Am 17. Mai 2024 wurde die Interessengemeinschaft Arbeitssicherheit Holzfertigteilbau (IGAH) offiziell von 20 Unternehmen der Branche in Augsburg gegründet. Die IGAH ist aus Protest gegen die neuen Veranlagungsbescheide der BG Bau heraus entstanden, die sie als ungerechtfertigt empfindet. Das sieht die BG Bau jedoch anders.
Bereits seit über einem halben Jahr haben sich der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) und der Deutsche Holzfertigbauverband (DHV) für die Gründung der IGAH eingesetzt, um sich vor allem gegen die ihrer Meinung nach ungerechtfertigt hohen Beiträge an die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) zur Wehr zu setzen. Denn gemäß des neuen 4. Gefahrtarifs stuft die BG Bau seit Januar 2024 die Fertigbau-Unternehmen in der gleichen Tarifstelle ein wie Zimmereibetriebe – trotz, laut Aussage der IGAH, deutlich besserer Unfallstatistik und niedrigerem Unfallrisiko durch die Vorfertigung im Werk. Daher zielt die IGAH auf die Bestandswahrung der Tarifstelle 200 gemäß des 3. Gefahrtarifs für die in der BG Bau organisierten Holzfertigteilbauunternehmen ab. Zudem soll für die in der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) veranlagten Holzfertigteilbauunternehmen (Tarifstelle 01 des Gefahrtarifs 2019) darauf hingearbeitet werden, die Eingruppierung in eine Tarifstelle mit einer angemessenen Gefahrklasse zu erreichen.
Die BG Bau teilte auf Anfrage mit, dass bereits vor dem 1. Januar 2024 Unternehmen, die Fertigteile in Holz individuell herstellen, mit klassischen Zimmereiunternehmen veranlagt wurden. Mit dem geänderten Gefahrtarif würde dies lediglich auf solche Unternehmen ausgeweitet, bei denen die BG Bau bisher von Besonderheiten aufgrund eines sehr hohen Automatisierungsgrads ausgegangen sei. Diese Unternehmen erstellen laut BG Bau wie klassische Hochbauunternehmen und Zimmereien Häuser, Bauwerksteile und Konstruktionselemente für den Hausbau. Die Tätigkeit der Unternehmen sowie deren Unfallgeschehen habe sich in den vergangenen Jahren derart entwickelt, dass eine von den klassischen Hochbauunternehmen und Zimmereiunternehmen abweichende Zuordnung nicht mehr gerechtfertigt sei. Es lägen vergleichbare Unfallereignisse, -häufigkeiten sowie -kosten und Präventionserfordernisse vor. Der 4. Gefahrtarif setze das Gewerbezweigprinzip konsequent um und regele, dass Unternehmen, welche jeweils Bauwerke und Bauwerksteile errichten beziehungsweise herstellen, nunmehr gefahrtarifrechtlich und beitragsrechtlich gleichbehandelt werden. Da entspräche unter anderem den gesetzlichen Vorgaben. Laut BG Bau beträfe die Neuregelung circa 400 Unternehmen der Baubranche. Demgegenüber ständen circa 115.000 klassische Hochbauunternehmen und circa 18.000 klassische Zimmereien, die von Änderungen des Gewerbezweigs nicht betroffen seien. Das lasse keine generelle Kostensteigerung im Eigenheimbau vermuten.
Die IGAH wird ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin werden. Den gewählten Vorstand bilden IGAH-Präsident Prof. Dr. Mathias Schäfer (FingerHaus) sowie die Vize-Präsidenten Erwin Taglieber (Taglieber Holzbau) und Stephan Jager (WeberHaus). Die weiteren in Augsburg anwesenden Gründungsmitglieder waren Augsburger Holzhaus, Bau-Fritz, Burgbacher Holztechnologie, Gumpp & Maier, Fertighaus Weiss, Haas Fertigbau, Hanse Haus, Holzbau Braun, Huf Haus, Keitel-Haus, Regnauer Fertigbau, Streif Haus, Talbau-Haus, Weiss Holzhausbau + Haustechnik, Wilhelm Nusser Systembau, Weizenegger und Wolf-Haus. Auch gegenüber der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Politik möchte die IGAH die Interessen der Branche und ihrer Unternehmen vertreten. Proaktiv und präventiv haben sich die Unternehmen der Interessengemeinschaft zudem auf das Ziel verständigt, ihre Unfallzahlen durch den weiteren Ausbau der Automatisierung und arbeitssicheren Prozessoptimierung sowie etwa durch Projekte zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren noch weiter zu senken.
