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Termine 2011-02-10T00:00:00Z Karlsruher Tage 2007: Wie immer volles Haus

Die diesjährige Fachveranstaltung "Ingenieurholzbau - Karlsruher Tage 2007" der Universität Karlsruhe und des Bruderverlages lockte Anfang Oktober rund 180 Teilnehmer nach Karlsruhe. Unter dem Motto "Bewahren und Gewinnen" hörten die Anwesenden aus der Forschung für die Praxis Neues für ihre tägliche Arbeit.

Dr. Matthias Frese, Universität Karlsruhe , stellte die Forschungsergebnisse einer Schadensanalyse an bestehenden Holzkonstruktionen vor. Laut Frese waren besonders häufig Sport- und Eissporthallen von Schäden betroffen, was für die Zuhörerinnen und Zuhörer aufgrund des dort besonders kritischen Klimas leicht nachvollziehbar war. Die häufigsten Schadensfälle sind durch Biegebeanspruchung an Ein- und Mehrfeldträgern hervorgerufen worden. Über 70 Prozent der Schäden erwiesen sich als Risse in Faserrichtung, die fast ausnahmslos bei Brettschichtholz beobachtet wurden. Um statistisch sichere Schlussfolgerungen zu den Ursache-Wirkung- Mechanismen machen zu können, müssten aber noch weitere Schadenfälle erfasst und ausgewertet werden. Frese hielt fest, dass viele Ursachen für Schäden bereits in unzureichender Planung zu finden sind.

Prof. Dr. Hans Joachim Blaß, Universität Karlsruhe, stellte einen Leitfaden zur Begutachtung von Hallentragwerken aus Holz vor. Anhand von Schadensbeispielen erläuterte er, wie mit dem Leitfaden umzugehen sei. Dabei hob Blaß immer wieder hervor, dass die handnahe Betrachtung von Schwachstellen unverzichtbar sei. Abschließend betonte er, dass der Leitfaden nicht als erschöpfende Checkliste benutzt werden darf, in dem einfach Punkt für Punkt abgehakt wird; der Sachverstand des Prüfers kann durch den Leitfaden nicht ersetzt werden.

Decke in Eishalle kühlt u. U. unter die Umgebungstemperatur aus

Prof. Dr. Franz Feldmeier, FH Rosenheim, fasste in seinem Vortrag die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Felduntersuchungen in einer Eissporthalle in Bitburg im letzten Winter zusammen. Laut Feldmeier kühlte die dortige Decke durch den Strahlungsaustausch zwischen Decke und kalter Eisfläche unter die Temperatur der Umgebungsluft ab, wodurch es zu Tauwasserbildung an der Unterseite der Decke und einer Erhöhung der Holzfeuchte der verbauten Brettschichtholzträger kommt. Um den Strahlungsaustausch mit der Eisfläche zu vermindern und damit ein Absenken der Oberflächentemperatur unter die Taupunkttemperatur zu vermeiden, sei es unter anderem möglich, Abschattungselemente an der Träger-Unterseite anzubringen.

Feldmeier stellte vier unterschiedliche Ausführungen von Abschattungselementen vor, welche die Bildung von Tauwasser an der Unterseite der Träger wirkungsvoll reduzieren sollen. Zu untersuchen seien nun noch die Auswirkung auf die Holzfeuchte an den Flanken der Träger und das überraschende Ergebnis, dass Abschattungselemente aus Material mit niedrigerem Emissionsgrad nicht günstiger wirkten.

Nachmittags referierte Prof. Dr. Heinz Brüninghoff, Rösrath, über die Ertüchtigung von BS-Holz-Tragwerken. Zunächst gab er einen Überblick über die Ursachen von Schäden, angefangen bei fehlerhafter Planung bis zur unplanmäßigen Nutzung des Gebäudes. Versagen durch Querzug ist bei BS-Holz, insbesondere bei Satteldachbindern, sehr häufig zu beobachten. Als Sanierungsverfahren kommen beispielsweise ein Verkleben der Risse mit Epoxidharz und eine Verstärkung durch das Aufkleben von Holzlaschen oder Streifen aus Furniersperrholz in Frage. Gewindestangen können als Querzugbewehrung bei Satteldachbindern oder als Schubbewehrung eingebaut werden. Sie sind aber nicht als Verstärkung des Holzträgers, sondern als Ersatzmaßnahme zu betrachten. Brüninghoff machte darauf aufmerksam, dass eingeklebte Gewindestangen, obwohl fester Bestandteil im konstruktiven Holzbau, bisher nicht baurechtlich geregelt sind.

Stiftförmige Verbinder an Seite und Schmalfläche von BSP möglich

Dr. Mandy Peter, Institut des Zimmerer- und Holzbaugewerbes, Berlin, und Dipl.-Ing. Jürgen Kunkelmann, Universität Karlsruhe, informierten über Brandschutz-Problemlösungen bei hölzernen Treppen in bestehenden Geschosswohnbauten. Lösungen müssen vor allem dann gefunden werden, wenn bei umfangreichen Umbauten der Bestandsschutz wegfällt und die Treppe als Rettungsweg funktionieren muss.

Der zweite Tag begann mit Dipl.-Ing. Robert A. Jöbstl, Technische Universität Graz, dessen Thema die praxisgerechte Bemessung von Brettsperrholz war. Er legte dar, dass die notwendigen Nachweise der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit für auf Biegung aus der Ebene beanspruchtes Brettsperrholz mittels der starren Verbundstheorie unter Berücksichtigung der Schubverformungen mit sehr viel geringeren Aufwand als bisher möglich ist.

Dipl.-Ing. Thomas Uibel, Universität Karlsruhe, referierte über Verbindungen mit mechanischen Verbindungsmitteln in Brettsperrholz. Bisher gab es keine allgemein gültige Regelung; die Regelungen zur Bemessung von Verbindungen wurden in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen der Brettsperrholzprodukte angegeben. Laut Uibel können stiftförmige Verbindungsmittel sowohl in den Seitenflächen als auch in den Schmalflächen von Brettsperrholz angeordnet werden. Er stellte Berechnungsmodelle für die Tragfähigkeit bei axialer und bei rechtwinkliger Belastung vor. Bei der Darstellung der Mindestabstände der Verbindungsmittel, wies Uibel darauf hin, dass in den Seitenflächen von Brettsperrholz geringe Abstände der Verbindungsmittel untereinander und zum Rand bei hohen Tragfähigkeiten möglich seien. Dies sei zum Beispiel interessant für den Einsatz als Zugstäbe in Fachwerkkonstruktionen.

Dipl.-Ing. Klaus Fritzen, Bruderverlag Köln, leitete in seinem Vortrag eine vereinfachte Vorbemessung nach DIN 1052:2004 für Verbindungsmittel her. Er zeigte, dass es möglich sei, die Berechnung für stiftförmige Verbindungsmittel bei der Beanspruchung auf Abscheren gegenüber DIN 1052:2004 durch die Herleitung einheitlicher Formeln stark zu verkürzen. Auch stellte er vereinfachte Regeln für die Anordnung der Verbindungsmittel vor.

Prof. Richard Harris, Bath/Großbritiannien, stellte außergewöhnliche Holzkonstruktionen vor, die jenseits der standardisierten Bemessungsbestimmungen liegen. So beispielsweise das Westminster Lodge im Hook Park in Dorset, Großbritannien. Das Dach, das den mittleren Raum des Gebäudes netzförmig überspannt, wurde aus frisch geschlagenem Rundholz konstruiert, in Form sich gitterartig kreuzender Hölzer. Die Verbindungen der Rundhölzer wurden mit Hilfe von Epoxidharz und Bewehrungsstäben geschaffen.

Harris führte Schalen in Brettrippenbauweise vor, wie beispielsweise das Downland Gridshell Building. Die einzelnen Holzlammellen können durch Stabdübel oder durch eine patentierte Klemmverbindung aus Stahlplatten und Bolzen miteinander verbunden werden.

Fazit: Fachwissen und informeller Austausch in gutem Mix

Die Teilnehmer nutzten die beiden Veranstaltungstage für den intensiven Austausch untereinander. Die rege Beteiligung an der Abendveranstaltung verdeutlichte den Bedarf zum informellen Austausch. Die nächsten Karlsruher Tage der Universität Karlsruhe und des Bruderverlages finden im Oktober 2008 statt.

Angela Trinkert/Laura Westerhoff/Markus Langenbach

Weitere Fotos aus Karlsruhe

Stimmen der Teilnehmer

"Die Karlsruher Tage hatten ein hohes Niveau. Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zu (vermeidbaren) Schäden an Holzkonstruktionen und die dargestellten Möglichkeiten zur Ertüchtigung von BS-Konstruktionen. Als Praktiker konnte man zu diesen Themenbereichen nützliche Anregungen mit nach Hause nehmen. Imponiert hat mir die Fleißarbeit von Klaus Fritzen zur Vereinfachung von Formeln der neuen DIN 1052. Nützlich ist seine Übersicht mit der Darstellung von Anschlussbildern, in denen man die Abstände von Verbindungsmitteln gut nachvollziehen kann. Dass ein Bedarf für solche Vereinfachungen vorhanden ist, hat mir auch ein Gespräch am Rande der Tagung mit zwei Prüfingenieuren vermittelt. Beide habe mir übereinstimmend auf Rückfrage mitgeteilt, dass trotz bevorstehender Ablauf der Übergangsfrist zum Jahresende noch immer über 90 Prozent der statischen Berechnungen nach alter Norm eingereicht werden."

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Dipl.-Ing. Verena Hecker, Hecker System Holzbau, Marienmünster

"Die Karlsruher Tage gehören seit Jahren zum Pflichtprogramm für unser Unternehmen. Hochkarätige Referenten garantieren stets eine interessante und informative Veranstaltung. In diesem Jahr waren besonders die Vorträge der Herren Blaß und Brüninghoff aufgrund der aktuellen Diskussion um Holztragwerke für uns von großem Interesse. Bei den Karlsruher Tagen 2008 sind wir sicher wieder dabei!"

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Dr. Michael Maass, Ingenieurbüro für das Bauwesen/Tragwerkplanungen/Baustatik, Arnsberg.

"Im Rahmen der Karlsruher Tage haben Professor Blaß und sein Team den aktuellen Stand der Holzbauforschung so praxisnah dokumentiert, dass die Ergebnisse direkt in meine Arbeit einfließen konnten. Der Beitrag von Professor Brüninghoff zeigte unter anderem in beeindruckender Weise, welches Potenzial vorhandene Bauschäden für ihre zukünftige Vermeidung bieten. Es lohnt sich, genau darauf zu schauen. Die gelungene Abrundung der vorwiegend wissenschaftlichen Beiträge ist Professor Harris zu verdanken. Er unterstrich durch seine Werkberichte die weitreichenden Möglichkeiten im konstruktiven Umgang mit dem Baustoff Holz. Es gibt noch immer viel zu wenige Bauwerke, die die Möglichkeiten des Bauens mit Holz in solcher Weise wirklich ausschöpfen. Der Beitrag macht Lust auf mehr. Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung.

Rückschau der Veranstalter

Die achten "Ingenieurholzbau - Karlsruher Tage" erfreuen die Veranstalter, den Lehrstuhl für Ingenieurholzbau und Baukonstruktionen der Universität Karlsruhe und den Bruderverlag.

Das Studium hier in Gestalt der Weiterbildung wird gelebt mit einem Skript in solider Buchform und Lesungen die den Studierenden hohe Konzentration und Mitverfolgung in dem Skriptum abverlangen. Die "Studenten" verfolgen mit äußerster Disziplin (für "richtige" Studenten absolut vorbildlich!) die Lesungen, es bimmelt kein Handy und man kann sich bei den knapp 200 Teilnehmern auch noch ohne Verstärkeranlage gut verständlich machen. Es werden in dem Tagunsband, bei allem Respekt vor dem Skript, Einmerkungen eingetragen. Obwohl das moderne Medium der Powerpoint-Präsentationen eingesetzt wird, ist der Band keine Ablichtung von Präsentationsfolien und die Referate kein Ablesen dieser. Die sorgfältige Darlegung im Skriptum, zum Nachlesen, die bildliche Darstellung an der Tafel (heute Projektionsfläche), zum Selberlesen, und die mündliche Erklärungen und Erläuterungen des Anschriebs, zum weitergehenden Verständnis, stellen wohl ein herausragendes Merkmal der Karlsruher Tage dar. Es ist Studium, kein Kongress und kein Seminar und kein neumodischer Workshop. Und dies wird insgesamt begreiflich durch die universitären Gegebenheiten. Das Vorlesen von an die Wand geworfenen Folien wollte sich hier, in den Gefilden der Lehre, noch niemand "leisten". Das Ambiente trägt zu dem Respekt vor den Studierenden bei, so die Erfahrungen. Die Konzentration liegt auf der Vermittlung von neuem Wissen - jenseits von verbandlichen oder sonstigen Interessenlagen.

"Ich fühle wie damals als Student", so ein Teilnehmer. Das abendliche Beisammensein ist auch Bestandteil dieses "ich fühle mich wie ein Student", es geht leger zu, keine vorgesetzte Unterhaltung, keine Ansprachen, keine Ehrungen, keine Ehrentische, unterhalten kann man nur sich selbst mit den Anderen. Dies so lange, bis das Bewirtungspersonal in der Nacht zum Aufbruch nötigt.

Hans Joachim Blaß, Klaus Fritzen

zuletzt editiert am 04. August 2021
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