Ein mehrstöckiges, komplett eingerüstetes mehrstöckiges Gebäude
Die Holzmodulbauweise mit ihrer kurzen Bauzeit hat dazu beigetragen, dass in Berlin bis zum Jahr 2025 32 Holzschulen errichtet werden sollen. Kerto-LVL-Träger von Metsä Wood werden für vorgefertigte Module verwendet, die in Berlin zusammengesetzt werden. (Quelle: Thomas Mayer / Thomas Mayer ARCHIVE)

Technik

17. August 2022 | Teilen auf:

Holzmodulbauweise: Weit gespannte Träger für Berliner Schulen

Im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive sollen bis zum Jahr 2025 über 32 Holzschulen errichtet werden. Die Verkürzung der Bauzeit auf weniger als die Hälfte hat die Berliner Senatsverwaltung von der innovativen und nachhaltigen Holzmodulbauweise überzeugt. Sechs Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt. GLVL (BSH aus Kerto LVL) wurde dabei für weit gespannte Träger mit 8 m Spannweite verwendet.

Die Schulprojekte in Berlin wurden von dem österreichischen Systembaupionier Kaufmann Bausysteme (KBS) umgesetzt. Um die Bauzeit kurz halten zu können, wurden die dreigeschossigen Schulgebäude aus vorgefertigten Modulen konstruiert. Eine Schule besteht aus fast 100 Modulen, die jeweils 3 m breit und 8 m lang sind. Ein Klassenzimmer wird aus zwei bis drei Modulen zusammengesetzt. Die Module selbst bestehen an der Außenseite aus CLT-Wänden. Zwei Kerto-GLVL-Träger nehmen die Lasten auf und tragen sie auf die Wände der Module ab. So konnte ein stützenfreier Grundriss umgesetzt werden. Die Spannweite dieser 8 m langen Träger war mit BSH nicht zu realisieren.

Ein Klassenzimmer, mit Holz verkleidet und mit einer großen Fensterfront links.
Um einen stützenfreien Grundriss für die Klassenzimmer zu erreichen, mussten 8 m lange Träger an den Verbindungsstellen der Module eingesetzt werden. (Quelle: Thomas Mayer / Thomas Mayer ARCHIVE)

Die Projektpartner haben sich aus statischen Gründen auf die Suche nach einem Holzwerkstoff mit einer hohen Druckfestigkeit und einer hohen Biegefestigkeit gemacht. Zusätzlich sollte das Material einfach zu verarbeiten sein. Bullinger Holzwerke in Deutschland fanden die Lösung in sogenanntem GLVL (Glued-LVL) – das sind Kerto-LVL-Lamellen, die zu einem „LVL-BSH“ verleimt wurden. Der GLVL-Herstellungsprozess wurde von Bullinger in Zusammenarbeit mit Metsä Wood entwickelt.

Vertriebsmitarbeiter Ingo Faller beschreibt das Verfahren so: „Wir haben unseren Standard-BSH-Prozess so angepasst, dass wir LVL-Lamellen anstelle von Fichtenlamellen einschleusen können. Die GLVL-Träger haben eine wesentlich höhere Biegefestigkeit. Sie entspricht etwa einem GL 50. Standard-BSH erreicht max. GL 30/32 gem. der europäischen Norm EN14080.“ Interessant dabei: Sowohl Brettschichtholz als auch LVL sind im Verhältnis zwischen Gewicht und Festigkeit stärker als Stahl derselben Abmessungen. Neben der technischen Umsetzung in Bezug auf die Verleimung wird ein besonderes Augenmerk auf die Optik der Träger gelegt. Durch die 3 mm starken Furnierschichten der Kerto-LVL-Lamellen sind die oft als störend empfundenen Holzfehler ausgeschlossen. So haben die Träger eine natürliche und gleichzeitig technische Erscheinung – wirken aber sehr ruhig und homogen.

Ein Rendering eines Gebäudes aus verschiedenen Modulen im Querschnitt.
Eine Schule besteht aus fast 100 Modulen, die jeweils 3 m breit und 8 m lang sind. (Quelle: Foto: © Kaufmann Bausysteme - mv Animation: © Putzmann Binder Architekten, Berlin)

Keine Spezialmaschinen nötig

Sowohl Bullinger als auch Kaufmann Bausysteme beschreiben die Verarbeitung der GLVL-Träger als einfach. „Es gibt kaum einen Unterschied bei der Bearbeitung von GLVL- und Standard-BSH-Trägern. Für den Abbund und den Zusammenbau der Module konnten wir dieselben Werkzeuge und Verbindungsmittel verwenden, die wir auch für BSH-Träger einsetzen“, sagt Sebastian Hagspiel von Kaufmann Bausysteme, Projektleiter der Modul-Schulen.
Im Vergleich zu Hartholz-LVL aus Buche hat das Weichholz-GLVL eine sehr geringe Dichte. Die Beanspruchung der Werkzeuge bei der Bearbeitung ist wie bei BSH sehr gering.

Für die Bearbeitung der Träger waren keine Spezialmaschinen nötig. (Quelle: Holzwerke Bullinger)

Brandverhalten von Kerto-GLVL vergleichbar mit BSH

Das Brandverhalten der neuartigen GLVL-Träger ist vergleichbar mit BSH. Die Entscheidung für GLVL beruhte letztlich auf den statischen Anforderungen des Modulbaus – 8 m Spannweite – und der Umsetzbarkeit der Verleimung durch die Holzwerke Bullinger. „Das dreigeschossige Schulgebäude fällt in die Gebäudeklasse 3“, erklärt Sebastian Hagspieler von Kaufmann Bausysteme. Es mussten keine zusätzlichen Brandschutzanforderungen erfüllt werden.

Kurze Bauzeit der Schule dank Vorfertigung/Modulbau

Die GLVL-Träger wurden für das Projekt mit einem sehr hohen Vorfertigungsgrad bei Kaufmann Bausysteme angeliefert. Sowohl der Abbund der Träger als auch der Einbau der Verbindungsmittel und Auflagerverstärkungen erfolgten schon bei Bullinger im Werk. Der Zusammenbau der GLVL-Träger mit den Wänden aus Brettsperrholz und der weitere Ausbau erfolgte bei Kaufmann Bausysteme in Berlin – in der Nähe der Baustelle. Die vorgefertigten Module konnten so in kürzester Zeit montiert werden. Es ist geplant, auch die nächsten 14 Schulprojekte mit dem Holzwerkstoff  zu realisieren und so auch weiterhin auf Hartholz und Stahlträger verzichten zu können.

zuletzt editiert am 17.08.2022