Im Interview verrät der Experte, warum er sich dem Thema Witterungsschutz im Holzbau verschrieben hat. Welches Fachwissen möchte er teilen? Er ist Geschäftsführer der IQUH GmbH, Bausachverständiger, Vorstand Stiftung B.A.U. und Vizepräsident der DGUHT e.V. Am 17. März 2027 leitet er das Seminar „Effektiver Witterungsschutz im Holzbau“.
Was hat Sie dazu motiviert, sich mit diesem Thema zu beschäftigen? Gibt es eine Anekdote oder einen Moment, der Ihre Arbeit besonders geprägt hat?
Wir waren in den 90er-Jahren selbst Anbieter von schlüsselfertigen Holzgebäuden und kennen somit das Wetterproblem. Zudem haben wir Erfahrung mit Bauherrschaften und deren Reaktionen, wenn feuchte Bauteile anfangen zu schimmeln. Seit ungefähr 2000 führen wir Schimmel- und Feuchtegutachten durch und haben ca. 2013 festgestellt, dass es noch kein Verfahren und keine definierte Holz-Kerntrocknung auf der Baustelle gibt. Das entscheidende Erlebnis war ein Holz-Hybridhochhaus in Berlin, das eine Spezialfirma mit Heizern und Gebläsen – allerdings ohne Wirkung im Kernholzbereich – trocknen wollte. Das war der Auslöser, und so sind wir aktuell an sehr großen Holz-Hybridbaustellen mit eigens entwickelten Mess- und Trocknungssystemen erfolgreich beteiligt.
Welche Herausforderungen erleben die Teilnehmenden typischerweise – und wie unterstützen Sie mit Ihrem Seminar bei deren Lösung?
Aktuell wird immer höher und schneller gebaut, wodurch Bauteile wetterbedingt zeitweise ungeschützt im Regen stehen. Der Auftraggeber erwartet vom Holzbauer einen Rundumschutz der Holzbauteile, was in der Realität nicht möglich ist. Ein Restrisiko bleibt immer – selbst bei allergrößter Sorgfalt für den AG, den GU, den AN Holzbauer oder die Bauleitung. Wir können unsere vielen aktuellen Praxisbeispiele als Lösungsvorschläge vorstellen und mit sehr viel Bildmaterial Detaillösungen, Vorsorgeoptionen sowie Sanierungsempfehlungen beschreiben.
Welche Idee aus Ihrem Seminar würden Sie gerne in möglichst vielen Betrieben/Städten/Unternehmen umgesetzt sehen?
Ideal wäre es, wenn der vorsorgliche Witterungsschutz bereits in der Vor- und Werkplanung umgesetzt wird und der AG die Notwendigkeit erkennt, ausschreibt und bezahlt. Zudem sollte die Ausrüstung für das Feuchtemanagement – wie Absaugung, Folien und Messgeräte – in einem Notfallcontainer auf jeder Baustelle vorgehalten werden. Auch der Versicherungsschutz im Rahmen der All-Risk-Haftpflicht sollte verbessert werden.
Gibt es einen interaktiven Teil oder praktische Übungen für die Teilnehmenden?
Wir stellen im Seminar die Messtechnikprobleme bei verschiedenen Holzwerkstoffen vor und führen Messübungen sowie den Einsatz von Messgeräten, Bohrkernbohrern und Darröfen praktisch vor.
Wenn Sie vergleichen müssten: Welchen Mehrwert bietet Ihr Seminar im Vergleich zu anderen Angeboten?
Der Mehrwert liegt darin, einzigartige Sanierungslösungen bei Schimmelbefall sowie spezielle Trocknungsverfahren kennenzulernen – darunter das von uns entwickelte TDT-Trocknungsverfahren, das sicherlich noch keiner kennt.
Wie würden Sie diesen Satz vervollständigen? Wer an dem Seminar teilgenommen hat, …
… wird Wasser und seine Eigenschaften, die Reaktion verschiedenartiger Holzwerkstoffe auf Wasser, Schimmelpilzeigenschaften, statische Holzfeuchteprobleme wie Verformungen und Substanzverlust, Bauleiterpflichten sowie mangelfreie Sanierungslösungen bei zu hoher Holzfeuchte und Schimmel besser verstehen. Und er wird verstehen, warum man schnell handeln muss.
Vielen Dank für das Interview!
