Bei der „Weltmeisterschaft der Berufe“ (Worldskills) Mitte August im brasilianischen Sao Paulo gewann der 22-jährige Zimmerer Simon Rehm aus Weinsfeld die Goldmedaille. Auch weitere Vertreter der deutschen Bauberufe waren erfolgreich.
Rehm hatte bereits vor der Worldskills seine Titelambitionen klar geäußert: „Wer antritt, will gewinnen. Das ist im Sport so und bei Berufswettbewerben nicht anders.“ Er stammt aus einer Zimmerer-Familie mit Worldskills-Erfahrungen: Sein Onkel nahm an den Worldskills 1979 in Irland teil. Am Zimmerer-Beruf gefällt ihm, dass „man sieht, was man mit dem natürlichen Baustoff Holz macht“. Trotz klarer Titelambitionen äußerte er sich nach vier harten Wettkampftagen doch völlig überwältigt von seinem Erfolg: „Es ist der Wahnsinn, ich kann es noch überhaupt nicht fassen.“
Nach diesem Erfolg ist der erste deutscher Zimmerer, der sowohl Europameister als auch Weltmeister ist. Darüber hinaus ist er deutscher Vizemeister 2012. Und zu guter Letzt errang er in Sao Paulo auch die höchste Punktzahl aller deutschen Teilnehmer und erhielt deswegen eine weitere Ehrung als „Best of Nation“.
Die Aufgabe: Freisitz + Walmdach + Spitzgaube
Simon Rehm hatte in dem viertägigen Wettbewerb eine anspruchsvolle Aufgabe zu lösen, die aus drei Modulen bestand. Im ersten Modul musste er einen trapezförmigen Freisitz aus Holz bauen. Auf diesen wurde im zweiten Modul ein Walmdach mit geneigtem First aufgesetzt. Dabei wurden First und Traufen mit Klauen angeschlossen, was eine besondere Herausforderung darstellt. Im dritten Modul wurde dann eine komplizierte Spitzgaube auf die zentrale Walmdachfläche aufgesetzt.
„Hier sind anspruchsvolle Schiftkenntnisse notwendig, um die Verbindungen berechnen zu können”, so die Einschätzung des deutschen Betreuers Roland Bernardi. „Die besondere Herausforderung bestand darin, über vier Wettbewerbstage hinweg mit extrem hoher Genauigkeit zu arbeiten. Die Maße dürfen maximale Abweichungen von plus minus 0,5 mm haben.“
„Dass Simon Rehm diese Aufgabe mit Bravour gelöst hat, davon zeugt nicht zuletzt seine Goldmedaille, aber auch die Auszeichnung „Best of Nation“, so Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, der das Nationalteam des deutschen Baugewerbes nach Sao Paulo begleitet hatte. Loewenstein gratulierte dem frisch gebackenen Weltmeister: „Sie haben das deutsche Baugewerbe in Brasilien hervorragend vertreten. Dafür danke ich Ihnen. Aufgrund Ihrer soliden Ausbildung waren Sie in der Lage, die Wettbewerbsaufgaben mit bestem Erfolg zu lösen. Sie sind ein wahrer Botschafter Ihres Handwerks.“
Mit knapp 1.200 Teilnehmern war „WorldSkills 2015“ in Sao Paulo der größte Berufswettbewerb aller Zeiten. In 50 offiziellen Wettbewerbsdisziplinen zeigten die Teilnehmer aus 59 Ländern Bestleistungen und kämpften um Gold, Silber und Bronze. Die Besten der Besten aus aller Welt, die nicht älter als 22 Jahre alt sein dürfen, zeigten extrem hohes fachliches Können. Am Ende entschieden Präzision und Genauigkeit sowie Nervenstärke und Konzentration über den Erfolg. Aus Deutschland stellten sich 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 37 Berufen den Wettbewerben. Sie bilden die deutsche Berufe-Nationalmannschaft von WorldSkills Germany.
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