Mit der neuen Fußgänger- und Radwegbrücke über den Neckar entschied sich die Gemeinde Neckartenzlingen für eine neue Generation von Holzbrücken. Die Form des Brückenkörpers folgt der Momentenlinie des statischen Systems und schützt zusammen mit dem Betonbelag den Querschnitt vor Bewitterung.
Seit der Montage der neuen Fußgänger- und Radwegbrücke über den Neckar im März 2017 hat die Gemeinde Neckartenzlingen im Landkreis Esslingen ein neues Vorzeigeobjekt. Nicht nur ist die Brücke mit dem raffiniert gestuften Brettschicht(BS)holzträger in dieser Art bisher einzigartig in Deutschland, sondern die darin verbauten 255 m³ Holz speichern auch über 200 Tonnen Kohlendioxid. Auf diese Weise betreibt die Gemeinde ganz bewusst angewandten Klimaschutz. Das ist immerhin so besonders, dass Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, zur Montage eingeladen wurde und auch kam. Mit dem Bau dieser Holzbrücke betone Neckartenzlingen die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand auf diesem Sektor, so die Worte des Ministers bei der Ansprache während der Montage.
Das ist umso erstaunlicher, als die ursprüngliche Idee auf eine Stahlbrücke abzielte. Zu guter Letzt konnten die Planer den Bauherrn aber doch von den wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen einer Holzbrücke überzeugen. Anreiz könnte außerdem gewesen sein, dass die Landesregierung die Position Baden-Württembergs als Holzbauland Nummer eins in Deutschland weiter stärken will, wie Hauk erwähnte. Die Brücke wurde schließlich mit insgesamt 770.000 Euro vom Land und von der Region Stuttgart gefördert.

Mit drei Feldern den Fluss überbrückt
Die knapp 96 m lange und 3 m breite Brücke ist Teil der Streckenführung des Neckartalradwegs und fügt sich mit eigener Ästhetik in die Umgebung ein. Sie folgt im Grundriss einer flachen S-Form, die sich an dem anschließenden Wegeverlauf orientiert, sodass Weg und Brücke natürlich ineinander übergehen. Die Feldweiten der als Dreifeldträger angelegten Konstruktion ergeben sich aus Lage und Breite des Flusses und der zu verbindenden Ufer: das Mittelfeld hat eine Spannweite von 44,50 m, die Randfelder jeweils eine von 25,65 m. Das mittlere, gerade Hauptfeld verläuft in einem Winkel von 85 gon über den Neckar. Die beiden Felder über den Vorlandbereichen sind im Grundriss gebogen und folgen einem Radius von etwa 65,25 m. Der Brückenkörper lagert auf zwei Mittelpfeilern und den Widerlagern aus Stahlbeton.
Autoren: Susanne Jacob-Freitag und Fabian Wolf
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in BAUEN MIT HOLZ 11.2017 .