Die wirtschaftliche Lage der Holzbauunternehmen hat sich im Jahresverlauf stabilisiert. Eine derart schnelle Rückkehr zur Normalität im ersten Jahr nach der großen Rezession hätte kein Experte zu prognostizieren gewagt.
Nach einem kalten, vereisten und damit schwierigem Start im ersten Quartal entwickelte sich 2010 für das Holzbaugewerbe positiv. Der strenge Winter Anfang des Jahres führte zu erheblichen Einschränkungen, die die Betriebe in den folgenden Quartalen aufholten. Die Konjunkturindikatoren entwickelten sich im Jahresverlauf erfreulich positiv. Dies betrifft Ertragslage, Auslastung, Beschäftigung und sogar die Investitionsneigung. Die im vierten Quartal gesunkenen Indikatoren wie Umsatzerwartung oder Auftragsbestand lassen sich vor allem saisonal erklären und stellen keinen Grund zur Besorgnis dar.
Bewerteten die befragten Zimmerer des BAUEN-MIT-HOLZ Barometers die Ertragslage im ersten Quartal nur mit ausreichend (3,77), entwickelte sich die Bewertung im Jahresverlauf kontinuierlich nach oben. Im zweiten Quartal lag sie bei der Schulnote 2,40, im dritten Quartal bei 2,06 und sank im vierten Quartal saisonal bedingt leicht auf eine 2,28. Trotz des frühen und heftigen Wintereinbruchs Anfang Dezember beurteilen die Zimmerer die Ertragslage des vierten Quartals 2010 damit immer noch als gut.
Diese Entwicklung machte sich auch in der Auslastung bemerkbar. Gestartet mit der schwächsten Auslastung seit vier Jahren das Personal war im ersten Quartal zu 60 Prozent beschäftigt, die Maschinenauslastung lag bei 41 Prozent , stieg die Auslastung im Jahresverlauf auf das übliche Niveau. Dieses liegt bei etwa 90 Prozent Auslastung des Personals sowie 70 Prozent Maschinenauslastung. Im vierten Quartal sank die Maschinenauslastung saisonal bedingt und aufgrund des frühen Wintereinbruchs auf 65 Prozent. Das Personal war nur noch zu 87 Prozent beschäftigt. Die anhaltend gute Konjunktur beeinflusst ebenfalls merklich den Auftragsbestand. Er liegt immer noch bei 2,1 Monaten. Im Krisenjahr 2009 sank er im vierten Quartal auf niedrige 1,7 Monate.
Der Aufwärtstrend hat ebenfalls zu positiven Beschäftigungsimpulsen geführt. Weit über die Hälfte der Betriebe hielt ihren Beschäftigungsstand auch in den Wintermonaten konstant. Im vierten Quartal verloren zwar 12 Prozent Personal, erfreuliche 19 Prozent stellten aber neue Arbeitskräfte ein.
Aufholjagd erfolgreich
Die gesamte deutsche Wirtschaft war 2010 durch einen kräftigen konjunkturellen Aufholprozess geprägt. Auch hier folgte auf einen holprigen Start die wirtschaftliche Erholung im Frühjahr und Sommer. Bemerkenswert ist, dass die Wachstumsimpulse nicht wie üblich durch den Außenhandel, sondern vor allem auch im Inland entstanden. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wächst die Wirtschaft 2010 um 3,5 Prozent das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Im Vorjahr hatte Deutschland noch die stärkste Rezession der Nachkriegszeit erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt sank damals um 4,7 Prozent. Eine derart schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft von dieser Rezession hätte vor Jahresfrist kein Wirtschaftsexperte zu prognostizieren gewagt.
Auch die Bauwirtschaft trug 2010 zum Wachstum bei. Die Bauinvestitionen erhöhten sich um 2,8 Prozent. Dies ist ein geringeres Wachstum als in anderen Branchen, jedoch war die Bauwirtschaft im Krisenjahr auch nicht so massiv eingebrochen. Erfreulicherweise ist die Wirtschaftsleistung des Baugewerbes 2010 erstmals seit über zehn Jahren gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um 1,8 Pozent.

Öffentlicher Bau enttäuscht
Die Steigerung der Bauwirtschaft resultierte in erster Linie aus kräftigen Zuwächse um 4,4 Prozent bei den Wohnbauten vor allem Bayern und Baden-Württemberg waren eine große Stütze. Zugute kommt hier die Zuversicht der privaten Bauherren in eine stabile Beschäftigungssituation, günstige Hypothekenzinsen, steigende Mieten sowie die Suche von Investoren nach wertstabilen Anlagen. Es sollte bei dieser positiven Entwicklung keineswegs übersehen werden, dass sich dieses Segment seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau befindet. Das Niveau des Wohnungsbaus gab seit 2006 um knapp 40 Prozent nach. Im Vergleich zu 1997 sogar um 72 Prozent. 2009 wurden nur etwa 160.000 Wohneinheiten errichtet. Erstaunlicherweise erwies sich der Wohnungsbau in der Wirtschaftskrise als recht krisenresistent und als überraschende Stütze für die Gesamtwirtschaft. Dies ist vor allem der Sanierung, deren Anteil am Umsatz seit Jahre kontinuierlich steigt, zu verdanken.
Frühindikatoren deuten darauf hin, dass die Bauinvestitionen in diesem Segment spürbar aufwärts gerichtet bleiben. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe und die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten legen zu. Auch die Genehmigungsstatistik deutet auf einen Anstieg der Bauinvestitionen hin, und zwar sowohl bei Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern als auch bei Eigentumswohnungen. Hinzu kommt, dass auch die energetische Sanierung im Wohnungsbestand fortgesetzt wird. Die Gemeinschaftsdiagnose verschiedener Wirtschaftsinstitute prognostiziert auch für 2011 eine Steigerung der Wohnbauinvestitionen um 3 Prozent.
Enttäuschend waren die Auftragseingänge durch öffentlichen Bauherren. Erwartet worden waren nach dem Stocken der Konjunkturpakete durch den strengen Winter Zuwächse im Jahresverlauf. Der öffentliche Sektor sollte die Rolle des Motors übernehmen. Dies trat nicht ein. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) erwartet einen Umsatzrückgang von 0,4 Prozent. Mit dem Auslaufen der Konjunkturpakete und der ohnehin angespannten Finanzlage der Kommunen werden diese noch weiter schrumpfen laut ZDB könnten sie 2011 um 3,8 Prozent sinken.
Das komplette BAUEN MIT HOLZ Konjunkturbarometer lesen Sie in BAUEN MIT HOLZ 2.2011.
Laura Westerhoff
Dipl.-Volksw. Laura Westerhoff ist Redakteurin der Zeitschrift BAUEN MIT HOLZ.