Editorial - Baugeld ist billig, Wohnraum ist knapp, es wird viel gebaut. Wo kann und sollte sich der Holzbau positionieren?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
während der öffentliche Bau stagniert, ist die starke Bautätigkeit im Wohnbau in Deutschland derzeit ungebrochen. Ein Plus bei den genehmigten Neubauwohnungen von 30,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2015 meldete das Statistische Bundesamt kürzlich. Bei den Um- und Ausbaumaßnahmen hätten die Genehmigungszahlen aktuell einen Höchststand seit 1997 erreicht, hieß es weiter. Um 60 Prozent sei der Wohnungsbau gegenüber 2009 gewachsen, rechnet derweil das Bonner Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten vor. Jedoch gäbe es dafür andere Gründe, als beim letzten Neubauboom Ende der 1990er Jahre. Zurzeit seien besonders die Bevölkerungszuwächse in den Ballungsgebieten dafür verantwortlich.
Allerdings wachsen die Immobilienpreise in Stadtlagen derzeit in Höhen, die junge Familien oft nicht mehr bezahlen wollen oder können – selbst wenn die Zinsen auf niedrigstem Niveau liegen. Genau hier lägen große Chancen für den Holzbau. „Kleine Mehrfamilienhäuser in stadtnaher Lage sind ideale Investitionen für Holzbauer“, erklärt Martin Langen, der Geschäftsführer von B+L Marktdaten. Viele regionale Holzbaubetriebe könnten solche Gebäude realisieren.
Ähnlich hoch sei das Potenzial bei Aufstockungen, schreibt Langen ab Seite 52 in seinem Beitrag „Genau hinschauen“.
Genau hinschauen mussten auch die Ingenieure der Ingenieurgesellschaft Schneck Schaal Braun aus Tübingen.
Beim Tragwerksentwurf für ein Wohngebäude, bei dem alle vier Geschosse gegeneinander verschoben sind,
mussten sie Einfallsreichtum beweisen. Nur mit geschickten Kunstgriffen war der Viergeschosser in Nagold realisierbar. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 8 unter „Versatz mit Effekt“.
Welchen Effekt Wasser in Holzkonstruktionen hat, wissen Holzbaufachleute nur zu gut. Umso wichtiger ist es,
sich auch um die Stellen zum kümmern, für die sich oftmals niemand zuständig fühlt. Eine dieser Stellen ist
das Gewerkeloch zwischen Fenster, Laibung und Fensterbank. Wie es sich in den Griff bekommen lässt, lesen
Sie unter „Das Gewerkeloch bedenken“ ab Seite 19.
Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre .
Wolfgang Schäfer
