Ein Mann hält eine Präsentation über die Bauwirtschaft, während er vor einem Diagramm spricht, das die Entwicklung in verschiedenen Bau-Segmenten zeigt.
Martin Langen von B+L Marktdaten aus Bonn gab mit seinem Referat sehr interessante Einblicke in den Wohnbau, die demographische Entwicklung in Deutschland und in das Verhalten von Investoren und Wohnungssuchenden. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien)

Veranstaltungen 2016-04-14T00:00:00Z Holzbauforum 16: Das Holz kommt in die Stadt

Der urbane Holzbau, und wie er sich planen, beraten und ausführen lässt, stand im Mittelpunkt des 15. Holzbauforums, Anfang April in Berlin. Neben der Fachtechnik kamen dabei auch Infos zur demographischen Entwicklung sowie Entscheidungswegen von Immobilienfachleuten nicht zu kurz.

Mehr als ein Dutzend Referenten lieferten dazu an anderthalb Tagen zahlreiche wertvolle Informationen. Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter/TU München eröffnete die Veranstaltung als Moderator und gab den Teilnehmern einen Ausblick auf die kommenden anderthalb Tage, in dem er einen Bogen spannte von den Referaten aus der Forschung, der Tragwerksplanung, der Marktforschung, der herstellenden Industrie uvm.

Architektin Sabina Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sprach das Grußwort und stellte im weiteren Verlauf der Veranstaltung auch gebaute Best-Practice-Beispiele vor. Ihr ist der Gedanke wichtig, dass man bei der Kommunikation rund um das Bauen mit Holz nicht mehr so sehr die Energieeffizienz, sondern die Ressourceneffizienz in den Mittelpunkt stellt.
Denn leider stehe bei vielen Bauherren der nachhaltige und langfristige Ansatz einer Bau-Investition nicht im Mittelpunkt. Kurzfristige monetäre Effekte, ausgelöst zum Beispiel durch sinkende Mineralölpreise gewännen oft die Oberhand. Dies sei beim Ansatz Ressourceneffizienz nicht so einfach möglich.

Daneben erwähnte sich aber auch, wo der Holzbau noch besser werden könne: Sie erwarten von allen Beteiligten weitere Innovationen in den Bereichen Rückbau/Recycling sowie Integration der technischen Gebäudeausstattung. Zu den von ihr vorgestellten Best-Practise-Bauten zählen die von der Stiftung geförderten Maßnahmen an den Gymnasien in Diedorf und Sonthofen.

Holzbauweisen und Hybridlösungen – Einblicke und Empfehlungen

Ein Konferenzraum voller Teilnehmer, die einer Präsentation folgen. Die Teilnehmer sitzen an Tischen mit Getränken und Unterlagen.
Thesen wie „Sobald der Holzbau dann nur wenige Prozentpunkte teuerer sei, verliere er aus finanztechnischen Gründen gegenüber den Konkurrenz-Bauweisen. “ wurden unter den Teilnehmern diskutiert. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien)

Die Referenten Henning Klattenhoff und Prof. Dr.-Ing. Leander Bathon widmeten sich anschließend der Holzbautechnik und einem bestimmten Bauteil, der Holz-Beton-Verbunddecke. Klattenhoff gab in seinem Vortrag einen Überblick über die verschiedenen Holzbauweisen wie Holzrahmen-, Holzmassiv- und Holzskelettbau.
Er arbeitete die Vor- und Nachteile der einzelnen Bauweisen heraus und gab Tipps für deren Anwendungsfälle.

Allen gemein ist seiner Meinung nach, dass man im Holzbau sich mit seinem Bauherren VOR Planungsbeginn über die gewünschten Qualitäten und Eigenschaften Gedanken machen sollte. Leander Bathon beschrieb anschließend detailliert die Eigenschaften und Einsatzzwecke der Holz-Beton-Verbunddecke.
In diesem Zusammenhang lieferte er auch seine Definition für die bei dieser Veranstaltung viel erwähnte „Hybrid“-Bauweise: „Unter Hybridbau verstehe ich die Kombination von Holz und anderen Baumaterialien in kraftschlüssigem Verbund“, so Bathon.

Laubholzprodukte gewinnen an Bedeutung

Roland Zajonz/Pavatex, Udo Cera/Würth und Jan Hassan/Pollmeier berichteten über Produkte und deren Anwendungen in den Bereichen Dämmstoffe, Befestigungstechnik und Baustoffe. Jan Hassan konzentrierte sich dabei auf das neue Produkt Baubuche. Er führte aus, wie sich in den letzten Jahrzehnten die Bestände in deutschen Wäldern weg von den Nadelhölzern, hin zu den Laubhölzern entwickeln. Dies liegt zum einen an veränderten klimatischen Bedingungen und auch Veränderungen in der Aufforstung, von Monokulturen hin zu Mischkulturen.

Als Konsequenz daraus ist die Industrie gefordert, zukünftig sinnvolle Anwendungen für Laubhölzer wie die Buche zu finden. Das Unternehmen Pollmeier tut dies eben mit der Baubuche, einem Furnierschichtholz, welches zu Brettsperrholz und auch Brettschichtholz verarbeitet werden kann. Die Produkteigenschaften sind dabei teilweise sehr unterschiedlich zu Nadelholzprodukten, wie Hassan detailliert erläuterte.

Ein Redner hält eine Präsentation bei einer Konferenz im DIN-Gebäude, während das Publikum aufmerksam zuhört.
Bei einer Veranstaltung in Berlin zum urbanen Bauen durfte natürlich nicht Tom Kaden vom Architekturbüro Kaden und Partner fehlen. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien)

Bei einer Veranstaltung in Berlin zum urbanen Bauen durfte natürlich nicht Tom Kaden vom Architekturbüro Kaden und Partner fehlen. Der Erbauer des ersten hölzernen Siebengeschossers in Berlin stellte seine aktuellen Projekte vor und betonte die ihm wichtigen Zusammenhänge zur Stadtplanung.

25 Prozent aller Gebäude in vielen Städten sind aufstockbar

Martin Langen von B+L Marktdaten aus Bonn gab mit seinem Referat sehr interessante Einblicke in den Wohnbau, die demographische Entwicklung in Deutschland und in das Verhalten von Investoren und Wohnungssuchenden.
Er zeigte die Gründe und Auswirkungen des aktuell dominierenden Zuzugs in die Städte auf und zog daraus Schlussfolgerungen für die Bauwirtschaft. So betonte er, dass rund 25 Prozent des Baubestands in mittelgroßen Städten aufstockbar seien und berichtete von der Möglichkeit, sich ausschließlich auf dieses Geschäftsgebiet zu spezialisieren. Bezüglich des mitunter nicht nachvollziehbares Aufhebens um manch angesagte Wohnviertel oder Städte warnte er vor dem irrationalen Verhalten von Investoren, gemäß der Theorie des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Robert J. Shiller: „Investoren sind nicht rational, Investoren erliegen Wellen der Euphorie, Investoren erliegen dem Herdeninstinkt“, so Langen.

15. Holzbauforum 2016

Hans-Otto Kraus, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft München brachte den Blickwinkel des Immobilienfachmanns mit in die Veranstaltung. Leider seien, so Kraus, die Kenntnisse vieler Immobilienmenschen zum Holzbau bescheiden. Sobald der Holzbau dann nur wenige Prozentpunkte teuerer sei, verliere er aus finanztechnischen Gründen gegenüber den Konkurrenz-Bauweisen. Er, der selbst viele hölzerne Wohnbauten in München durchgesetzt hat, betont in diesem Zusammenhang den großen zeitlichen Vorteil, den der Holzbau aufgrund der hohen Vorfertigung hat; und Zeit sei eben auch für einen Controller Geld. Und: „Hölzerne Wohnbauten haben eine hohe Wohnqualität.
Die Mieterfluktuation ist in solchen Gebäuden signifikant geringer als in anderen Gebäuden. Durch geringere Renovierungskosten und geringeren Verwaltungsaufwand spart mir auch dies eine Menge Geld“, so Kraus.

Teilnehmer eines Netzwerktreffens diskutieren vor einem Stand von Brüninghoff über Hybridbau.
Gelegenheit zum Fachaustausch gaben die rege genutzten Pausen zwischen den Vorträgen und auch die Abendveranstaltung. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien)

Nicht zu vergessen ist bei einer solchen Veranstaltung natürlich auch der zwischenmenschliche Austausch zwischen Teilnehmern, Referenten und Ausstellern: Gelegenheit dazu gaben die rege genutzten Pausen zwischen den Vorträgen und auch die Abendveranstaltung. In diesem Jahr entschieden sich die Veranstalter für ein mittelalterliches Abendessen in uriger Umgebung: Der Backsteinbau der Zitadelle Spanbildete dafür die perfekte Kulisse.

Unter dem Eindruck des Gesagten schloss Stefan Winter die Veranstaltung, nicht ohne folgenden Appell an die Teilnehmer zu richten: „Ich halte es für wichtig, die Vorteile des Holzes, wie seine beinahe im industriellen Maßstab ablaufende Vorfertigung weiter herauszuarbeiten. Wir brauchen Standards, wir müssen Vereinheitlichungen definieren und sollten NICHT ständig neue Varianten erfinden.“

zuletzt editiert am 27. Mai 2026
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