Die Stadt Oberhausen investierte viel Geld, um ihre Lehrschwimmbecken grundlegend zu sanieren. Mit DISKO schuf die Stadt dabei ein Vorzeigeprojekt für den Klimaschutz. Unter anderem kam Stroh als Dämmmaterial zum Einsatz.
Zahlreiche Schwimmbäder sind in den 1960er- bis 1980er-Jahren in Deutschland gebaut worden. Ob in Ost oder West: In nahezu jeder Kommune gab es die Möglichkeit, Schwimmen zu lernen und Spaß im Wasser zu haben. Viele Schulen verfügten nicht nur über Turnhallen, sondern auch über Lehrschwimmbecken. Im 21. Jahrhundert angekommen, sind die Hallen renovierungsbedürftig oder schlimmstenfalls bereits geschlossen und abgerissen.
In Oberhausen stehen sieben von der Stadt betriebene, an Schulen angegliederte, öffentliche Lehrschwimmbäder. Errichtet wurden die Schwimmbäder Anfang der 1960er-Jahre. Zu der Zeit florierte in Oberhausen die Industrie, die Stadtkasse war gut gefüllt. Die Lehrschwimmbäder haben den Strukturwandel überlebt und werden laut Stadtverwaltung rege genutzt.
Wie in vielen andere deutschen Gemeinden erfolgten aufgrund klammer Kassen irgendwann nur noch die notwendigsten Reparaturen, der Zustand der Schwimmbäder verschlechterte sich zusehends. Veraltete Technik und ausgediente ungedämmte Gebäudehüllen trieben den Energieverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß in die Höhe.
DISKO wurde bewilligt
2018 bewarb sich die Stadt um eine Förderung für die Sanierung der Lehrschwimmbäder bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Dafür wurden vom Land NRW Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung bereitgestellt, um in den Kommunen die CO2-Emissionen zu verringen.
2020 wurde die Förderung bewilligt und die Stadt Oberhausen erhielt für die Sanierung der Lehrschwimmbäder eine Förderung von 90 Prozent der Baukosten, insgesamt 8,1 Millionen Euro. Mit dem Eigenanteil der Stadt in Höhe von 900.000 Euro standen somit neun Millionen Euro für die energetische Sanierung der Lehrschwimmbäder zur Verfügung. Das sogenannte DISKO-Projekt konnte damit umgesetzt werden. DISKO steht für Digitalisierung als Schlüssel zum Klimaschutz – intelligentes Energiemanagement von Lehrschwimmbecken – Das Oberhausener Modell. Die Servicebetriebe der Stadt Oberhausen beauftragen mit der Objekt- und Ausführungsplanung der Sanierungen das Architekturbüro baugestalt aus Köln.
Mit sieben Maßnahmen, die in unterschiedlicher Kombination an den Standorten umgesetzt werden, sollte der CO2-Verbrauch der Schwimmbäder reduziert werden:
- Digitalisierung: Die Technik der Lehrschwimmbäder wird weitgehend automatisiert und kann zukünftig aus der Ferne überwacht und gesteuert werden.
- Solarthermie: Die Heizung des Bade- und Duschwassers in den Schwimmbädern wird bald durch Sonnenenergie unterstützt.
- Wärmedämmung: Die Gebäude werden fast klimaneutral mit Stroh gedämmt. Alte Fenster und Glasbausteinwände werden durch neue, dreifach verglaste Fenster ersetzt.
- Belüftung: Effiziente Technologien wie Wärmerückgewinnung und Umluft sorgen für ein gesundes Raumklima und sparen Energie.
- Dachbegrünung: Extensive Dachbegrünung speichert nach der Sanierung Starkregen und trägt zur Kühlung des Umfelds bei.
- LED-Beleuchtung: Energiesparend, langlebig und hell – die Beleuchtung wird auf LED umgerüstet.
- Schwimmbadtechnik: Vorhandene Umwälzpumpen werden durch Hocheffizienzpumpen mit Frequenzumrichtern und einer innovativen Wärmerückgewinnung ersetzt.
Holzrahmenbauelemente mit Stroh gefüllt

Die Fassade sowie das Dach von fünf der sieben Hallenbäder erhielten eine Strohballendämmung. Damit handelt es sich nach Angaben der Stadt Oberhausen um eines der größten Strohbauprojekte in ganz Europa. Die Wände aller fünf Hallen, die mit den Holz-Stroh-Elementen energetisch saniert wurden, sind gemauert oder aus Stahlbeton gegossen. Dank der Dämmung konnten die U-Werte der Wände auf 0,126 bis 0,127 W/(m²K) gesenkt werden, was dem Passivhausstandard entspricht. Die Wände wurden zudem mit einer Bekleidung aus Lärchenholzschalung bekleidet.
Die Sanierung verlief seriell. Das Unternehmen Lorenz aus Taucha in Sachsen fertigte die Holzrahmenbauelemente vor und füllte sie mit Strohballen. Die Lorenz GmbH hat sich auf die Herstellung von vorgefertigten Holz-Stroh-Elementen spezialisiert und bietet fünf verschiedene Module mit unterschiedlichen Dicken und Dämmeigenschaften an. Für die Wanddämmung der Schwimmhallen wurden größtenteils die Module DD 34 mit einer Dicke von 34 cm genutzt. Die Elemente werden vorkonfiguriert auf Maß zur Baustelle geliefert. Öffnungen für Fenster, Türen und Durchdringungen sind bereits integriert.
Die Strohballen werden entsprechend der ETA-17/0247 „Baustroh – Wärmedämmstoff aus Strohballen“ gefertigt. Das Baustroh, laut Hersteller aus regionaler Herkunft, wird zu Kleinballen mit einer Rohdichte von ρ = 100 kg/m³ und einem Nennwert der Wärmeleitfähigkeit von λ D = 0,048 W(mK) gepresst. Wichtig ist dabei, dass die Halme senkrecht zum Wärmestrom ausgerichtet sind. Die fertigen Strohballen werden in Holzrahmen maschinell stramm sitzend eingebaut. Die Fachungsbreite der Module entspricht mit 62,5 cm dem im Holzrahmenbau geläufigen Rastermaß. Querstäbe aus Fichte sorgen im Abstand von 44 cm dafür, dass die Stiele nicht ausknicken. Das spezifische Gewicht beträgt etwa 38 kg/m². Dank einer maschinellen Rasur bilden Stroh und Holz eine plane Oberfläche, fertig zum Verplanken oder zum Verputzen.
Weitere Brandschutzmaßnahmen an Wänden nicht notwendig
Je nach Erfordernis erfolgt, nachdem die Module verbaut sind, ein weiterer Wandaufbau, um die Feuerwiderstandsklasse F30 oder F90 zu erhalten. Dafür müssen die Bestimmungen des allgemeinem bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses P-3048/817/08-MPA BS beachtet werden.
In diesem Fall bestehen jedoch keine weiteren Brandschutzanforderungen an die Außenwände. Die Gebäude sind in Gebäudeklasse 3 eingestuft. Die Außenwände der Bestandsgebäude bestehen aus massivem Mauerwerk oder Stahlbeton und werden nachträglich von außen energetisch ertüchtigt. Auch wenn dafür ein Wärmedämmstoff aus Stroh verwendet wird, dessen Brandverhalten der Leistungsklasse E (normalentflammbar) entspricht, ist eine Brandausbreitung auf und in den Außenwänden dank des Bestands in Mineralbauweise ausreichend lang begrenzt. Damit werden die Außenwände laut dem Brandschutzgutachten auch nach der energetischen Sanierung die vorgenannten Anforderungen erfüllen. Brandschürzen mussten ebenfalls nicht umgesetzt werden.
Elemente stehen auf Tragbalken


Die fertigen Elemente wurden vor der Witterung geschützt in einem geschlossenen Lkw nach Oberhausen transportiert. Die Montage übernahm die Zimmerei Winkels aus Oberhausen. Die Zimmerleute verankerten an den Wänden Tragbalken, auf die sie die Dämmodule stellten. Die Tragbalken liegen wiederum auf quadratischen Hohlprofilen, die in einem Abstand von 2,0 m aus der Wand herausstehen und mithilfe von Stirnplatten und Bolzenankern in den Wänden verankert sind. Darüber werden die Einwirkungen in die Bestandswand eingeleitet. Die Tragbalken sind im Abstand von 63 cm mit Winkelverbindern an die bestehenden Wände angeschlossen. Nachdem Einheben befestigten die Zimmerleute die Module am Bestand mit Winkelverbindern und Verbundankern. Für einen Verbund untereinander sorgen Vollgewindeschrauben, die in Rähm und Schwellen eingedreht wurden.
Mit Stopfhanf und Holzweichfaserplatten stellten die Zimmerleute sicher, dass die Elemente nicht von Luft hinterströmt und Unregelmäßigkeiten im Bestand ausgeglichen werden. Auch die schmalen Hohlräume der Stöße zwischen den Elementen wurdsen mit Stopfhanf gefüllt.
Nach außen erfolgte der weitere Aufbau folgendermaßen:
- 4 cm dicke Holzweichfaserplatte
- 3 cm Konterlattung
- 4 cm Traglattung
- 2 cm Bodenschalung Lärche – vertikal
- 2 cm Deckelschalung Lärche – vertikal
Detailausbildungen sind durchdacht
Die Oberkante des Sockels wurde 30 cm über Oberkante des Geländes (GOK) gesetzt. Lediglich dort, wo Lichtschächte eingesetzt wurden, liegt sie nur 20 cm über GOK. Die Einwirkung durch Spritzwasser und Bodenfeuchte ist im Lichtschachtbereich gering. Die Entwässerung erfolgt über den Lichtschacht.

Die Dachabschlüsse wurden bei den Flachdächern mit Attika und bei den leicht geneigten Dächern mit Rinne ausgeführt. Im letzteren Fall wurden die Wandelemente bis Unterkante Altdach geführt. Dort wo die Wände an ein Flachdach stoßen, wurden sie höher gezogen, damit oberhalb von ihnen die Attika gesetzt werden konnte.
Die Bestandsdächer wurden vor Ort mit Einblasstroh gedämmt. Das lose Dämmmaterial schmiegte sich besser an die Unebenheiten der bestehenden Dachflächen an und erwies sich damit als technisch sicherere und wirtschaftlichere Lösung. Dafür setzte die Zimmerei hohle Elemente auf die Dächer und blies sie anschließend aus. Die alte Bitumenabdichtung verblieb und übernimmt nun die Aufgabe einer Dampfsperre. Bei beiden Dachformen wird Feuchte über Entlüftungsebenen abgeführt.

Amortisierung der Primärenergie ging schnell
Aufgrund des niedrigen Energiebedarfs bei Herstellung und Ausführung der Strohdämmung hat sich der Primärenergieeinsatz bereits nach wenigen Wochen Betriebszeit amortisiert. Jeder Quadratmeter Strohdämmung reduziert den Energieverbrauch um 37 kWh. Laut der Stadt Oberhausen ermöglicht das umgesetzte DISKO-Projekt eine Einsparung von rund 6.600.000 kWh/a, was etwa acht Prozent des Gesamtverbrauchs der Stadt Oberhausen entspricht. Auch die Ökobilanz der Strohdämmung kann sich sehen lassen: Ein Quadratmeter der eingesetzten Module speichert etwa 60 kg CO2. Sicherlich können sich weitere Kommunen von diesem Vorzeigeprojekt inspirieren lassen, damit Schwimmkurse, DLRG und Wasserballett eine Zukunft haben.