Anfang des Jahres sorgte die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e. V. (DGfM) mit der Meldung „Stein ist grün und günstiger als Holz“ für Aufsehen in der Holzbaubranche. Diese Meldung blieb von der Holzbaubranche nicht unkommentiert. Wir haben die wichtigsten Aussagen beider Seiten gegenüber gestellt. Markus Langenbach
Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V.
Der Hausbau steht beim To-Do der Bauwirtschaft ganz oben auf der Liste. Immerhin ist der Bedarf an bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnungen in Deutschland enorm – auf Jahre hin. Wichtig dabei: der Blick auf die Baustoffe, mit denen Wohngebäude in Deutschland gebaut werden. Eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung für eine 50-jährige Lebensdauer von Gebäuden hat jetzt ergeben, dass Holz als Baumaterial nicht ökologischer ist als Stein – dafür aber teurer.
Zu diesem Ergebnis kommen Studien, die Mitte Januar bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) auf der Fachmesse BAU in München vorgestellt wurden. Ein Nachhaltigkeits-Check über eine realistische Lebensdauer von 80 Jahren ergab sogar einen ökologischen Vorteil für den Baustoff Stein: „Häuser aus Mauerwerk haben längerfristig je nach Wirkungsindikator sogar eine bessere Öko-Bilanz als Holzhäuser“, sagt Dr. Sebastian Pohl, der sich bei dem LCEE-Beratungsinstitut (Life Cycle Engineering Experts), ein Spin-off der TU Darmstadt, auf die Optimierung der Nachhaltigkeit im Bauwesen spezialisiert hat.
Pohl sieht zudem beim aktuellen Verbrauchsniveau von Holz in allen Anwendungsbereichen der Energie-, Möbel-, Papier- und Bauindustrie eine„ökologische Gefahr“. Der Wissenschaftler warnt vor einem „Raubbau am Forst“: „Die Situation bei den für Baukonstruktionen entscheidenden Nadelhölzern – insbesondere bei der Fichte – ist problematisch. Die Bundeswaldinventur hat ergeben, dass der Verbrauch hier um 15 Prozent über der natürlichen Nachwachsrate liegt.“
Schon heute sei Deutschland zudem auf enorme Nadelholz-Importe angewiesen – insbesondere für die Bauwirtschaft. Ein Großteil davon komme aus Tschechien und Polen. Pohls Fazit: „Das Holzhaus klingt ökologisch. Aber genauso grün wie Holz und dazu noch günstiger ist ein aus Stein gebautes Haus.“
Diesen weiteren Vorteil vom Mauerwerk bestätigt ein aktueller Baukosten-Check: Wissenschaftler haben dabei ermittelt, dass der Neubau von Einfamilienhäusern aus Stein durchschnittlich um mehr als vier Prozent günstiger ist als die Holz-Variante. Noch deutlicher wird der Preisvorteil beim Mehrfamilienhaus: Hier liegen die Neubaukosten beim Mauerwerk um bis zu sechs Prozent unter denen eines Holzhauses. Das hat die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. – kurz ARGE – aus Kiel ermittelt. Als Wohnungsbauinstitut, das im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein und der Bauforschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland arbeitet, verfügt die ARGE über die profundesten „Real-Baudaten“, die bundesweit zu bekommen sind.
Die Zahlen, die die ARGE auf der Fachmesse BAU in München präsentierte, sind eindeutig: Ein Quadratmeter Wohnfläche im Mehrfamilienhaus kostet demnach durchschnittlich 1.414 Euro, wenn das Gebäude mit Mauerwerk – und hier insbesondere mit den vier wichtigen Steinarten Porenbeton, Ziegel, Kalksandstein und Leichtbeton – gebaut wird. Für die Holzbauweise müssen Bauherren dagegen im Schnitt 67 Euro pro Quadratmeter mehr bezahlen, so die ARGE Kiel. Für ARGE-Geschäftsführer Dietmar Walberg steht fest: „Der Wohnungsneubau mit Mauerwerk ist eine der wirtschaftlich günstigsten Varianten und zudem eine äußerst flexible Bauweise. Auch deshalb entscheiden sich Bauherren in Deutschland dafür, rund Dreiviertel aller Wohnhäuser massiv – also mit Mauerwerk – zu bauen.“ Anders als beim Holz sieht die ARGE beim Stein auch „langfristig eine sichere und ortsnahe Rohstoffversorgung“ gegeben.
Einen Vorteil haben Wohngebäude aus Mauerwerk auch unter Energiespar-Aspekten. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) aus München stellte auf der BAU-Pressekonferenz eine Studie vor, die die Wirtschaftlichkeit von Einfamilienhäusern im zukünftig von der EU geforderten Niedrigstenergie-Standard untersucht. Die Wissenschaftler kommen dabei zu dem Ergebnis, dass Mauerwerkskonstruktionen auch bei steigender Energieeffizienz zukunftsfähig sind.
Die FIW-Studie nimmt auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) ins Visier. Sie belegt, dass jedes weitere Drehen an der EnEV-Spirale nur noch geringe Energie-Einspareffekte bringt. Bauherren seien dabei allerdings gezwungen, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen: Wärmepumpen, Solarthermie und Lüftungswärme-Rückgewinnung würden zwar die Energieeffizienz erhöhen. Deren Technik verursache jedoch unverhältnismäßig hohe Kosten. Dies wiederum sei Bauherren ohne eine intensive staatliche Förderung aber nicht zuzumuten.“
DGfM Pressemeldung Stein ist grün und günstiger als Holz (pdf)
Kommentar: Mauerwerk nachhaltiger als Holz?
