TTH-Forum ❙ Vor den neuen Kommunikationsmöglichkeiten brauchen Handwerker keine Angst zu haben. Sie sollten sie aber gut vorbereitet und so einsetzen, dass sie ihr Marketing unterstützen und auf die Bedürfnisse der Nutzer eingehen.
Diese Aufforderung bezogen die Referenten beim 3. TTH-Forum des Technologie-Transfer-Ring Handwerk NRW sowohl auf die Sozialen Netzwerke als auch auf Apps und Videofilme oder demnächst das Cloud Computing. Spannend sei es gewesen, befand abschließend TTH-Leiterin Ursula Beller. Ihr Ziel war es aufzuzeigen, wie Handwerker die Fülle der neuen und mobilen Medien nutzen können, ohne ihr Kerngeschäft zu vernachlässigen und sich selbst zu überfordern. Psychologe Professor Joachim Zülch von der Ruhr-Universität Bochum stellte er klar, dass alles Neue zunächst ein Bedrohungspotenzial darstelle, also zumindest auf Skepsis stößt. Dies behindere das Lernen und bremse Neugier und Kreativität. Zülch plädierte deswegen für ein "ausbalanciertes Verhältnis zwischen Bestehendem und Innovationskraft", räumte jedoch ein, die derzeitige Reiz- und Informationsüberflutung drohe viele überzustrapazieren. Der Rat von Stefan Freise, Chef einer Social-Network-Firma, in diesem Zusammenhang lautete, man solle als Unternehmer zwar jeden Tag eine halbe Stunde dem riesigen Marktplatz der Sozialen Medien widmen, aber auch gezielt abschalten und für Entspannung sorgen.
Angst vor Negativurteilen
Was mögliche Imageschäden durch die Internet-Netzwerke anbelangt, versuchte Joachim Zülch es mit einem Vergleich: "Auch ein stets unfreundlicher Mitarbeiter am Telefon kann Ihr Unternehmen ruinieren trotz aller Hochglanzbroschüren und Verbesserungsanstrengungen." Und Freise führte dazu Zahlen an: Negativurteile machten nur drei Prozent der Facebook-Einträge aus. "Man hält sich zurück, weil der Name dabei steht." Andererseits sollten Unternehmer aufmerksam verfolgen, was über die eigene Firma und die Wettbewerber geschrieben wird. Bei eigenen Beiträgen sei es unbedingt ratsam, anstelle von Werbung Nutzwert und Informationen zu bringen und in den Dialog mit den Kunden zu treten. Das Gleiche gilt für Apps und Videofilme, die die Experten Ralf Lauterbach und Lars Bastian für durchaus geeignet halten, Handwerksbetriebe und ihre Angebote bekannter zu machen. Eine mobile Marketingstrategie sei alleine deswegen nötig, weil "Sie Ihren Kunden auf keine andere Art näher kommen, nämlich bis in die Hosentasche, in der das Mobiltelefon ist". Apps, also kleine auf Smartphones und Tabletcomputer gespeicherte Anwendungen, dürften keine verkleinerte Internetseiten sein, sondern müssten einen sehr konkreten und eng abgegrenzten Nutzen bieten. Als Handwerker gehöre man bei dieser Technologie noch zu den Pionieren, bekomme deswegen auch eine hohe Aufmerksamkeit. Die könne sich in einem ungefilterten und direkten Feedback niederschlagen oder auch in den als sehr glaubwürdig eingestuften Empfehlungen.
Prodkte und Dienstleistungen im Video vorstellen
Positiv würden auch Bewegtbilder, etwa in Videofilmen aufgenommen, meinte Bastian. Damit könne man seine Produkte und Dienstleistungen, die Mitarbeiter oder herausragende Aufträge vorstellen, auf die Ausbildung im Betrieb hinweisen oder Kundenreferenzen transportieren. Gut beurteilt und erinnert würden jedoch lediglich professionell produzierte Inhalte. Für einen Erfolg bei den Suchmaschinen im Internet seien zudem sorgfältig ausgesuchte Schlagworte unerlässlich.
Noch etwas weiter in die Zukunft blickte Ulrich Springer vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST: Cloud Computing, die bedarfsorientierte Anmietung von IT-Kapazitäten, entfalte sich gerade erst, könne aber in absehbarer Zeit sehr kostengünstig werden.