Sechs Auszeichnungen wurden an die innovativsten Holzbauwerke der Niederlande während des Houtdag in Etten-Leur verliehen. Darunter findet sich auch ein Siegerobjekt mit deutscher Beteiligung.
Das 50 Meter hohe Wohngebäude Sawa in Rotterdam ist der Gesamtsieger des Nationale Houtbouwprijs 2025. Der Publikumspreis ging an die Passerelle in Zwolle, eine 130 Meter lange Holzbrücke über die Bahnstrecke. In der Kategorie Gewerblicher Holzbau gewann das Bürogebäude Parel in de Polder in Stolwijk. In der Kategorie Privater Holzbau wurde Huis in de Heuvel auf der Utrechter Heuvelrug ausgezeichnet, und in der Kategorie Serieller Holzbau setzte sich das Projekt Valckensteyn in Rotterdam durch.
Nationale Houtbouwprijs 2025: Sawa
Die Jury bestätigte die Erwartungen vieler Fachleute: Sawa war in diesem Jahr kaum zu übersehen, obwohl auch andere Projekte von hoher Qualität teilnahmen. Ein 50 Meter hohes Holzgebäude bleibt weltweit weiterhin eine Seltenheit. In seine Entwicklung floss ein enormer Aufwand, und es wurden zahlreiche technische Innovationen entwickelt, um komplexe Herausforderungen zu meistern.
Darüber hinaus ist Sawa bemerkenswert inklusiv: Es bietet sowohl Eigentumswohnungen als auch Wohnungen im mittleren Mietsegment. Die Architektur fördert Begegnungen – etwa auf Treppen, Galerien oder der gemeinschaftlichen Dachterrasse. Auch Flora und Fauna wurden einbezogen: Auf allen Etagen wurden Pflanzkübel mit heimischen Sträuchern und Blumen angelegt, und in Zusammenarbeit mit dem Stadtökologen von Rotterdam wurden vielfältige Einrichtungen für Vögel und Fledermäuse integriert.

Valckensteyn Rotterdam
Der Sieger in der Kategorie Serieller Holzbau kommt ebenfalls aus Rotterdam: Valckensteyn, ein elfgeschossiges Wohngebäude im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft Woonstad, entworfen von Powerhouse Company. Es handelt sich um ein hybrides Gebäude: Der Treppenhauskern besteht – wie bei Sawa – aus Stahlbeton, während der Rest der Tragkonstruktion aus Holzträgern und CLT-Böden besteht.
Im Innenraum ist das Holz nicht sichtbar, da Wände und Decken unter anderem aus Brandschutzgründen mit Gips verkleidet wurden. Von außen ist der Holzbau allerdings klar erkennbar – etwa an den Unterseiten der Balkone und den auskragenden Trägern. Valckensteyn zeigt, dass Holzbau im sozialen Wohnungsbau problemlos möglich ist.

Zwei Preise für die Passerelle in Zwolle
Die Passerelle in Zwolle erhielt gleich zwei Auszeichnungen. Der 130 Meter lange Rad- und Fußweg über die Gleise am Hauptbahnhof Zwolle besteht größtenteils aus Holz – ein beeindruckendes ingenieurtechnisches Werk, das auch international Beachtung findet.
Da das Projekt jedoch nicht vollständig in eine der Kategorien passte, verlieh die Jury ihm eine Ehrenvolle Erwähnung. Darüber hinaus war die Passerelle der Publikumsliebling: Mit den meisten der insgesamt 10.090 abgegebenen Stimmen gewann sie auch den Publikumspreis.
Die deutschen Brückenspezialisten Schmees & Lühn aus dem emsländischen Niederlangen fertigten für die Passerelle in der eigenen Werkhalle in Niederlangen insgesamt 16 riesige Träger vor, überführte sie mit Schwerlasttransporten nach Zwolle und montierte sie dort im Frühjahr 2024.
Parel in de Polder
Ein Firmenbüro in Holzbauweise zu errichten, ist inzwischen konkurrenzfähig zu anderen Materialien, stellte die Jury fest. Für Parel in de Polder, den Sieger in der Kategorie Gewerblicher Holzbau, gilt dies allerdings nicht ganz.

Bei dem fünfgeschossigen, elegant gestalteten Bürogebäude des Bauunternehmens De Vries en Verburg wurden die Grenzen der Holzbauweise bewusst ausgelotet: Über der Betonkellerwanne besteht das gesamte Gebäude aus Holz. Die Stabilität wird diesmal nicht über vertikale CLT-Wände erreicht, sondern über drei raffinierte Fachwerkraster. Zudem enthält das Gebäude zahlreiche weitere technische Neuerungen.
Die Jury würdigte auch, dass der Bauunternehmer als Auftraggeber intensiv in das Projekt eingebunden war und dadurch wertvolles Holzbauwissen erwerben konnte, das er künftig weitertragen wird.

„Bescheidenes Wohnen“ auf der Heuvelrug
In der Kategorie Privater Holzbau – also Wohnhäuser, die im Auftrag privater Bauherren entstehen – reichten die Nominierten von einem CPO-Projekt (Collectief Particulier Opdrachtgeverschap) bis hin zu architektonisch geplanten Villen.
Der Preis in dieser Kategorie ging an Huis in een Heuvel, entworfen von ORGA Architect. Das Haus liegt auf einem Landgut und fügt sich harmonisch in die umgebende Natur ein. Es wirkt bescheiden, bietet jedoch alle Annehmlichkeiten, die in dieser Preisklasse zu erwarten sind. Im Haus und im zugehörigen Gästehaus wurden rund 20 verschiedene Holzarten verwendet. Die Jury lobte, dass ORGA – ein Büro, das seit Jahren ausschließlich in Holz baut – mit diesem Projekt zeigt, dass Holzarchitektur noch weiter verfeinert und durchdacht werden kann.
Weitere Informationen zum Nationale Houtbouwprijs – eine Initiative von Het Houtblad – finden Sie auf der Website www.nationalehoutbouwprijs.nl. Dort sind alle 77 vorausgewählten Projekte aufgeführt, die 2025 am Wettbewerb teilgenommen haben, ebenso das Reglement und die Mitglieder der Fachjury.
Kostenfreies Holz-Know-How vom Feinsten: Jetzt Newsletter bestellen!
Als traditionsreichstes deutsches Fachmedium für Holz informieren wir Sie alle zwei Wochen schwerpunktmäßig zu den Themen Forschung im Holzbau, nachhaltige Objekte, Technik und zum Marktgeschehen in der Holzbaubranche.