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Die Grundlage für Ihre Kreativität tragen Sie in sich. Bild: Toni Affronti, Pixelio

News 2011-01-28T00:00:00Z Gute Ideen fallen nicht vom Himmel - fünf Irrtümer über Kreativität

Kreativ ist man oder ist es nicht. Entweder hat man einen Geistesblitz oder nicht. So lauten weit verbreitete Irrtümer. Die meisten revolutionären Ideen sind aber das Resultat einer systematischen Suche nach neuen Problemlösungen. Wir zeigen Ihnen wie die systematische Suche geht.

Fallen Ihnen beim Stichwort Kreativität folgende Worte ein? Brainstorming. Genie. Herumspinnen. Wenn ja, dann sind Sie den klassischen Irrtümern über Kreativität aufgesessen. Sie besagen:

- Brainstorming ist die beste Methode, um auf neue Ideen zu kommen,

- nur Kreative und Genies können neue Ideen entwickeln und

- kreatives Denken heißt, komplett frei und ohne jede Beschränkungen zu denken.

Irrtum 1: Kreativität ist Brainstorming

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um auf neue Ideen zu kommen? Sie treffen sich wahrscheinlich im Team zum Brainstorming und formulieren ein Ziel. Außerdem als einzige Regel: Es gibt keine Regeln. Auch die scheinbar absurdsten Ideen dürfen geäußert werden. Dann sammeln Sie alle Vorschläge. Und schon haben Sie die gewünschten, neuen Ideen. So die Theorie. Die Realität sieht anders aus: Statt des erhofften reißenden Ideenflusses ist das Ergebnis ein dünnes Rinnsal oder die Ideen erweisen sich als unbrauchbar.

Woran liegt das? Brainstorming ist mehr ein Heilsversprechen als eine Kreativmethodik. Weil Menschen gerne an Heilsversprechen glauben, hat sich das Brainstorming in vielen Betrieben sozusagen zum Standardvorgehen bei der Suche nach Ideen entwickelt.

Für das Entwickeln qualitativ hochwertiger, neuer (Problem-)Lösungen ein anderes Vorgehen nötig. Sie müssen Probleme erkennen, die andere nicht sehen, und diese Probleme von verschiedenen Seiten angehen. Dafür müssen Sie gezielt nach Inspirationen suchen und Ihre Ideen bis zum Ende durchdenken. Thomas Edison entwickelte zum Beispiel mit Hilfe eines strukturierten Prozesses Ideen gemäß der Maxime: "Eine kleine Erfindung alle zehn Tage, eine große Erfindung alle sechs Monate."

Irrtum 2: Nur Kreative sind kreativ

Kann man Kreativität lernen oder ist sie nur außergewöhnlich begabten Menschen vorbehalten? Hirnforscher wie Gerhard Roth sagen, dass allein die Erbanlagen entscheidend sind. Kreative Fähigkeiten alleine, machen Sie allerdings nicht kreativ. "Kreativität ist eher ein bestimmtes Verhalten", so die Harvard-Professorin Teresa Amabile. Kreativ ist, wer kreativ handelt und nicht, wer theoretisch dazu in der Lage wäre. Amabile definiert Kreativität als ein Konstrukt aus kreativen Fähigkeiten, Wissen und Motivation.

Zu den wichtigsten kreativen Fähigkeiten gehört die niedrige assoziative Barriere. Menschen mit niedrigen assoziativen Barrieren finden Lösungen, die wenig mit dem zu tun haben, was sie bisher erlebt haben oder mit den Lösungen, die andere bereits entwickelt haben. Ihre Ideen sind neu und ungewöhnlich, und ihr Entstehen lässt sich oft nicht logisch nachvollziehen. Neue Ideen entstehen meist im Grenzbereich verschiedener Wissensgebiete. Um Lösungsansätze aus unterschiedlichen Wissensgebieten kombinieren zu können, müssen Sie sich allerdings in verschiedenen Wissensgebieten auskennen. Thomas Edison konnte Wissen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander verknüpfen.

Der dritte und wichtigste Punkt ist Motivation. "Bis zu einem gewissen Grad kann Motivation fehlendes Wissen und fehlende kreative Fähigkeiten kompensieren", beschreibt Amabile. Das Geheimnis vieler Genies liegt in ihrem Tatendrang. So banal es klingt: Sie hatten einfach Lust auf Ideen. Auch Unternehmen können ihre Mitarbeiter zu mehr Kreativität bringen, indem sie eine Atmosphäre schaffen, die es Mitarbeitern ermöglicht, Wissen aus verschiedenen Bereichen zu erlangen und Ideen auszuarbeiten. Ein positives Beispiel ist der dänische Hörgerätehersteller Oticon. Er schaffte in seiner Organisation die festen Strukturen ab und ersetzte sie durch ein Multijob-Konzept. Statt in festen Abteilungen arbeiten die Mitarbeiter in autonomen Projektgruppen. Sie übernehmen Aufgaben, für die in klassisch strukturierten Unternehmen eigene Abteilungen bestehen.

Irrtum 3: Kreativtechniken machen kreativ

"Welche Kreativtechnik macht mich kreativ?" Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Keine! Das Wort Kreativtechnik gibt uns die Illusion, alleine mit der Wahl der richtigen Technik könne man schnell kreativ sein. Aber Kreativtechniken sind nur Denkstützen. Ohne Wissen aus verschiedenen Bereichen und ohne eine klare Motivation, Bestehendes in Frage zu stellen, gibt es keine Kreativität.

Kreativtechniken helfen Ihnen nur, den Rahmen für die Ideenfindung zu schaffen und Ihre Gedanken so zu strukturieren, dass es Ihnen möglich wird, Wissen neu zu kombinieren. Sie funktionieren ähnlich wie ein Computerprogramm: Dateien werden auf der Festplatte immer wieder neu und anders zusammengesetzt das ist erfolglos, wenn die Festplatte leer ist.

Die Grundlage für Ihre Kreativität tragen Sie in sich. Stellen Sie sich ihr Wissen, Erfahrungen oder Fehler als eine Sammlung von Puzzleteilen vor. Kreativtechniken helfen die Puzzleteile zusammenzusetzen und neu zu nutzen. Eine klassische Kreativtechnik, die durch Kombinationen funktioniert, ist die morphologische Matrix. Damit können Sie zum Beispiel neue Lebensmittel erfinden, indem Sie klassischen Produkten neue Bestandteile und Nutzenmerkmale hinzufügen. Durch Querkombinationen erfinden Sie Makrelenbutter gegen Bluthochdruck, Omega 3-Butter gegen Herzkrankheiten oder Johanneskraut-Eistee zur Beruhigung.

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Die dahinterliegende Kreativtechnik funktioniert nur, wenn Sie das notwendige Vorwissen haben. Das ist der zentrale Grund, warum Kreativtechniken wie Brainstorming oft wenig Früchte tragen: Den Teilnehmer fehlt das notwendige Wissen.

Irrtum 4: Kreativität bedeutet, frei herumspinnen

"Lassen Sie uns mal vollkommen frei und losgelöst von sämtlichen Restriktionen denken!" Das klingt wie ein Erfolgsrezept für neue Ideen, führt aber geradewegs in die Kreativblockade. Pauschale Fragen wie "Welche neuen Produkte können Sie sich vorstellen?" oder "Wie können wir unsere Produktivität steigern?" überfordern uns, wenn sie sozusagen völlig inhaltsleer im Raum stehen.

Kreativität bedeutet, Wissen neu zu vernetzen. Um darin effektiv zu sein, muss unser Kopf zielgerichtet nach Puzzleteilen suchen können. Wenn die Fragestellungen zu offen formuliert sind, machen wir unserem Kopf das Suchen unnötig schwer. Einschränkungen schärfen und fokussieren Probleme. Sie setzen klare Hürden und liefern Inspiration.

Irrtum 5: Kreativität macht erfolgreich

Kreativität gilt als Erfolgsgarant und nur wer Ideen hat so scheint es hat Erfolg. Beides stimmt nicht. Die Tatsache, dass jemand kreativ denkt und neue Ideen entwickelt, hat zunächst keinerlei wirtschaftlichen Wert. Ungelenkte Kreativität kann mehr schaden als nützen. Kreativität ist nur dann eine wertvolle Ressource, wenn sie in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Thomas Edison hatte eine einfache Philosophie: "Was sich nicht verkauft, möchte ich nicht erfinden." Er überlegte zunächst, in welchen Feldern sich Kreativität überhaupt auszahlt, erst dann wurde er kreativ. Edison analysierte Probleme von Menschen, Schwächen von Produkten und wertete Trends aus. War er davon überzeugt, das richtige Feld gefunden zu haben, begann er, Ideen zu entwickeln.

Seien Sie skeptisch, wenn Sie wieder einmal einen Satz hören wie "Wir brauchen mehr Ideen". Formulieren Sie ihn für sich wie folgt um: "Wir brauchen weniger Ideen, aber dafür bessere." Klasse statt Masse, ist gefragt. Und gute Ideen sind produzierbar sofern Sie entsprechend systematisch vorgehen.

Jens-Uwe Meyer

Autor

Jens-Uwe Meyer ist Inhaber des Trainings- und Beratungsunternehmens Die Ideeologen Gesellschaft für neue Ideen mbH, Baden-Baden (Tel.: 0700-4333-6783, E-Mail: meyer@ideeologen.de ). Er ist Autor des Buchs "Das Edison-Prinzip der genial einfache Weg zu erfolgreichen Ideen.

zuletzt editiert am 04. August 2021
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