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19. May 2021 | Teilen auf:

Der Zimmermann 5.2021: Eine pragmatische Lösung gibt es nicht

Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Preise von Bauholz und Baustoffen allgemein steigen derzeit immens (siehe Seite 5). Hinzu kommt, dass der Schnittholz- und Holzbauproduktemarkt nahezu leergefegt ist, also nicht nur der Preis, sondern vor allem die Beschaffung zurzeit ein großes Problem darstellt.

Über die Gründe, die dazu führten, haben die Tagespresse, Funk und Fernsehen berichtet, darauf möchte ich hier nicht eingehen.

Weil das Baumaterial fehlt, können Aufträge nicht termingerecht ausgeführt werden. Für bereits abgeschlossene Bauverträge wurde mit deutlich geringeren Holzpreisen kalkuliert. Unternehmen stehen nun in der Pflicht, diese entsprechend zu erfüllen. Wie von verschiedenen Verbänden, zum Beispiel von den Landesinnungsverbänden Baden-Württemberg und Niedersachsen, oder auch dem Netzwerk 81fünf zu erfahren war, gibt es nur wenig Spielraum für Nachverhandlungen. „Im Einzelfall könnte nach § 313 BGB ‚Störung der Geschäftsgrundlage‘ herangezogen werden, das müsste aber genau geprüft werden und lässt sich nicht pauschalisieren“, teilt Bernhard Beck, Assessor bei Holzbau Baden-Württemberg, auf Anfrage mit. Gerne fällt auch der Begriff „Preisgleitklausel“ für kommende Verträge, um das unternehmerische Risiko aufgrund einer nicht überschaubaren Marktsituation zu reduzieren. Dazu sagt Thomas Behnke, Geschäftsführer des Verbandes der Niedersächsischen Zimmermeister: „Preisgleitklauseln sind nur sehr bedingt einsetzbar und mit Vorsicht zu genießen. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist eine Preisgleitklausel oder Preisbindungsfrist meist in der Ausschreibung vorgesehen. Ist sie das nicht, lässt sich kaum etwas korrigieren. Bei privaten Verträgen muss eine Preisgleitklausel sehr individuell vereinbart werden, es darf nicht den Anschein haben, dass sie ein Bestandteil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist. Und auch dann kann sie gerichtlich für unwirksam erklärt werden.“ Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es keine pragmatische Lösung gibt, sondern wenn überlegt wird, vertragsrechtliche Möglichkeiten anzuwenden, juristischer Rat eingeholt werden sollte.

Empfohlen werden kann, Angebote in Zukunft zeitlich stark zu begrenzen. Der Hinweis „Angebot freibleibend“ kann zudem die Bindung an ein Angebot einschränken. Es sollte dann aber deutlich darauf hingewiesen werden, dass es sich nicht um ein verbindliches Angebot handelt. Thomas Elster, Geschäftsführer des Netzwerks 81fünf, hat einen weiteren Tipp parat: „Ein Kollege aus unserem Netzwerk bietet die Leistungen mit KVH sehr hoch an, hält die Preisgestaltung aber transparent und sichert der Kundschaft zu, dass, wenn der Holzpreis sinkt, sich der niedrigere Preis auf das Angebot entsprechend auswirken wird.“

Wichtig ist derzeit auf jeden Fall, mit der bestehenden und der potenziellen Kundschaft offen zu kommunizieren und die Situation zu erläutern. Nur dann kann auf Verständnis für die momentane Lage gehofft werden.

Ihre

Angela Trinkert

Management Programm
a.trinkert@bruderverlag.de