Die aufwendige Sanierung einer abruchreifen Scheune im thüringischen Arnstadt ist ein gelungenes Beispiel, das zeigt, dass die historische Fachwerkbauweise den modernen mindestens in den Punkten Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit der Baustoffe überlegen sein kann.
Die Scheune ist Bestandteil eines dreiseitenhofs, eines Renaissanceensembles aus der Zeit um 1592, bestehend aus der Scheune, einem nahezu original erhaltenen Torportal, einem angrenzenden Waschhäuschen und einem Wohnhaus. Historisch ist der Hof auch unter dem Namen „Gans zu dreyen Rosen“ bekannt, was durch den Schlussstein im Torportal auch heute noch belegt wird.
Gegenüber steht die frühgotische Oberkirche mit ehemaligem Barfüßerkloster, dazwischen ein Brunnen, auf dem Platz eine imposante Friedenseiche, ein Naturdenkmal.
Das Ensemble dürfte Bestandteil des Klosters gewesen sein. Bereits im Jahre 1246 siedelten Barfüßermönche von Gotha nach Arnstadt über und errichteten am heutigen Pfarrhof ein Franziskanerkloster mit der Oberkirche.
In dieser Zeit (1256) wurden auch die Kellergewölbe und vermutlich Vorgängergebäude der heutigen Scheune errichtet. Der für Thüringen typische Laubengang im 1. OG der Ostfassade kam durch viele Umbauten kaum mehr zur Geltung. Darüber befindet sich ein doppelt liegender strebenloser Dachstuhl, der selbst von FachwerkspezialistInnen in seiner Größe als herausragend beschrieben wird. Einem Kirchenschiff ähnlich liegen die beeindruckenden Balken stützenfrei im Raum und lediglich auf den Außenmauern auf.

Handwerklich lässt sich hier fast unverändert die Kunstfertigkeit der Renaissance ablesen. Seit mehr als hundert Jahren erfuhr dieser riesige Raum mit seinen circa 800 m³ Rauminhalt keine Nutzung. Es ist ungewöhnlich, inmitten der Altstadt eine mit Schmuckfachwerk und Laubengang aufwendig gestaltete Scheune zu finden. Nichts deutet heute in den Gassen auf eine ehemals landwirtschaftliche Nutzung hin, und es wird daher vermutet, dass der Dreiseitenhof von Beginn an als Lager- und Waidspeicher geplant war.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Der Zimmermann 11.2019.
Autor: Dr. Michael Willhardt