Gutex Weimar (1)
Foto: Jörg Bleicher

Technik

27. August 2019 | Teilen auf:

Dämmung: Ökologischer Baustoff für ortstypische Architektur

Das Mehrfamilienhaus im Weimarer Jugendstil-Viertel ist eine zeitgemäße Form der städtischen Nachverdichtung mit nachwachsenden Rohstoffen. Holz dient hier nicht nur als Konstruktions- sondern auch als Dämmmaterial.

Die denkmalgeschützte Westvorstadt in Weimar gehört zu den schönsten Wohnvierteln der Stadt. In einer exponierten Lage und umgeben von Jugendstilvillen ist hier 2017 ein modernes Mehrfamilienhaus in Holzrahmenbauweise entstanden. Entworfen hat es das Weimarer Architektur- und Ingenieurbüro Koop.

Trotz eines höheren Planungsaufwandes gegenüber dem konventionellen Bauen haben sich die Architekten und Bauherren für den Holzrahmenbau entschieden. Denn Holz gewinnt mehr und mehr an Bedeutung – vor allem in der städtischen Nachverdichtung. Bei dem Mehrfamilienhaus entstanden bei einer 31cm dünnen Außenwandkonstruktion so Grundrisse zwischen 120-123 qm – das hätte ein Massivbausystem in dieser Baulücke nicht umsetzen können. Durch die industrielle Vorfertigung der großformatigen Holzbauteile (hier: 3 m x 12 m) stand der Holzrohbau in Weimar innerhalb von nur drei Wochen.

Foto: Jörg Bleicher

Ökologische Baustoffe für ortstypische Architektur

Das viergeschossige Gebäude bietet auf jeder Ebene eine Wohnfläche von etwa 120 qm, wobei das oberste Staffelgeschoss mit Ateliercharakter eine geringere Grundfläche aufweist. Diese Gliederung des Baukörpers ist seit Gründung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule ortstypisch und wurde von den Architekten bewusst übernommen. Weitere räumliche Anpassungen an die Umgebung sind neben dem Ateliergeschoss auch die Gebäudehöhe, die heterogene Fassadengestaltung sowie die Fenster aus Nussbaumholz.

Foto: Jörg Bleicher

Auffällig sind auch die Auskragungen und Vorsprünge, die wie eine moderne Antwort auf die benachbarten Jugendstilbauten mit Türmchen und Erkern wirken. Die raumhohen Verglasungen sowie das farblich abgesetzte Treppenhaus aus Sichtbeton geben die besondere Gestaltqualität des Gebäudes wieder. Zum Schutz vor Feuer und aus Gründen der Energieeinsparung ist es vom beheizten Holzbau völlig entkoppelt und bietet durch einen Aufzugschacht den barrierefreien, im Erdgeschoss sogar den rollstuhlgeeigneten Zugang zu den Wohnungen. Neben der nahezu ausschließlichen Verwendung ökologischer Baustoffe wird das Gebäude auch mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz beheizt. In diesem Falle ist es eine Pelletheizung (Biomasse), die dem gesamten Gebäude Heizenergie und Brauchwasserwärme liefert. Der Grundriss bietet ein offenes Wohnkonzept, das mit großzügigen Eingangsdielen und Wohnräumen mit integrierter Küche und Essplatz umgesetzt wurde. Über drei Balkone auf den ersten Etagen sowie zwei Dachterrassen im Ateliergeschoss können die Bewohner außerdem den Blick über den Garten genießen.

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Holzrahmenbau mit flexiblen Holzfaserdämmplatten

Foto: Jörg Bleicher

Der Holzrahmenbau wurde in einem Raster von 62,5 cm aus Konstruktionsvollholz erstellt und mit flexiblen Holzfaserdämmmatten ausgefacht. Nach innen bildet eine zum Teil sichtbare Brettsperrholzplatte den Abschluss. Nach außen wird der Wandaufbau durch eine Dampfbremse, eine Holzfaserdämmplatte als Putzträger und einem zweischichtigen Putzsystem abgeschlossen.

Als Dämmmatte und Putzträgerplatte wurden die Produkte Gutex Thermoflex und Gutex Thermowall NF verwendet. Als Pionier für ökologische Dämmung in Europa setzt das Unternehmen seit mehr als 87 Jahren Maßstäbe hinsichtlich einer innovativen und umweltfreundlichen Produktionstechnologie. Die Dämmlösungen aus Schwarzwälder Tannen- und Fichtenholz werden aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen und gelten daher als baubiologisch vorteilhafte Alternative zu Fassadendämmstoffen aus Polystyrol oder anderen Kunststoffen.

Das Mehrfamilienhaus in Weimar liegt unweit entfernt von der gepflasterten und vor allem viel befahrenen Humboldtstraße und ist somit höheren Schallpegeln ausgesetzt. Durch die Verwendung von Holzfaserdämmstoffen konnte der Schallwiderstand der Außenbauteile verbessert und die Lärmbelastung in den Wohnräumen reduziert werden.

Foto: Jörg Bleicher

Sonderpreis Holzbau

Für das zukunftsfähige Bauen erhielt das Mehrfamilienhaus in der nördlichen Wilhelm-Külz-Straße 2017 den Sonderpreis Holzbau des Thüringer Staatspreises für Ingenieurleistungen. Laut Jury wurden „bei diesem Baukörper Nachhaltigkeit und Ökologie konsequent umgesetzt“, da „nicht nur alle tragenden und aussteifenden Teile aus Holz sind, auch die eingebrachte Dämmung besteht folglich aus ökologischer Holzfaserdämmung.“

zuletzt editiert am 04.08.2021