Die fertige Halle besteht aus zwei Strängen an BSH-Unterzügen mit 44 x 251 cm, die sich aus jeweils vier Stück auf die Gesamtlänge von 121 m aufteilen. (Quelle: Daniela Bunu)

Technik

1. July 2022 | Teilen auf:

Lübeck: Holz für den Hafen

Der Lübecker Hafen baut bei der Erstellung seiner neuen Logistikhalle auf Holz. Rubner Holzbau zeichnete dabei für die Statik des Holzbaus, Werksplanung, Produktion, Transport und Montage verantwortlich.

Das stetig gestiegene Warenaufkommen und der damit einhergehende Bedarf an zusätzlichen Lager- und Umschlagsflächen hat die Betreibergesellschaft des Skandinavienkais dazu veranlasst, die Errichtung einer zusätzlichen Logistikhalle mit mehr als 12.000 m2 Dach-Grundfläche (121 x 101 m) zu beauftragen. Generalunternehmer für die Lübeck Hafengesellschaft war das Bauunternehmen August Prien, die Planung des Projekts wurde von der peter + jan gröpper Architektur- und Planungs-GmbH aus Lübeck durchgeführt. Rubner Holzbau zeichnete für die Statik des Holzbaus, Werksplanung, Produktion, Transport und Montage verantwortlich. Die Halle wurde von Anfang an so projektiert, dass sie in Zukunft bei Bedarf auf eine Fläche von 15.000 m2 erweitert werden kann, ohne während der Bauarbeiten den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Für solche Anforderungen erweist sich die Holzbauweise einmal mehr als die ideale Lösung, weil die Konstruktion an den Schnittstellen entsprechende Flexibilität aufweist und weiterführende Anschlüsse zulässt.

Erhöhte Brandschutzvorgaben

Die neu errichtete Lagerhalle am Skandinavienkai dient in Zukunft zur Zwischenlagerung von (in Skandinavien) produzierten Papier. Dementsprechend hoch sind die Vorgaben an den Brandschutz. Zusätzlich zum speziell für die Lagerhallen entwickelten Löschkonzept mit separater Pumpanlage für große Wassermengen aus der naheliegenden Trave bietet der Baustoff Holz einen sehr hohen natürlichen Feuerwiderstand. Denn im Falle eines Brandes entsteht an der Außenschicht des Holzes eine verkohlte Schicht, die einen tiefergehenden Verbrennungsprozess verlangsamt oder sogar verhindert. Die Abbrandgeschwindigkeit und damit die Tragfähigkeitsdauer einer Holzkonstruktion lässt sich auf diese Weise zuverlässig vorausberechnen – ein wesentlicher Vorteil für die Einsatzkräfte. Da die neue Halle als Lagerfläche für Papier konzipiert ist, wurden von offizieller Seite die baurechtlichen Anforderungen verschärft. Sämtliche Unterzugträger mussten den Brandschutzstandard R90, alle Fischbauch- und Satteldachträger R60 erfüllen.

Herausfordernde Transportlogistik

Für die Tragkonstruktion der neuen Logistikhalle am Lübecker Hafen wurden von Rubner Holzbau insgesamt 1.425 m3 Brettschichtholz im Werk in Ober-Grafendorf vorgefertigt und verarbeitet. Diese Materialmenge erfordert eine präzise Logistik und enge zeitliche Abstimmung zwischen den Produktions-, Transport- und Montageteams vor Ort. Aufgrund der Dimensionen der Fischbauchträger mit 43,5 m und 28 m Länge sowie der Satteldachträger mit einer Länge von 27 m und Lasten zwischen 12 und 22 t pro Träger war der Transport per LKW auf der Straße wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die großdimensionierten Elemente mit einem Gesamtvolumen von rund 1.000 m3 wurden schließlich auf dem Schiffsweg vom Rhenus Donauhafen Krems bis zum Hafen in Lübeck verbracht. Da die Entladestelle des Schiffes rund zwei Kilometer vom Skandinavienkai entfernt war, mussten die Hauptträger schließlich per LKW-Spezialtransport aufs Baufeld gebracht werden. Die vier Unterzugsträger wurden vor Ort am Boden zu einer Gesamtlänge von mehr als 60 m miteinander verbunden und anschließend mittels zwei Mobilkränen auf die vorgesehen Stützen hochgehoben. Die fertige Halle besteht aus zwei Strängen an BSH-Unterzügen mit 44 x 251 cm, die sich aus jeweils vier Stück auf die Gesamtlänge von 121 m aufteilen. Die Montage der 42 Hauptträger, sechs Unterzugsträger sowie Stützen und Wandriegel benötigte die vorab veranschlagten sechs Wochen. 

Stärken der Holzbauweise

„Projekte dieser Größenordnung sind immer eine Herausforderung – sowohl in der Produktion als auch beim Transport zum Zielort. In diesem Fall konnten wir praktischerweise den Wasserweg wählen, um die längsten und schwersten Trägerelemente zeit- und kosteneffizient zu transportieren. Die nun errichtete Halle spielt vor Ort ihre Stärken voll aus. Der Baustoff Holz macht es möglich, beeindruckende Spannweite zu realisieren, ohne wertvolle Lagerflächen durch unterbrechende Stützpfeiler zu verlieren. Wie bereits bei anderen Großprojekten eröffnet die Holzbauweise auch am Skandinavienkai die Möglichkeit, das Objekt bei Bedarf ohne konstruktiven Mehraufwand im Bestand und Vollbetrieb zu erweitern,“ so Ing. Anton Wanas, Prokurist bei Rubner Holzbau und für den internationalen Vertrieb verantwortlich.

zuletzt editiert am 01.07.2022