Haus2+
Haus 2+ ergänzt als erster, nahezu hundertprozentiger Holzbau die improvisierte Ästhetik des bekannten Kreativquartiers. (Quelle: Jan Bitter)

Technik 2023-09-22T08:57:43.706Z Ein Holzhaus für den Holzmarkt

Rot, robust, selbstbewusst: Mit dem Haus 2+ kommt erstmalig ein nahezu 100%iger Holzbau auf den Holzmarkt. Inmitten der improvisierten Ästhetik des bekannten Kreativquartiers setzen die jungen Architekt*innen Moojin Park und Benjamin Scheerbarth mit klarem Gestaltungswillen ein Zeichen für Nachhaltigkeit.

Noch bis ins frühe 19. Jahrhundert war der Holzmarkt am Spreeufer ein wichtiger Berliner Umschlagplatz für Holz. Später Grenzgebiet der DDR, wurde er nach der Wende zur Brachfläche, auf der 2003 die legendäre Bar25 entstand. 2012 ging daraus der Holzmarkt 25 hervor: ein genossenschaftlich organisiertes Kulturquartier – mit Konzerthalle und Studios, Restaurants, Club und vielen kleinen Buden und Zelten am öffentlichen Spreeufer, das jedes Jahr rund 500.000 Besucher anzieht.

In dieser scheinbar improvisierten Gemengelage schafft Haus 2+ Klarheit. Strahlendrot von Dach bis Boden, markiert es den neuen Haupteingang des Quartiers. Seine prägnante wie komplexe Form setzt sich aus einfachen geometrischen Körpern zusammen. Auf drei Etagen ergeben sich individuelle Raumzuschnitte für die entsprechend heterogene Mieterschaft. Denn die knapp 200 Quadratmeter teilen sich: eine lokale Bäckerei und eine Booking-Agentur, ein Tattoo-Studio und ein Physiotherapeut, ein Künstler und ein Fotoatelier. Das Baubudget war klein, der Anspruch an Ressourcenschonung und Flächeneffizienz maximal. Darum nutzt das Haus 2+ das, was bereits da ist: Wie ein „friendly parasite“ dockt es an das außenliegende Treppenhaus des Konzertsaals Haus 2 an und macht dadurch die eigene Erschließung aus CO2-intensivem Beton überflüssig. Einen bereits vorhandenen Keller nutzt es als Bodenplatte, die darin befindliche Fernwärmestation als Energiequelle. Die Dachterrasse vom Haus 2+ wird Teil der Landschaft aus offenen Laubengängen, Brücken und Balkonen des Quartiers.

Holzhaus mit rotem Dach
Haus 2+ mit strahlend rotem Dach verfolgt aktive und passive Strategien zur Ressourcenschonung: Es baut auf nachwachsenden Rohstoff Holz. (Quelle: Jan Bitter)

Drei unterschiedliche Holzbausysteme treffen im Haus 2+ aufeinander – Massivholz für die Innenwände, Holzhohlkastenelemente für die Decken, Holzrahmen mit vorgehängter Holzfassade für die Außenwände. Regional vorproduziert, sortenrein verbaut und ausschließlich geschraubt statt geklebt, können alle Bauteile ohne großen Aufwand wieder abgebaut, getrennt und weiterverwendet werden. So kehrt der Holzmarkt frei nach dem Prinzip Cradle to Cradle sogar ein wenig zu seinen Wurzeln als Umschlagplatz für Holz zurück.

zuletzt editiert am 25. September 2023
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