Der Brettsperrholzmarkt boomt. Was dringend fehlt, ist eine Norm, die das Produkt einheitlich regelt. Derzeit produziert jeder Hersteller noch mit eigenen Abmessungen. Die Marktübersicht gibt einen Überblick über die Produkte.
Brettsperrholz ist zweifellos ein neues Produkt, das rasant Marktfelder für den Holzbau erschlossen und erobert hat. Strukturelle Ähnlichkeiten mit der im Volksmund so genannten "Filigranplatten-Betonbauweise" sind unverkennbar: werkseitig weitgehend vorgefertigt, hauptsächlich einachsig Biegung- und Normalbeanspruchung abtragend eingesetzt, mit Scheibenwirkung über Fugen hinweg, Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit in Grenzen an die Bauaufgabe anpassbar, ohne das System zu verlassen, verschiedene Oberflächenqualitäten wählbar, an den Rändern in Grenzen gestaltbar, Fugenausrüstungen in verschiedenen Varianten möglich, industrialisiert mit hohem Individualisierungsgrad allgemein und kurzfristig verfügbar.
Beide Produkte bewerben sich vor allem im Wohnbau um die gleichen Marktsegmente: Flachdecken und tragende Wände. Beide Produkte sind im Wohnbau nur mit zusätzlichen, ähnlichen Ausrüstungen verwendbar.
Die marktprägenden Eigenheiten sind:
"Filigranplatten":
allgemeines Sprachverständnis; jeder versteht unter "Filigranplatte" = "Großflächenplatte mit nachträglich ergänzter Ortbetonschicht";
in der Breite als Standardbauweise etabliert;
es gibt ein allgemeines, zutreffendes Verständnis des Bausystems der
Beteiligten im gesamten Bauprozess;
herstellerunabhängige Berechenbarkeit;
herstellerunabhängige Definitionen von Formaten und sonstigen Ausprägungen in allgemeinen Grenzen der Branche;
Problemlose Einordnung in die Planungsgewohnheiten.
BSP (Brettsperrholz):
viele Begriffe, die dasselbe meinen, kein allgemeines Sprachverständnis
(man sucht aktuell nach einem allgemeinen Namen!);
in der Breite befindet sich der Werkstoff in der Markterschließungsphase;
kein allgemeines, zutreffendes Verständnis der Beteiligten im gesamten Bauprozess,
keine herstellerunabhängige Berechenbarkeit;
keine herstellerunabhängigen, kostenneutralen Definitionen von Formaten und sonstigen Ausprägungen in allgemeinen Grenzen der Branche;
keine problemlose Einordnung in die allgemeinen Planungsgewohnheiten.
Der Werkstoff heißt beispielsweise KLH, HMS, CLT, FLEXcross, Leno, MM-BSP, um nur einige Namen zu nennen, und jeder Namensgeber meint damit bezogen auf eine übliche Bauwerksplanung grundsätzlich auch tatsächlich etwas anderes. Das mittlerweile beinahe namenlose Brettzeug ist aus Sicht des normalen Planers abschreckend diffus. Es ist ein Werkstoff, der grundsätzlich attraktiv ist (schön, universell für tragende Flächenbildungen einsetzbar, wirtschaftlich), der jedoch keine für allgemeine Planungen wirtschaftlich gut verwendbare Ordnung hat.
Hersteller nehmen die Planung nicht komplett ab Die Anbieter irren wahrscheinlich, wenn sie meinen, dass ihre technischen Services dem Planer die Umarbeitung auf die jeweils anbietereigenen Ordnungen problemlos abnehmen. Das tun sie nicht. Der Service plant keine komplett fertigen Entwicklungen eines Gebäudes in Höhe und Grundriss bis hin zu Fassade und Treppen um auf "ihr System". Es kommt einem vor, als wenn zehn Hersteller zugleich Markt für ihre, sehr ähnlichen, Reifen machen wollen, indem alle Autos für die eigenen Reifen bis zum Differential umgeplant werden müssen und dann nur mit diesen Reifen verwendbar sind. Die neue Branche der Anbieter von, ja was, vielleicht "kreuzlagig verbundenen Brettern ohne allgemein nutzbare Eigenheiten", wird sich überlegen müssen, ob ihr Verhalten die Marktgewinnung eines hervorragenden Produkts befördert.
Die aufgebauten Produktionskapazitäten gehen wohl aktuell noch davon aus, dass mit bis auf den i-Tupf verschieden definierten Produkten ein jeder speziell seinen speziellen Massenmarkt gewinnt. Nach dem Vergleichsmotto "Nur mit einem für unsere Reifen geplanten Auto fahren sie gut!".
Stora Enso hat beim Internationalen Holzbauforum öffentlich erkennen lassen, dass tiefer in die Beteiligung an der Planung eingestiegen werden soll, wie, wurde nicht zu erkennen gegeben. Genauso wie kein Auto nach den Reifen xy entworfen und gebaut wird, entwirft und plant kein ordentlicher Architekt oder Statiker ohne Vorteilsnahme ein Gebäude nach der Ordnung des einen Brettzeug-Herstellers xy. Es geht nicht um viel: Standarddicken wären ein sehr großer Fortschritt, und Standardverbindungen mit nach DIN 1052 klassifizierten Mitteln! Dickenabhängige effektive Querschnittflächen, Widerstandsmomente, teifigkeitswerte und Knickbeiwerte mit "VonbisAngaben" wären allgemein sehr gut brauchbar. Die Anbieter können, ähnlich beim Beton, dann ja immer noch jonglieren mit ihren Schichtenaufbauten und den Festigkeitsklassen und den Fugen und den Plattenflächen. Wesentlich für die Marktdurchsetzung großer Absatzmengen ist die Breite der Akzeptanz. Es kommt für den Holzbau insgesamt nicht auf drei Millimeter Holz mehr oder weniger an, wenn die wenigen Millimeter an zusätzlichen Aufwänden für die Planung das Zigfache von dem verschlingen, was sie kosten.
Der kleine Unterschied verursacht großen Planungsaufwand
Bauarten, die ihre Erträge nutzlos verschlingen, lieben die Planer nicht. Das lassen sie den Bauherrn auch indirekt wissen ("Wir haben damit schlechte Erfahrungen gemacht!" heißt doch zuerst "Damit wollen wir nicht planen, verlange das bitte nicht von uns, lieber Bauherr!". Ob die Erfahrungen mit den Planungserträgen schlecht waren oder mit dem Produkt, sagt das nicht aus!). Wenn mit Brettsperrholz so einfach zu planen ginge wie mit "Filigranplatten", würde es von den Planern geliebt. Das wäre zu machen, theoretisch zumindest. Brettsperrholz hat bei allen entsprechend viele Unterschiede, die bezüglich der Werkstoffeigenschaften gering sind, aber bezüglich der Auswirkung auf die Planung so groß, dass es abschreckend ist. Im Vergleich zu Filigranplatten wäre das dort so, als wenn jeder Anbieter mit einem eigenen, speziellen Beton, speziellem Bewehrungsstahl und spezieller Maßordnung anbieten würde.
In der selbst gegebenen namenlosen Branche der kreuzlagig verleimten Werkstoffe aus Holzbrettern vermutet offenkundig jeder Anbieter, dass ein gewagter Vergleich ein Planer freudig seine gesamte Gebäudeplanung auf ein neuartiges innovatives Waschbecken umarbeitet, weil dieses Waschbecken nur zusammen mit einem speziellen Abwassersystem bis hin zum Kanal funktioniert. Die Anbieter dieses vielnamigen Produkts aus überkreuz verklebten Brettern, scheinen intensiv daran zu glauben, dass ihre Serviceleistungen bis hin zum CNC-Abbund der Platten sämtliche Hemmnisse aus den Individualitäten der Angebote erfolgreich kompensiert, nach dem Motto: "Die Planung übernehmen ja kostenlos wir!"
Die folgende Marktübersicht beruht auf den Angaben der Hersteller. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Klaus Fritzen und Angela Trinkert
Dipl.-Ing. (FH) Klaus Fritzen ist Herausgeber im Bruderverlag. Dipl.-Ing. (FH) und Zimmerin Angela Trinkert ist Redakteurin der Zeitschriften BAUEN MIT HOLZ und DER ZIMMERMANN.
