In einer modernen Fabrikhalle werden Holzpaneele von Arbeitern und Maschinen bearbeitet.
Im Zuge des Herbsttreffens der ZimmerMeisterHaus-Gruppe besuchten die Teilnehmenden auch die Manufaktur Prutscher in Oy-Mittelberg. (Quelle: ZMH)

Veranstaltungen 2025-11-24T14:21:32.481Z Erfolgreich am Markt behauptet

Herbsttreffen der ZMH-Gruppe

Die ZimmerMeisterHaus Gruppe hat 2024 beim Gesamtumsatz das Niveau von 2022 erreicht und damit gewinnbereinigt übertroffen. Das ist eine zentrale Erkenntnis des ZMH.Barometers, das Geschäftsführer Matthias Schlosser beim Herbsttreffen der Gruppe vorstellte. Zu dem Treffen vom 16. bis 18. Oktober in Sonthofen kamen 165 Teilnehmende, die erneut ein spannendes Vortragsprogramm und intensiven Austausch erwartete.

Besonders gefragt waren Updates zur digitalen Integrationsplattform von ZMH: Sie vernetzt die Mitglieder eng, ermöglicht schnellen Informationsaustausch und bietet einen rechtssicheren Zugang zu ZMH-GPT. Diese auf ChatGPT basierende KI wird derzeit zur Unterstützung der ZMH-Manufakturen eingerichtet.

Die Veranstaltungen begann am 16. Oktober mit der Besichtigung von zwei ZMH-Manufakturen. Bei Zettler Bau in Memmingerberg gehörte das neue Verwaltungsgebäude in Memmingen zu den Highlights: in Modulbauweise errichtet und mit modernster Technik ausgestattet, dient das architektonisch anspruchsvolle Gebäude auch als Aushängeschild und Referenzobjekt für Bauinteressenten. Bei Prutscher Holzbau in Oy-Mittelberg konnten die Teilnehmer modernste Fertigungstechnik besichtigen – inklusive einer Plattenbearbeitung und der ersten Variante der neuen Hundegger-Multifunktionsbrücke. Eine Fackelwanderung und ein Hüttenabend schlossen die Veranstaltung am Donnerstag ab. Viele Mitglieder nutzten den Abend für intensive Gespräche mit Kollegen und Markpartnern.

Ein großer Konferenzraum voller Teilnehmer, die an einem Vortrag teilnehmen.
165 Teilnehmende waren zum Treffen nach Schwäbisch Hall gekommen (Quelle: ZMH)

Begrüßung & Geschäftsbericht

Den Auftakt zum Freitag bildete die Begrüßung der Mitglieder durch Präsident Holger Kappler, der in seinem Beitrag kein allzu rosiges Bild von der momentanen Stimmung in der Baubranche zeichnete: „Vom Bauturbo wird viel geredet, aber in der Praxis spüren wir wenig davon. Die Verfahren sind zäh, Förderprogramme unklar, die Renditen zu gering, um Investoren zu motivieren.“ Trotz dieser schwierigen Lage nahm Kappler im Gespräch mit den ZimmerMeisterHaus-Manufakturen eine positive Stimmung wahr: Man habe sich, flexibel auf die Veränderungen reagierend, stabil am Markt behauptet, indem man teilweise neue Geschäftsfelder erschloss, teilweise alte wie die Sanierung wieder intensivierte – ganz im Gegensatz zum Gros der Massivbauer: „Wir Holzbaumanufakturen sind anders, sehen Projekte ganzheitlich, orientieren uns an dem, was unsere Kunden wirklich brauchen. Das ist die Haltung, auf deren Basis wir derzeit erfolgreich sind.“ Dem seriellen Bauen kommt Holger Kappler dabei eine wichtige Rolle zu: „Wenn die Regierung wirklich Geschwindigkeit will, muss sie das Bauen integriert denken, muss sie unsere Art, seriell zu bauen als Bauprinzip der Zukunft verstehen. Seriell heißt, Systeme entwickeln und Prozesse wiederholbar machen, Bauen als Produkt begreifen, nicht jedes Mal als einmaligen Vorgang. Mit Standards, die sich kombinieren lassen, ohne die Individualität zu verlieren.“ Dies bedeute auch, dass Holzbauunternehmen maßgeblich in der Projektplanung aktiv seien. Aus eigener Erfahrung weiß Kappler, „dass dies den Kundenkreis einschränken mag, aber auch Störungen und Forderungsverluste minimiert und die Wertschöpfung deutlich erhöht. Als Gruppe im handwerklichen Holzbau sollte ZimmerMeisterHaus diese Denkweise weiter in die Politik, in die Branche und in die eigenen Betriebe tragen und das Feld hier nicht der Industrie überlassen.“

Im anschließenden Geschäftsbericht von Matthias Schlosser zeigte sich das Bauen im Bestand als eine treibende Kraft in 2024: Gemessen an den Wohneinheiten hat es bei ZimmerMeisterHaus den Neubau überholt. Auf Platz zwei folgt der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern, bei dem derzeit eine leichte Erholung zu verzeichnen ist, dicht dahinter liegt die Zahl der neu gebauten Wohneinheiten im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Weitere wichtige Geschäftsfelder der Manufakturen waren im Berichtszeitraum der Gewerbebau und der Bau für die öffentliche Hand. In puncto Umsatzverteilung ergab sich interessanterweise ein anderes Bild: Hier liegt der Einfamilienhausbau mit 34 Prozent unangefochten vorn, während er das Bauen im Bestand (26,4 Prozent) und den Wohnungsbau (10,6 Prozent) klar auf die Ränge verweist – ein Indiz für hohe Wertschöpfung dank eines hohen Anteils an schlüsselfertigen Ein- und Zweifamilienhäusern. Dazu passt ein Stimmungsbild, das bei vielen Manufakturen gemessen an den dramatischen Einbrüchen im gesamten Einfamilienhausbau eine eher moderate Entwicklung widerspiegelt. Offensichtlich sind diese Manufakturen so gut aufgestellt, dass sie ihre Marktanteile im Einfamilienhausbau behaupten konnten.

Die Auslastung der Manufakturen liegt in 2025 im Schnitt bei 88,7 Prozent, mit dem derzeitigen Auftragsbestand ist man in 2026 bereits zu durchschnittlich 35,4 Prozent ausgelastet. Die Benotung des betriebswirtschaftlichen Ergebnisses lässt mit 2,4 dennoch Luft nach oben. Entspannt sieht man bei ZimmerMeisterHaus den Arbeitsmarkt, da man den eigenen Bedarf bei leicht steigenden Mitarbeiterzahlen sehr gut decken kann. Gleichzeitig ist der Umsatz pro Mitarbeiter in 2024 stark gestiegen – ein Indiz für eine Zunahme der Digitalisierung, der Automatisierung und des Vorfertigungsgrads: Die Befragung der Mitglieder ergab einen starken Trend zu mehr Vorfertigung.

Im Rahmen der Digitalisierung stellte Matthias Schlosser die Weiterentwicklung des Hauskonfigurators vor, der auf der Website gezielt qualifizierte Adressen generiert, die Vertriebseffizienz erhöht und nach außen ein zeitgemäßes und zukunftsorientiertes Profil der Unternehmen kommuniziert. Kunden nimmt er mit auf eine „Customers Journey“, in deren Verlauf sie ihr Traumhaus konfigurieren können. Zum Paket gehört außerdem ein Renditerechner, der schnell zuverlässige Rendite-Daten zu einer Immobilie liefert.

Marketingaktivitäten & Brandschutzupdate

Im Anschluss lieferte Jutta Heunisch einen Querschnitt der Marketingaktivitäten in der Geschäftsstelle, die von einer regelmäßigen Online-Marketingsprechstunde über Marketingworkshops bis hin zur Erweiterung des ZMH Online-Service reichen. Im Service wird ein Überblick über die ZMH-Marketingaktivitäten gegeben, außerdem werden wichtige ZMH-Tools erklärt. Zu Öffentlichkeitsarbeit gehören auch Fotoshootings von ausgewählten Vorzeigeobjekten, auf deren Basis eine Homestory und ein Video produziert werden. Fotos, Homestory und Video sind für alle Manufakturen verfügbar. Im Bereich des Mehrgeschoss- und Objektbaus betreibt die Gruppe außerdem aktive Pressearbeit in Fachzeitschriften.

Es folgte eine kurze Information von Ralf Stoodt zu den neuen Möglichkeiten des Holzbaus in puncto Brandschutz. Hier hat sich nach Auskunft des Referenten im letzten Jahr mehr getan als in den fünf Jahren zuvor. Mit der Musterholzbaurichtlinie 2024, die in den meisten Bundesländern bereits anwendbar ist, gebe es erhebliche Erleichterungen für das Bauen in den Gebäudeklassen 4 und 5. Es seien nun – teilweise von den Ländern – pragmatische Lösungen gefunden worden, was allerdings nicht eben zu einer Vereinfachung geführt habe, weil es viele länderspezifische Sonderregeln gebe. Inzwischen seien Holztafelelemente auch in GK 5 anwendbar, gleiches gelte für Holzfassaden, die bis zur Hochhausgrenze zugelassen seien. „Daneben haben wir Erleichterungen durch Reduzierung der brandschutztechnisch nötigen Bekleidungen/Kapselungen, die Möglichkeit, in den Holzbauelementen Installationen unterzubringen, die Systematik zur Rauchdichtheit wurde erweitert und wir haben jetzt die Chance, auf europäischen Normen beruhende Klassifizierungsberichte zu verwenden. Damit haben wir eine sehr breite Basis, um die verschiedenen Konstruktionen nachzuweisen. Einige dieser Erleichterungen sind vor allem für den Wohnungsbau sehr interessant.“

Neuwahlen & parallele Vorträge

Anschließend standen für die Mitgliederversammlung die Neuwahlen des Präsidenten und des zweiten Vizepräsidenten an. Holger Kappler wurde dabei als Präsident und Michael Huber als zweiter Vizepräsident im Amt bestätigt.

Zwei Männer stehen vor einem Banner von ZimmerMeisterHaus.
Präsident Holger Kappler und zweiter Vizepräsident Michael Huber (Quelle: ZMH)

Auf die Vorstellung des neuen Marktpartners Bauking und die Mittagspause folgte ein Powerprogramm mit teilweise zwei parallelen Vorträgen zu Themen wie Schallschutz, Controlling, Recht & Mangelmanagement, Logistik, Witterungsmanagement und Rolle der eigenen Website für den Vertrieb. Den Abschluss bildeten Beiträge von Henrik Simmack von den Digitallotsen zum Thema IT-Sicherheit und Cybercrime und von Bernd Jäger mit dem Titel: „Träume bewahren, Großes bewegen. Simmack warnte die Teilnehmer, sich mit der trügerischen Formel „Uns trifft das nicht, wir sind zu klein“ in Sicherheit zu wiegen, und stellte einfache, effektive Maßnahmen zum Selbstschutz vor. Jäger berichtete als einer von drei Geschäftsführern von der wechselhaften Entwicklung der JaKo Gruppe, wobei er bis in die Geschichte der Gründergeneration zurückging. Dabei machte er immer wieder deutlich, wie es dem inzwischen 170 Mitarbeiter starken Unternehmen gelungen ist, Herausforderungen zu begegnen und Kontinuität zu wahren.

Künstliche „Intelligenz“ & Leistungssport

Am Samstag stand das Vortragsprogramm anfangs im Zeichen der KI. Zunächst erläuterte Matthias Hägele, KI-Experte bei Meondi, deren Möglichkeiten und Grenzen, informierte über Einsatzmöglichkeiten und zeichnete Entwicklungen der letzten Jahre nach. Verblüffend war hier etwa, welche Fortschritte die KI-Bildgenerierung in nur zwei Jahren gemacht hat. Bei seiner Beschreibung der Funktionsweise machte der Referent deutlich, dass der Begriff „Intelligenz“ im Grunde ein Euphemismus ist, vergleicht die KI doch in der Regel Wahrscheinlichkeiten und ist dabei weit von einem Verständnis ihrer Themenbereiche entfernt. Dies zeigt sich unter anderem in „Irrtümern“, die vielleicht formal richtig sind, inhaltlich aber jeder Logik widersprechen. Es brauche demnach immer den fachkundigen Menschen, um die Antworten der KI einzuschätzen und zu interpretieren.

Es folgte ein Streifzug durch die Möglichkeiten der auf GPT basierenden ZMH-Plattform, die derzeit von Meondi im Auftrag der Gruppe entwickelt wird. Zu ihren Vorteilen gehören die in die Regularien der Integrationsplattform implementierte Rechtskonformität der KI-Nutzung – insbesondere in Bezug auf die DSGVO –, die Anbindung aller Manufakturen mit zentralem Zugang für alle Mitglieder und der universelle Austausch von Informationen mit einer kostengünstigen, zentralen Bereitstellung. Es folgten Praxisbeispiele, wie ZMH-GPT bereits jetzt Kundenanfragen bearbeiten, nach Regeldetails im Holzbau recherchieren, Bilder für den Vertrieb generieren, Texte oder Baustellenprotokolle erstellen kann. Anschließend erläuterte Andreas Wolf von der ZMH-Geschäftsstelle Besonderheiten der ZMH-KI und gab Auskunft zu den Lizenzgebühren und möglichen Zugangswegen zur neuen KI-Plattform.

Den Abschluss des Vortragsprogramms bildete ein Beitrag von Zehnkämpfer Frank Busemann, in dem der Olympiazweite von Los Angeles erläuterte, „warum Erfolg nicht vom Himmel fällt“. Mit viel Humor und Selbstironie zeigte er am eigenen Beispiel, wie wichtig Willensstärke für das Erreichen eigener Ziele ist und dass man diese nie erreichen wird, wenn man nicht in der Lage ist, Rückschläge zu meistern. – Geschichten aus dem Leistungssport, die auch helfen, Herausforderungen im privaten und beruflichen Alltag zu meistern.

Wie immer nutzten die Mitglieder das abwechslungsreiche Rahmenprogramm, um sich im persönlichen Gespräch mit Kollegen und Markpartnern auszutauschen. So sind über die Jahre viele Freundschaften innerhalb der Gruppe und ein fast schon familiäres Miteinander entstanden – Bestandteile des besonderen ZMH-Spirits, der aus der Beteiligung, Begeisterung und dem Gemeinschaftsgefühl aller wächst und für viele ein wichtiger Anlass ist, auch weite Wege zu den Treffen zurückzulegen. Die begleitende Ausstellung der Marktpartner gab den Teilnehmern die Möglichkeit, sich zu informieren, den Herstellern Anregungen für Produktentwicklungen zu geben und langfristige Beziehungen zu pflegen.

Autor: Dr. Joachim Mohr

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zuletzt editiert am 25. November 2025