dortmund, www.skp-ing.de

Bilderstrecke - Teil 1: Altbestand & Planung

Video - Teil 1: Altbestand & Planung

Bilderstrecke - Teil 2: Werkplanung & Produktion

Video - Teil 2: Werkplanung & Produktion

Bilderstrecke - Teil 3: Montage & Qualitätskontrolle

Video - Teil 3: Montage & Qualitätskontrolle

Markus Langenbach

Markus Langenbach M.A. ist Chefredakteur der Zeitschrift BAUEN MIT HOLZ.