Die aktuelle Baukonjunkturstudie der Heinze GmbH informiert über den Zustand und die Stimmungslage in der Baubranche. Die statistische Basis hierfür bildeten umfassende Befragungen unter Baustoffherstellern, Architekt:innen und Studierenden.
Für die Studie sind zweimal jährlich Führungskräfte aus der Bauindustrie aufgerufen, ihre Geschäftslage für insgesamt vier Quartale im Detail zu bewerten. „Da sich daran stets mehr als 300 Entscheider:innen beteiligen, können wir aussagekräftige Ergebnisse für derzeit 34 Produktbereiche ausweisen“, erläutert Thomas Wagner, Head of Market Research bei der Heinze GmbH.
Das ernüchternde Ergebnis der diesjährigen Befragung: „Die schlechteste Lagebewertung seit Beginn der Umfragen im August 2015“, bringt Thomas Wagner die aktuelle Stimmung auf den Punkt. „Jeder zweite Hersteller bewertet die aktuelle Lage als schlecht. Noch schlimmer: Nur neun von 100 sehen für diesen Herbst und Winter eine Verbesserung, 52 Prozent gehen sogar von einer Verschlechterung aus. Ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung ist die desaströse baukonjunkturelle Lage: 91 Prozent der Entscheider beurteilen diese als schlecht oder sehr schlecht. Und auch hier erwartet die große Mehrheit der Befragten eine weitere Verschlechterung in den kommenden Monaten. Diese Lage spiegelt sich auch in den tatsächlichen Absätzen wider: Zwei Drittel der Befragten klagen über einen Absatzrückgang gegenüber dem Vorjahr – und das in zweistelliger Prozenthöhe! Für 2024 rechnen 44 Prozent der Unternehmen mit weniger Absatz.“ Den viel zitierten „Lichtstreif“ am Horizont müsse man dementsprechend suchen, so Wagner. Viele Unternehmen profitieren inzwischen zumindest zaghaft von den sich erholenden Rohstoffpreisen und zurückgehenden Lieferkettenproblematiken.
Die Bedeutung fundierter Marktkenntnisse nimmt aus Sicht von Thomas Wagner damit weiter zu. „Nicht nur die missliche Lage macht das Wissen um seine Zielgruppen und deren Bedürfnisse besonders wichtig. Auch Aspekte wie die Nutzung verschiedener Social-Media-Kanäle, die Gewinnung von Fachkräften oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz stellt die Hersteller vor große Herausforderungen.“
Architekt:innen mit „überraschender“ Sorge
Etwas positiver – wenn auch im Ausblick ebenfalls negativ – sehen die befragten Architektinnen und Architekten die Stimmungslage. Fast die Hälfte der 240 befragten Büros bewertet die aktuelle Situation als gut (35 Prozent) oder sehr gut (13 Prozent), immerhin 10 Prozent bewerten sie als mangelhaft beziehungsweise als ungenügend (8 Prozent). Tendenziell sehen die Befragten sich verschlechternde Marktbedingungen, wobei hier insbesondere Bürokratismus und eine zunehmend schwierige Zusammenarbeit mit Bauämtern als Gründe genannt wurden. Überraschend fiel die Antwort auf die Frage nach der größten Sorge aus: „Am meisten machen sich die Architekt:innen Sorgen um die Schul- und Bildungspolitik in Deutschland. Und dies bei einer Vorgabe von 15 potenziellen ,Brand‘-Themen seitens unserer Marktforschung“, erklärt Thomas Wagner.
Die Jugend will nachhaltig gestalten
Von großem Interesse sei daher auch die Befragung des Architektur- und Bau-Nachwuchses gewesen. Als Hauptmotivation für die Berufs- beziehungsweise Studienwahl wurden der Wunsch nach kreativem Arbeiten und die Verbesserung von Wohn- und Lebensbedingungen genannt. Insbesondere Nachhaltigkeitsaspekte waren für viele Befragte von großer Bedeutung. „Es gibt ein hohes Interesse an Modernisierung und der Planung von Mehrfamilienhäusern. Man will mehr über Baustoffe und Hersteller wissen. Mehr Praktikumsmöglichkeiten und Werksbesichtigungen waren dabei nur zwei der an sie gerichteten Wünsche“, so Thomas Wagner.
Weitere Informationen und alle Ergebnisse der durchgeführten Befragungen sind per E-Mail unter marktforschung@heinze.de erhältlich.
