Holzbau vs. Massivbau 2017-02-13T00:00:00Z Kommentar: Mauerwerk nachhaltiger als Holz?

Überschrieben mit dem Titel „Wenn Deutschlands Wälder zu vier Wänden werden: Holz- und Steinhaus im Öko-Check“, erreichte uns Mitte Dezember letzten Jahres eine Einladung der „Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V.“ (DGfM) zu einer Pressekonferenz (PK) auf der BAU 2017. So weit, so normal. Von Markus Langenbach, Chefredakteur BAUEN MIT HOLZ

Bei genauerem Lesen des Begleittextes und den in den darauffolgenden Tagen ankommenden Anrufen und E-Mails wurde aber klar, dass es mit dieser PK etwas Besonderes auf sich haben musste. Und in der Tat - im Einladungstext las sich das so: „Deutschland gibt sein „Natur-Tafelsilber“ weg: Wenn aus Wäldern immer mehr Holzhäuser werden, dann droht ein zunehmender Kahlschlag.

Schon heute wird in den Wäldern kräftig für die Bauwirtschaft gerodet. Tendenz: steigend. Besonders betroffen: der Nadelholzbestand. Dessen Verbrauch liegt mittlerweile schon um bis zu 15 Prozent über der natürlichen Nachwachsrate. Wissenschaftler schlagen Alarm. Sie warnen vor einem „Raubbau am Forst“ und dem „Ausverkauf der Ressource Wald.“

Die Holzbaubranche war also gespannt, die PK gut besucht. Der Pressetext, der nach der PK versendet wurde, vermeldet unter anderem: „Eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung für eine 50-jährige Lebensdauer von Gebäuden hat jetzt ergeben, dass Holz als Baumaterial nicht ökologischer ist als Stein – dafür aber teurer.“ Erstellt wurde diese Nachhaltigkeitsbewertung vom LCEE-Beratungsinstitut (Life Cycle Engineering Experts), einem Spin-off der TU Darmstadt.

Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf die Aussagen der DGfM eingehen, bitte lesen Sie dazu diesen Beitrag oder die BAUEN MIT HOLZ 3.2017, in der wir die Aussagen der DGfM umfassender und die Erwiderung der Holzbaubranche im Detail darstellen. Sagen möchte ich aber jetzt hier, dass ich dieses explizite Vorgehen der Vertreter einer Bauweise gegen eine andere Bauweise ziemlich einzigartig finde.

In den mehr als 15 Jahren, die ich als Fachjournalist in der Baubranche tätig bin, habe ich oft erlebt, dass Branchenvertreter die Vorzüge ihrer Produkte, ihrer Bauweisen, ihrer Institutionen etc. sehr positiv darstellen, mitunter auch über den grünen Klee loben. Und natürlich gibt es aus der Holzbranche Berechnungen, die sagen „unsere Bauweise ist nachhaltiger als der Mauerwerksbau, weil...“ Aber dass man auf einer allgemeinen Baumesse, in der sich die Akteure und Produkte dem Markt und dem Wettbewerb stellen, so deutlich gegen die Argumente eines Mitbewerbers polemisiert, habe ich bisher noch nicht erlebt.

Auch die Emotionalisierung der Diskussion durch Verwendung solcher Formulierungen wie „Wissenschaftler schlagen Alarm“, „Raubbau am Forst“, „Ausverkauf der Ressource Wald“ und „Kahlschlag“ ist mir in dieser Form neu. Aber, eins hat diese Maßnahme erreicht: Sie erzeugt Aufmerksamkeit und bringt die DGfM mit ihren Thesen „in die Presse“ und in die Diskussion. Allerdings ist es ein gravierender Unterschied im Austausch der Argumente, ob man sagt „Wir sind gut, weil...“ oder ob man sagt, „die anderen sind schlecht, weil...“

zuletzt editiert am 09. Dezember 2025
Newsletter