Die Holzbauunternehmer sind mit der Ertragslage zufrieden. Ihre Auslastung ist leicht gesunken und der Auftragsbestand gestiegen. Soweit eine typische Bewertung für ein erstes Quartal. Außergewöhnlich schlecht ist ihre Umsatzerwartung für 2012. Zu Unrecht.
Die Zimmerer sind mit der Ertragslage des ersten Quartals 2012 zufrieden (Schulnote 2,76). Diese für ein erstes Quartal typische Bewertung lässt sich auf die ungewöhnlich kalte Witterung im Februar zurückführen. Der Beurteilung entsprechend sank auch die Auslastung im Vergleich zum Vorquartal die Maschinenauslastung von 71 Prozent auf 56 Prozent und die Mitarbeiterauslastung von 91 Prozent auf 77 Prozent. Zu 60,4 Prozent arbeiteten die Holzbauunternehmen im Altbau. Dabei kommt der Großteil der Aufträge weiterhin aus dem privaten Sektor (76,3 Prozent). Gewerblich (14,4 Prozent) sowie öffentliche (9,3 Prozent) Auftraggeber liegen wie gewohnt auf niedrigem Niveau. Klassische Zimmererarbeiten dominierten mit 56,7 Prozent, gefolgt von Hausbau (14,3 Prozent) und Dachdeckungen (11,9 Prozent). Der Auftragsbestand ist leicht gestiegen und reicht für 2,3 Monate.
Mehr als die Hälfte erwarten in den nächsten Monaten bessere Umsätze, 38 Prozent gleichbleibende Umsätze; 7 Prozent rechnen sogar mit schlechteren Geschäften. Anfang 2011 war die Stimmung in der Holzbaubranche wesentlich optimistischer. Fast 80 Prozent rechneten damals mit besseren Umsätzen, nur 1 Prozent erwartete schlechtere und 29 Prozent waren der Meinung, dass sie ihr Niveau halten. Die aktuelle äußerst verhaltene Umsatzerwartung ist bemerkenswert, denn die wirtschaftliche Prognose für 2012 ist positiv.
BIP steigt voraussichtlich um 0,9 Prozent
Erfreulich positiv gestartet, schwächelte die gesamtwirtschaftliche Wirtschaftslage 2011 ab Mitte des Jahres. Die Konjunkturdelle des Winterhalbjahres ist aktuell überwunden. Die Geschäftserwartungen sind seit Dezember vergangenen Jahres aufwärtsgerichtet, das Konsumklima hat sich verbessert und auch der Arbeitsmarkt war zu Jahresanfang auf erfreulich hohem Niveau stabil. Mit einem deutlichen Anstieg auf 109,9 Punkte verzeichnete der ifo-Geschäftsklimaindex den sechsten Anstieg in Folge. Besonders die Industrie zeigt sich optimistisch. Ihre Zukunftserwartungen hellen sich auf. Allerdings berichtet auch in dieser Befragung der Bausektor von einer verschlechterten Geschäftslage und bewertet die Zukunftsaussichten negativ.
Die führenden Forschungsinstitute erwarten in ihrer Frühjahrsprognose, dass sich die konjunkturellen Auftriebskräfte durchsetzen. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird 2012 voraussichtlich um 0,9 Prozent zulegen. Der maßgebliche Impuls wird, wie in den vergangenen Jahren, von der Binnennachfrage kommen, vor allem von Investitionen und privaten Konsumausgaben. Schon 2011 trug die inländische Nachfrage zum Wirtschaftswachstum mit rechnerisch 2,1 Prozentpunkten bei.

Kräftige Aufwärtsbewegung im Wohnungsbau
Auch die Bauinvestitionen werden ihren Aufschwung fortsetzen. Für das Jahr 2012 erwarten die Institute einen Anstieg um 2,3 Prozent. 2013 sollen sie sogar um 4,8 Prozent wachsen. Dabei steigen die Baupreise in beiden Jahren um 2,75 Prozent und somit ebenso kräftig wie 2011. Schon im vergangenen Jahr expandierten die gesamten Bauinvestitionen mit einer Rate von 5,8 Prozent, so stark wie seit 1994 nicht mehr.
Im Wohnungsbau deuten die Indikatoren auf eine weiterhin kräftige Aufwärtsbewegung hin. Bereits 2011 befand sich dieser Sektor auf einem Höhenflug von 6,3 Prozent. Er profitiert davon, dass Immobilien als wertbeständige Kapitalanlage gelten. Außerdem beeinflussen die außergewöhnlich niedrigen Hypothekenzinsen von durchschnittlich 3,6 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit sowie die steigende Einkommensentwicklung den Wohnungsbau positiv. Die Forschungsinstitute erwarten, dass die Wohnungsbauinvestitionen 2012 um 4 Prozent steigen.
Der Wirtschaftsbau verzeichnete im vergangenen Jahr mit 7,2 Prozent den kräftigsten Zuwachs seit 1992. Die Entwicklung der Auftragseingänge und der hohe Auftragsbestand deuten darauf hin, dass die Bauinvestitionen aufwärtsgerichtet bleiben. Stimulierend wirken auch hier die günstigen Finanzierungsbedingungen. Zudem verbessern sich die Ertragsaussichten der Unternehmen. Unter diesen Voraussetzungen steigen die Wirtschaftsbauinvestitionen in diesem Jahr um 0,4 Prozent und im kommenden Jahr um 3,9 Prozent.
Die öffentlichen Bauinvestitionen stagnierten 2011. In diesem Jahr werden sie voraussichtlich um 1,3 Prozent sinken. 2013 dürfte sich die verbesserte Finanzlage der öffentlichen Haushalte allmählich bemerkbar machen und zu einem Wachstum von 1,3 Prozent führen.
Für ein erfreuliches Jahr 2012 sind also alle Voraussetzungen gegeben.
Laura Westerhoff