Erweiterungsbau: Ein Hotel unter der Scheune
Foto: Alex Filz

Technik

31. March 2021 | Teilen auf:

Erweiterung: Ein Hotel unter der Scheune

Das traditionelle Berggasthaus Schönblick wurde zu einem Hotel erweitert, ohne dabei die wunderschöne Landschaft durch neue Strukturen zu verändern. Das war das Ziel des Projekts, das noa* in Völs, in der Dolomitenlandschaft des Schlerns und des Rosengartens, realisierte.

Das Hotel Gfell mit dem bereits bestehenden Restaurant Schönblick liegt ruhig und unweit des Dorfes Völs am Schlern oben an einem Hang, der einen atemberaubenden Ausblick auf unberührte Wiesen und Wälder bietet. Der Eigentümer wollte sein Restaurant mit einem gehobenen Hotelservice kombinieren und neue Unterkünfte schaffen, die die Einzigartigkeit des Ortes noch hervorheben. „Wir hätten auch ein neues Gebäude hinzufügen können“, sagt der Architekt Andreas Profanter, Partner des Studios noa*. “Im Einvernehmen mit dem Kunden haben wir uns jedoch für eine weniger invasive Lösung im Einklang mit der Natur entschieden: Der neue Teil wurde direkt in den Hügel gebaut. Eine unterirdische Konstruktion mit minimalen Auswirkungen auf die Umgebung, die den Ausblick des Restaurants nicht behindert, sondern vielmehr allen Gästen des neuen Hotels ein spektakuläres Panorama bietet. Und nicht nur das: Eine auf dem Grundstück befindliche alte Scheune wurde in das neue Hotel integriert und bietet nun zusätzlichen Raum”. Das Hotel, dessen Name an die Bezeichnung der als „Gfell-Wiesen“ benannten Gegend angelehnt ist, wurde als Superior-Hotel der 3-Sterne-Klasse (3*s) eingestuft.

Bei der Sanierung des bestehenden Stadels wurde größter Wert auf darauf gelegt, das bestehende Holz wiederzuverwenden. Die über die Jahrzehnte entstandene Patina ist auch mit modernen Oberflächenbehandlungen nur schwer replizierbar.
Die Lärchenbretter wurden zu diesem Zweck einzeln abmontiert und auf der Baustelle zwischengelagert. Um den Innenraum nutzbar zu machen wurden sowohl die Außenwände als auch das Dach mit Holzwolle gedämmt. Diese, neu errichtete Holzrahmenstruktur wurde anschließend wieder mit der ursprünglichen Fassade versehen um das Erscheinungsbild wiederherzustellen. Die statische Struktur des Stadels wurde nur punktuell und wo unbedingt notwendig verstärkt.

Foto: Alex Filz

Eine Scheune mit zwei Leben

Die neuen Räumlichkeiten des Hotels werden durch eine alte Scheune neben dem Restaurant betreten. Von außen hat das Gebäude dank einer sorgfältigen Restaurierung sein traditionelles Aussehen bewahrt, sein Inneres überrascht die Besucher jedoch: Die Scheune wurde innen vollständig umgestaltet. In einem großen offenen Raum befinden sich die Hotelrezeption, ein Aufenthalts- und Frühstücksraum. Es ist eine besondere designtechnische Lösung, die sowohl aus architektonischer als auch aus ökologischer Sicht sehr effektiv ist: Einerseits wird eine bereits vorhandene, in der Gegend und der Tradition gut verwurzelte Struktur erneut genutzt – auf der anderen Seite erhält die Scheune, die sonst zur Nutzlosigkeit und damit zum Verfall verurteilt wäre, ein neues Leben und wird zu einem interessanten und faszinierenden Ort. Der große Raum wird durch große, zum Tal zeigende Fenster von Licht durchflutet. Die Fenster sitzen hinter der Sparrenkonstruktion aus großen Holzbalken, die teilweise nach der örtlichen Bautradition erneuert wurde. Dadurch ist die Atmosphäre eines typischen Südtiroler Bauernhofes erhalten geblieben. Sogar der Boden, der wie ein einfacher, unbehandelter Estrich aussieht, erinnert an die Spuren der ursprünglichen Scheune (eine spezielle Behandlung macht die Oberfläche wasser- und schmutzabweisend). Im Zentrum der Scheune befindet sich ein spektakulärer Kamin, umgeben von Frühstücksraum und Lobby. Teils offene Holzpaneele schützen vor intensivem Sonnenlicht in den heißen Stunden und sind gleichzeitig eine ästhetisch ansprechende Lösung. Außen erstreckt sich eine große Terrasse, von der die Gäste den Blick auf das Tal genießen können.

Foto: Alex Filz

Das Hotel: In den Hang gebaut und umweltfreundlich

Die neue Struktur besteht aus einem zweigeschossigen Souterrain, der der natürlichen Neigung des Geländes folgt: Die Architektur ist somit so zurückhaltend, da sie allein dem Ziel dient, sich unauffällig in die Natur einzubetten. Der Dialog mit der Natur ist für noa* - und in diesem Projekt mehr als in jedem anderen – von besonderer Bedeutung. Es wurden 17 neue Zimmer geschaffen, die durch einen Wellness-Bereich mit Sauna und Relax Zone ergänzt werden. Von der Scheune führt eine Treppe zur unteren Etage, über die dann die neuen Zimmer erreicht werden können. Sie sind auf beiden Etagen (-1 und - 2) gleich und überraschen sowohl hinsichtlich ihrer Ausstattung als auch ihrer Größe. Der Eingangsbereich der Zimmer ist aus Holz (in dem die Schränke versteckt sind) und führt in einen großen und hellen Raum von etwa 25 Quadratmeter. Das Zimmer mit dem offenen Badbereich (mit Ausnahme der Toilette und des Bidets) ähnelt einer Suite. Die Fliesen mit Steineffekt stellen einen Kontrast zum chromatisch einheitlichen Eichenholzboden des Zimmers dar, während das weiße Aufsatzbecken aus Keramik an eine traditionelle Waschschüssel erinnert. Alle Einrichtungsgegenstände sind Maßanfertigungen und in hellen, natürlichen Farben gehalten. Vor allem aber bietet das Panoramafenster, das über die gesamte Breite reicht, (4,8 Meter breit) einen atemberaubenden Ausblick: „Soweit der Blick reicht, nur Kiefernwälder, Weiden und Berge“, sagt hierzu der Architekt Profanter. Zu jedem Zimmer gehört auch eine Terrasse mit einem Holzboden (in der Etage -2 grenzt sie direkt die Wiese an), die den Wohnraum nach außen erweitert.

Der Wellness-Bereich, der sich in der Etage -1 befindet, bietet die gleiche herrliche Aussicht wie auch die Zimmer. Auf den weiterführenden Holzterrassen kann man sich in der wärmeren Jahreszeit sonnen und weiter entspannen. Im Innenbereich formen 6 „Boxen“ vollständig mit Holz ausgekleidete Ruhenischen: Sie ermöglichen den Gästen, die sich auf eine in den Boden „eingelassene“ Matratze legen können, Privatsphäre und Ruhe. Design Liegen runden die Einrichtung ab. Vom Wellness-Bereich kann die Bio-Sauna, die sich durch eine niedrigere Temperatur auszeichnet, erreicht werden. Sie kann auch als finnische Sauna genutzt werden und ist mit einem großen Panoramafenster ausgestattet.

Der Umbau hat das bestehende Gebäude, in dem weiterhin das Restaurant Schönblick mit seiner traditionellen alpinen Küche untergebracht ist, nur geringfügig betroffen. Es ist jetzt jedoch mit den neuen Räumen verbunden und die Hotelgäste können es über einen Aufzug direkt erreichen.

Erweiterung: Ein Hotel unter der Scheune

Naturnahes Design im Innenbereich

noa* hat an der Gestaltung des neuen Hotels auf allen Projektebenen mitgewirkt: von der Konzeption und Umsetzung der Architektur bis hin zum Design der Innenräume und der Einrichtung bis ins letzte Detail: Hier ist zum Beispiel das stilisierte Blumenmotiv zu nennen, das als Leitmotiv in der Rezeption und im Frühstücksbereich, sowie im Wellness Bereich und sogar im Inneren der Sauna zu finden ist. „Die Innengestaltung wurde bis ins kleinste Detail durchdacht“, erklärt die Innenarchitektin Barbara Runggatscher, die diesen Teil des Projekts betreute. „Wir haben natürliche Materialien und Stoffe bevorzugt, um eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen: Das Eichenholz, das teilweise in seiner dunkelsten Nuance gewählt wurde, wird von den neutralen Tönen der Stoffe aus starken Rohfasern wie Leinen und Baumwolle flankiert. Die Möbel wurden mit dem Ziel gestaltet, maximalen Komfort und individuelle Lösungen zu gewährleisten.“

Ein Beispiel für Funktionalität ist der Mehrzweckschrank im Aufenthaltsraum in der ehemaligen Scheune, der bei Bedarf in eine Frühstücksecke umgewandelt werden kann, aber auch für die Teepause am Nachmittag nützlich ist. Als Hauptmaterial für die Innenarchitektur wurde Holz gewählt, und zwar sowohl für die Möbel (Tische, Stühle, Bänke, Betten, Schränke...) als auch den Bodenbelag in allen Zimmern: Die Wahl fiel auf rustikales Eichenholz, die sich auch in der Verarbeitung der Möbel widerspiegelt.

Bei den Stoffen lag das Hauptaugenmerk auf natürlichen Texturen und Farbnuancen, die perfekt mit dem Holz harmonieren. In den Zimmern wurde Filz für die Polsterungen gewählt - einfarbig oder mit geometrischen Mustern. Die Gardinen sind dagegen aus weich fallendem, feuerfestem Stoff, die die nötige Privatsphäre gewährleisten und den Lichteinfall in den lichtintensiven Stunden verringern.

Das besondere Augenmerk auf ästhetische und funktionale Aspekte hat auch bei der Planung der Beleuchtung zu besonderen Lösungen geführt. Ein Beispiel hierfür sind die in der ehemaligen Scheune verwendeten großen Hängeleuchten mit textilen Lampenschirmen, die hervorragend mit der Polsterung der Sessel und Sofas harmonieren und ein warmes und einladendes Licht erzeugen.

Wärmedämmung und Heizung

Das Hotel ist mit moderner Dämmtechnik ausgestattet, die einen hohen Temperaturkomfort gewährleistet. Die Heizung und Warmwasserbereitung werden von einem Pelletofen bewerkstelligt und sind folglich CO2-neutral