BMH-Preistendenzen ❙ Die anhaltend rege Nachfrage erlaubt das Abwälzen der gestiegenen und immer noch steigenden Vorkosten auf die Erzeugerpreise. Effekte durch das jüngst abgeschlossene Kartellverfahren dürften nicht mehr eingerechnet sein. Günther Zimmermann
Das Bundeskartellamt hat seit dem Frühjahr in der Holzwerkstoffbranche ermittelt und im September gegen vier Hersteller von Spanplatten, OSB und anderen Holzwerkstoffprodukten sowie gegen zehn verantwortliche Personen wegen verbotener Preisabsprachen im Zeitraum von 2002 bis 2007 Bußgelder in Höhe von etwa 42 Millionen Euro verhängt. Aus dieser Meldung kann die Vermutung abgeleitet werden, dass die steigende Preisentwicklung seit Anfang 2010 wohl ausschließlich auf marktbedingten Einflüssen beruht. Dazu zählen vornehmlich die gestiegenen Energie-, Holz- und Chemierohstoffpreise. Innerhalb eines Jahres sind die Preise der Holzwerkstoffe um 8 bis 20 Prozent gestiegen, und es gibt anhaltende Zwänge, die Preise weiter anzuheben.
Bei den meisten Sortimenten rechnen sich die Hersteller zunächst noch gute Absatzmöglichkeiten aus, weil der Wohnungsbau aufgrund der Baugenehmigungszahlen mit stattlichen Zuwachsraten für die nächste Zeit aufwarten kann und dem wichtigsten Verbraucher, der Möbelindustrie, nach einer verhaltenen Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit so etwas wie eine Konjunkturerholung bevorzustehen scheint. Trotzdem befasst sich die Holzwerkstoffbranche verstärkt damit, ihre Zukunftsstrategien zu ändern. Aufgrund der zunehmenden Probleme bei der Holz- und Bindemittelbeschaffung will man sich unter dem Motto "Klasse statt Masse" mehr der Produktion von Werkstoffen in Spezialanwendungen zuwenden und nach ressourcenschonenden und energieeffizienten Technologien Ausschau halten. Das würde bedeuten, dass der klassische Holzwerkstoff als Massenprodukt irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen könnte. Wenn sich der Holzbedarf Chinas wie bisher alle fünf Jahre verdoppelt, muss über das Leben auf dieser Erde auch holzwirtschaftlich neu nachgedacht werden.
Spanplattenpreise nachfragebedingt weiter sehr fest
Die aktuellen Spanplattenpreise liegen etwa 20 Prozent über denen des Vorjahres, d. h. legen zwar zurzeit monatlich noch um Zehntelprozente zu, aber der Abstand zum Vorjahr bleibt annähernd gleich. Da die Bauwirtschaft sowohl im Wohnungsneubau als auch im Renovierungsgeschäft für die nächsten Monate gut ausgelastet ist, erwarten die Spanplattenhersteller eine anhaltend rege Nachfrage, die sie mit einer erhöhten Produktion bedienen wollen, wofür jedoch weiter anziehende Preise kalkuliert werden. Es ist nicht auszuschließen, dass die monatlichen Zuwachsraten sogar wieder etwas zunehmen, wenn die Rohholzpreise kräftiger zulegen und/oder die Möbelindustrie wieder mehr Spanplatten braucht und/oder der Export, der im Moment deutlich unter dem Vorjahr liegt, frühere Ausmaße annimmt. Die Empfehlung, Vorratskäufe zu tätigen, ist nach wie vor aktuell.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in der BAUEN MIT HOLZ Ausgabe 11.2011.
