Florian Dorer aus Furtwangen im Schwarzwald hat bei den WorldSkills Shanghai 2026 die Silbermedaille im „Skill Carpentry“ (Zimmerer) gewonnen. Mit 726 Punkten lag der 22-Jährige nur vier Punkte hinter dem französischen Goldmedaillengewinner Benjamin Blegean (730 Punkte). Bronze ging mit 724 Punkten an Luca Reitböck aus Österreich. Im Wettbewerb der Zimmerer traten 16 Teilnehmende aus 16 Ländern gegeneinander an.
Der Wettbewerb stellte Dorer vor eine andere Aufgabe als erwartet. Statt der im Training intensiv geübten geometrischen Konstruktionen und Aufrisse arbeiteten die Teilnehmenden überwiegend nach CAD-Plänen an einer Konstruktion, die stärker an typische Abläufe auf der Baustelle angelehnt war.
Die Aufgabe umfasste drei Module. Zunächst fertigte Dorer eine erhöhte Balkenlage auf sechs Pfosten, richtete sie millimetergenau aus und beplankte sie mit einer Platte. Im zweiten Modul baute er vier Wände in Holzrahmenbauweise: Drei erhielten eine Sperrholzbeplankung, eine wurde durch eine eingelassene Strebe ausgesteift. Dabei mussten Maße von unterschiedlichen Bezugspunkten fachgerecht übertragen und exakt eingehalten werden. Den Abschluss bildete mit dem dritten Modul ein Walmdach mit schrägem Giebel. Dafür waren Maße rechnerisch zu ermitteln, nach CAD-Plänen anzureißen und die Konstruktion zu fertigen und zu montieren. Auch die Abschlussbretter an Traufe und Giebel mussten passgenau zugesägt und mit den erforderlichen Überständen angebracht werden.
Im Verlauf des Wettbewerbs musste Florian seine Abläufe an die veränderte Aufgabenstellung anpassen. Über den Wettbewerb hinweg waren Konzentration, Flexibilität und sauberes Arbeiten entscheidend. Nach insgesamt 22 Stunden hatte er die Aufgabe erfolgreich beendet. Dass zwischen Gold, Silber und Bronze nur wenige Punkte lagen, unterstreicht, wie eng die Leistungsdichte im internationalen Feld war.
Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, erklärt: „Die Silbermedaille bei den WorldSkills ist ein großer Erfolg für Florian Dorer und ein starkes Zeichen für die Qualität des Zimmererhandwerks in Deutschland. Florian hat sich auf eine ungewohnte Aufgabe eingestellt und sein Können unter internationalem Wettbewerbsdruck überzeugend gezeigt. Dazu gratulieren wir ihm herzlich. Unser Dank gilt ebenso allen, die ihn auf diesem Weg vorbereitet und unterstützt haben.“
Andreas Großhardt, Teamleiter der Zimmerer-Nationalmannschaft, sagt: „Florian hat einen Mega-Job gemacht und richtig gut performed. Vier Tage lang hat er sich voll konzentriert und höchste Leistung abgerufen. Die Aufgabe wich stark von dem ab, was wir trainiert hatten. Wir hatten Aufrisse, Schiftungen und Holzverbindungen geübt. Aber Florian hat sich gut an diese veränderten Bedingungen angepasst und schnell und präzise gearbeitet. Am Ende lag das Wettbewerbsfeld an der Spitze sehr eng beieinander. Da können kleinste Abweichungen über die Platzierung entscheiden.“
Erfolge bei internationalen Wettbewerben
Die Zimmerer-Nationalmannschaft hat bei internationalen Wettbewerben bereits mehrfach Erfolge erzielt. Bei Weltmeisterschaften holten Albert Baumann (1967), Fritz Kunz (1973), Jochen Ströhle (2003), Simon Rehm (2015) und Alexander Bruns (2019) Gold. Silber ging an Michael Rieger (2001), Philipp Kaiser (2022) und jetzt an Florian Dorer (2026), Bronze an Philip Stich (2011) und Andreas Fichter (2013). Auch bei Europameisterschaften ist das Team seit Jahren erfolgreich; zuletzt gewannen Jonas Lauhoff bei den EuroSkills 2023 und Linus Großhardt bei den EuroSkills 2025 Gold.
Bei den WorldSkills trat Florian im Team Germany des Deutschen Baugewerbes an. Dem Team für Shanghai gehörten neben ihm Maximilian Bürger (Stuckateur), Nico Schleicher (Fliesenleger), Leonhard Eham (Maurer) sowie Tim Arnold und Jakob Distler (Beton- und Stahlbetonbauer) an. Deutschland entsandte insgesamt 36 Teilnehmende zu den WorldSkills. Bei der Veranstaltung traten rund 1.400 junge Fachkräfte aus 70 Ländern und Regionen in 64 Skills an.
