News 2015-12-11T00:00:00Z DER ZIMMERMANN 12.2015: Historische Sparbauweise

Ab den 1920er Jahren gab es eine Vielzahl von Innovationen auf dem Gebiet des Holzbaus. Ein Grund für diese Innovationen war der akute Baustoffmangel im Deutschen Reich. Vor allem im Bereich der Dachtragwerke wurden zahlreiche Neuerungen entwickelt. Ein Beispiel ist das sogenannte Zollinger-Lamellendach.

Zollingerbauweise
Dieses Wohnhaus in Leipzig-Schleußig trägt ein Dach in Zollingerbauweise. Bild: Lutz Reinboth

Der Merseburger Baurat Friedrich Zollinger entwickelte ab 1906 das Prinzip des Rauten-Lamellendachs. Dieses Dachtragwerk meldet er am 14. Oktober 1921 als Patent „Raumabschließende, ebene und gekrümmter Bauteil“ an. Das Europäische Zollbausyndikat meldete am 13. September 1923 noch ein Patent für „Flechtwerkkuppel aus einzelnen sich gegeneinander abstützenden Trägern“ an. Diese Firma entwickelt diese Dachtragkonstruktion für Kuppeln weiter. Die Bauweise wurde später in Form von Lizenzen vom Europäischen Zollbausyndikat AG vertrieben. Außer diesem Patent im Deutschen Reich war das Zollinger-Prinzip noch in zahlreichen Ländern patentrechtlich geschützt. Die Bauweise wurde bis in die späten 1930er Jahren errichtet.

Um die Holzkonstruktion wirtschaftlich zu gestalten, sind Tragsicherheitsnachweise erforderlich. Einen Tragsicherheitsnachweis konnte man in den Anfangsjahren nicht exakt erbringen. Deshalb wurden an Hochschulen und Materialprüfungsanstalten Belastungsversuche durchgeführt. Die Ergebnisse fielen positiv aus. Das theoretische Näherungsverfahren von Professor Robert Otzen entsprach den Ergebnissen der Belastungsversuche. Durch den Verbund der einzelnen Lamellen entsteht eine Art von Holznetzgewölbe. Das Zollbausyndikat bot auch komplette Rohbauhäuser mit den sogenannte Zollbaugussverfahren an. Diese Bauweise war ebenfalls patentiert. Dem breiten Publikum wurde die Zollingerbauweise durch die Baufachpresse oder auf Messen wie der „Leipziger Baumesse“ vorgestellt. Das Rautensystem von Zollinger wurde in den 1930er Jahren auch im Stahlbau angewendet.

Wenig Holz für großes Dach

Mit den Lamellen wird wesentlich an Holz gespart. Dadurch hat das Dachtragwerk ein geringes Eigengewicht. Im Dach entsteht ein großer nutzbarer Raum. Die Zollingerdächer konnten in kurzer Zeit errichtet werden. Bei Bedarf war auch eine problemlose Demontage möglich. Die aufwendige Konstruktion des Dachverbands entfiel. Dank der biegefesten Konstruktion konnte man ohne Weiteres Öffnungen einbauen, wie zum Beispiel Fenster und Dachgauben. Die Abbundarbeit ist auf ein Mindestmaß beschränkt. Transportkosten wurden dadurch gesenkt und größere Hebezeuge für die Bestandteile des Dachtragwerkes waren nicht notwendig. Mit dem Zollinger Dachtragwerken konnte man sehr große Spannweiten realisieren.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in DER ZIMMERMANN 12.2015.  

Autor: Lutz Reinboth

zuletzt editiert am 04. August 2021
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