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Corona

03. August 2021 | Teilen auf:

Stadt-Land: Corona verändert räumliche Bevölkerungsverteilung in Deutschland

Die Covid-19-Pandemie hat das Städtewachstum verlangsamt und teilweise zu Bevölkerungsschrumpfung geführt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in seinem Nationalatlas aktuell online veröffentlicht hat. Interaktive Deutschlandkarten zeigen, wie sich die Bevölkerungsgewinne und -verluste über die Kreise und Städte verteilen.

Demnach hat sich das Bevölkerungswachstum im ersten Jahr der Corona-Krise im Vergleich zum Vorjahr in vielen Städten stark abgeschwächt. In rund einem Fünftel aller Kreise ist die Bevölkerung geschrumpft. Einwohnerverluste bis zu 1,7 Prozent verzeichneten beispielsweise Heidelberg, Würzburg, Trier, Chemnitz, Magdeburg, Stuttgart und Karlsruhe. Gewachsen sind Hamburg, München, Potsdam und Leipzig.

Wanderungsverluste als Wachstumsbremse

Als Hauptursache der Bevölkerungsverluste vieler Städte sieht die Studie ein Umschwenken von Wanderungsgewinnen zu Wanderungsverlusten. Vor allem die Zuwanderung aus dem Ausland ist im Pandemie-Jahr 2020 eingebrochen. Zudem blieben die Zuzüge von Auszubildenden, Studierenden und Berufseinsteigern aus. Positiver fällt die Wanderungsbilanz für die ländlichen Kreise aus. Aus ihnen sind prozentual weit weniger Menschen fortgezogen als aus den Großstädten. Als Beispiele nennt die Studie Vorpommern-Rügen, die Nordseeküste Schleswig-Holsteins sowie ländliche Regionen in Bayern und der Pfalz. Wie Mitautor Tim Leibert vom IfL betont, zählten diese Räume bereits 2019 und davor zu den Wanderungsgewinnern. „Corona hat die regionalen Unterschiede der Bevölkerungsentwicklung eher verstärkt als verursacht“, so der Bevölkerungsgeograf.

Kaum Stadt-Land-Unterschiede bei natürlichen Bevölkerungsveränderungen

Kein Stadt-Land-Kontrast zeigt sich laut der Studie bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung. In fast sämtlichen ländlichen und städtischen Kreise sowie kreisfreien Städten gab es von 2019 bis 2020 mehr Sterbefälle als Lebendgeburten. Lediglich die sieben Metropolen und weitere 14 kreisfreie Großstädte wie München, Frankfurt am Main oder Freiburg weisen eine leicht positive Bilanz auf.

Momentaufnahme oder Trendwende?

Von einer Trendwende beim Städtewachstum zu sprechen, halten die Autoren der Studie für verfrüht. Dieses habe sich bereits seit 2017 verlangsamt. Zudem lägen Langzeitdaten für die Jahre nach 2020 noch nicht vor. Die stark gesunkenen Zuzugszahlen im Jahr 2020 deuteten indes auf eine ganz neue Entwicklung hin. „Sinkende Geburtenraten bei gleichzeitig erhöhten Sterberaten könnten langfristig erhebliche Konsequenzen für die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland haben“, heißt es in der Studie.

Unter  http://aktuell.nationalatlas.de  veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Kartenbeiträge zu Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik, Gesundheit und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum Download bereit. Auf Wunsch können die Materialien in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden.