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Die Teilnehmer verfolgten die neuesten Entwicklungen in der Holzbranche. Bilder: BAUEN MIT HOLZ

Termine 2011-02-09T00:00:00Z IHF: Gipfeltreffen der Branche

Das 16. Internationale Holzbauforum (IHF) in Garmisch-Partenkirchen bot Anfang Dezember 2010 den rund 1.300 Teilnehmern etwa 60 Vorträge und ausreichend Zeit, sich einen Überblick über die neuesten Entwicklungen der Branche zu verschaffen, Kontakte zu knüpfen oder Kontakte zu vertiefen.

Die traditionelle Zusammenkunft von Holzbauern, Planern, Ingenieuren und Architekten Anfang Dezember bot erwartungsgemäß auf hohem Niveau - wieder an drei Tagen einen Überblick über alle Themen, die den Holzbau beschäftigen und beeinflussen. Die Themenvielfalt reichte von den neuesten technischen Entwicklungen über gesellschaftspolitischen Themen bis zur Architektur.

Die Auftaktveranstaltung am Mittwochmorgen stellte das Bauen für kommunale und institutionelle Bauherren in den Mittelpunkt. Die Vorträge über die Motive, mit Holz zu bauen, schafften Verständnis für die Bedürfnisse der öffentlichen Bauherren. Gelungene Objektbeispiele im Bereich des verdichteten Baus ebenso wie im mehrgeschossigen Wohnbau machten Lust, sich in diesem Markt zu betätigen.

Ebenfalls Mittwoch fanden vier parallele Prologe statt. Prolog I, das Architektur-Forum, präsentierte Holzobjekte mit hohem architektonischem Anspruch, die einen Beitrag zum baukulturellen Umfeld und zum zeitgemäßen und zukunftsweisenden Bauen leisten.

Der zweite Prolog, das Fertigbau-Forum, stellte die Nachhaltigkeit aus Verbrauchersicht in den Fokus. Interessant war die Aussage von Thomas Eichhorn, Ressortleiter der Zeitschrift Architektur Haus & Wohnen: "Beachtet eure Kommunikation. Keiner baut, um die Umwelt zu retten. Man baut, um schöner zu wohnen." Bei der Kommunikation über Nachhaltigkeit sollte man Schwarzmalerei, verdeckte Drohungen, Brandmarkungen oder Beschwörungen vermeiden. "Das Verständnis für Nachhaltigkeit geht über Wissen. Also vermitteln Sie Wissen."

Der Holzbau in Europa war Schwerpunkt des dritten Prologs. Vorträge über den Holzbau in Skandinavien, die starke Präsenz des Holzbaus in Vorarlberg oder den mehrgeschossigen Holzbau in der Schweiz zeigten die unterschiedlichen Marktsegmente, die der Holzbau bedienen kann. Auffällig war, das insbesondere die Rahmenbedingungen der einzelnen Regionen viel zu der Eroberung der unterschiedlichen Marktsegmente und -nischen beitragen.

Der - erst zum zweiten Mal stattfindende - vierte Prolog, das Verbindungstechnik-Forum, stieß auf sehr großes Publikumsinteresse. Das Forum mit Schwerpunkt Schrauben und Kleben im Holzbau widmete sich in diesem Jahr primär den Schraubenverbindungen. Die Vorträge spannten einen Bogen von der Gruppenwirkung über Normungs- und Zulassungsfragen bis hin zum Einsatzbereich von Systemverbindern und den Verstärkungsmöglichkeiten mit Schrauben und Gewindestangen am Beispiel der Schubverstärkung. Auch die Leistungsfähigkeit von Holz-Glas-Klebeverbindungen wurde betrachtet.

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Alfred Rubner (li.) gründete 1972 die Holzbau AG in Brixen, die italienweit die erste Produktionsstätte von Brettschichtholz war.

Ehrungen: Zwei Arbeitsleben für Holz

Traditionell ehrt das Forum Holzbau Persönlichkeiten, die sich in ihrem Arbeitsleben für den Werk- und Baustoff Holz einsetzen. 2010 nahmen Alfred Rubner und Prof. Dr. Arno Frühwald diese Ehrung entgegen.

Alfred Rubner, Brixen, seit 1976 Geschäftsführer der Rubner-Gruppe, wirbt seit Mitte der 70er-Jahre durch intensive Aufklärung, viel Mut und Pioniergeist für den damals neuen Baustoff Brettschichtholz bei Architekten und Bauherren. In Italien war der Baustoff Holz damals in Vergessenheit geraten. Stahl und Beton dominierten den Bausektor. Alfred Rubner selbst spricht von der "Renaissance des Holzes", der Wiederentdeckung eines längst vergessenen Baumaterials. Das Unternehmen Holzbau-Rubner gehört zur gleichnamigen Firmengruppe und ist nach wie vor Marktführer im Segment Ingenieurholzbau in Italien.

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Prof. Dr. Arno Frühwald (2.v.r.) gilt bei seinen Diplomanden und Doktoranden als hervorragender wissenschaftlicher und praktisch orientierter Betreuer.

Prof. Dr. Arno Frühwald gilt als "Pionier der Ökobilanzierung im Holzbereich". Er hält seit 1977 die Professur für Holztechnologie an der Universität Hamburg und ist seit 1996 Leiter des Instituts für Holzphysik an der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft. Er studierte Holztechnik in Rosenheim und Holzwirtschaft in Hamburg, wo er auch 1973 - über das diffusionstechnische Verhalten von Furnierplatten promovierte. Neben seiner Professur brachte er sich auch mit enormem persönlichem Engagement für die verschiedensten Belange in der Holzforschung und -praxis in zahlreichen Gremien und Institutionen in Deutschland und weltweit ein.

Vielseitiges Programm

Der zweite und dritte Tag boten den Teilnehmern das klassische IHF-Programm aus Holzumfeld, Holztragwerk, Ingenieurholzbau und Holzkonstruktionen. "Läuft uns der Beton den Rang ab, grün, also ein ökologischer Baustoff zu sein? Ja, ich denke schon. Wir müssen uns fragen, was wir tun sollen", warnte Dr. Norbert Gorny, Präsident Pöyry Management Consulting. Sein Vortrag über die Chancen und Herausforderungen des Strukturwandels eröffnete den Themenkomplex Holzumfeld. "Unsere größte Baustelle ist unser Image und unser Marketing. Wir müssen in Zukunft geschlossener handeln", so Gorny weiter.

Gastland waren die Beneluxstaaten. In Belgien, den Niederlanden und in Luxemburg spielte der Holzbau bislang eine untergeordnete Rolle, erlebt zur Zeit erfreulicherweise einen großen Aufschwung. Die verschiedenen Vorträge stellten die Besonderheiten, die Strukturen und die Trends dieser potenziellen Märkte vor.

Der Themenkomplex Holztragwerke beschäftigte sich mit dem Markt für Brettsperrholz, seiner Entwicklung sowie mit der Baupraxis. Die Vorträge verglichen den Werkstoff mit Beton oder diskutierten die europäische Norm. Ingenieurholzbauten wie das Güterverkehrszentrum Ingolstadt, der Hangar Euroairport Basel/Mulhouse, die Eisschnelllaufhalle in Inzell oder Metropol Parasol Sevilla boten eine Übersicht über die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten von Holz und Holzwerkstoffen in Kombination mit anderen Materialien im modernen Hochbau. Die Holz-Beton-Verbundbrücke der Chiemgau-Arena in Ruhpolding, eine Schwerverkehrsbrücke in Norwegen, eine Eisenbahnbrücke in Holz oder Holztürme für Windkraftanlagen zeigten die Leistungsfähigkeit im Brücken- und Turmbau, das Rosenheimer Solar Decathlon Haus oder das neue Konzept eines nachhaltigen Supermarkts die Leistungsfähigkeit im Bereich der Nachhaltigkeit. Mit einem Ausblick auf die Tendenzen im Holzhochbau endete das IHF 2010. Ein sechsstöckiger Geschosswohnungsbau oder ein achtgeschossiger Sozialwohnungsbau zeigten, was mit Holz möglich ist.

Laura Westerhoff

zuletzt editiert am 04. August 2021
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