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Ein Zimmererklatsch darf nicht fehlen, wenn die Zimmerer in der Öffentlichkeit auftreten. Bild: BAUEN MIT HOLZ

Termine 2013-05-24T00:00:00Z Mit Herz und Verstand

Beim vierten Bundeskongress setzten Dachdecker und Zimmerer Anfang Mai in Freiburg auf einen bewährten Mix: Neben Fachvorträgen aus Technik und Unternehmensführung nutzten die Gewerke die Gelegenheit, sich mit einer Aktion für Kinder positiv in Szene zu setzen.

Wer zu Gast ist, bringt ein Geschenk mit. Unter diesem Motto machten Zimmerer und Dachdecker bereits vor dem offiziellen Beginn des vierten Bundeskongresses in Freiburg deutlich, wie sie im Breisgau auftreten wollten. Rund um den Rathausplatz hatten sich die Handwerker zu einer öffentlichen Kundgebung versammelt, in deren Mittelpunkt die Verlosung eines Spielhäuschens für einen Freiburger Kindergarten stand. Die Spannung unter den anwesenden Eltern und Kindern stieg, bis der Freiburger Bürgermeister Dieter Salomon das Los zog und ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider unter lautem Jubel die Gewinner bekannt gab.

Aufeinander hören, miteinander handeln

Der eigentliche Bundeskongress startete am folgenden Tag im Freiburger Konzerthaus mit einer Podiumsdiskussion, moderiert von Konstantin von Teuffel, Direktor Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die beiden Verbandspräsidenten Ullrich Huth (Holzbau Deutschland) und Karl-Heinz Schneider diskutierten mit Dipl.-Ing. Rainer Schülle, Geschäftsführer der Energieagentur Regio Freiburg, und Professor Martin Haag, Baubürgermeister der Stadt Freiburg, über die "Energiewende und umweltgerechtes Bauen". Freiburg gilt als Vorzeigestadt im Hinblick auf energiesparendes Bauen. Dennoch betonten Rainer Schülle und Professor Martin Haag, wie wichtig es sei, noch mehr fossile Energie einzusparen. Den Gebäudeenergiebedarf zu senken ist ein Hauptaufgabenbereich des Zimmerer- und Dachdeckerhandwerks. Vor allem im Bereich Dämmung, Ausbau und Sanierung kommt das Fachwissen der beiden Gewerke zum Tragen. Huth und Schneider appellierten gemeinsam an Forschung und Wissenschaft, umweltschonende Energiegewinnung und -nutzung voranzutreiben.

Ein Orchester ist kein Töpferkurs

Im voll besetzten Konzertsaal gab der Dirigent und Coach Christian Gansch anschließend schwungvolle Anregungen, was Unternehmen von Orchestern lernen können. Auch in Orchestern, so Gansch, zähle zunächst das Handwerk, dann die Präzision und zuletzt die Disziplin. Emotionalität sei nur die Wirkung auf das Publikum. Professionalität und Zuverlässigkeit seien ebenfalls verbindende Elemente von Handwerk und Orchester: "Ein Orchester ist kein Töpferkurs, sondern eine Aneinanderreihung von komplizierten Prozessen. Wenn die fertig sind, muss alles gut aussehen. Das sieht bei Ihren Arbeitsprozessen nicht anders aus." Christian Gansch unterhielt die Gäste außerdem mit Einspielungen seiner musikalischen Inszenierungen. Sein Credo: Aufeinander hören, miteinander handeln, damit das Ergebnis Publikum oder Kunden begeistert.

Nach dem gemeinsam bestrittenen Auftakt hatten die knapp 400 Kongressteilnehmer die Wahl. Neben Vorträgen zu Fachtechnik und Unternehmensführung hatten Interessierte auch die Gelegenheit, ein Praxisbeispiel unter die Lupe zu nehmen: Die Baustelle des "Hauses der Bauern" griff mit der Bauweise als Passivhaus und durchgängiger Konstruktion aus Holz viele der aktuell diskutierten Themen auf (mehr dazu bald in der BAUEN MIT HOLZ).

Den Bauch berücksichtigen

"Stellen Sie Zwischenfragen, bestätigen Sie das Gehörte, fassen Sie das Gesagte zusammen, hören Sie aktiv hin, achten Sie auf eine offene Körperhaltung, halten Sie Blickkontakt und machen Sie ein freundliches Gesicht", so die Quintessenz von Karl Erdle, Dozent für Marketing, Vertrieb und Personalführung, über das emotionale Verkaufen, die Kunst der emotionalen Kommunikation. "Werden Sie nicht zu emotional, bleiben Sie authentisch", sein weiterer Rat. Viele Abschlüsse scheiterten nicht an fehlenden oder falschen Eigenschaften der Produkte, sondern daran, dass keine positiven Emotionen beim Kunden geweckt wurden. Fast 100 Prozent der Kaufentscheidung fällt der Kunde über sein Bauchgefühl, "deshalb ist es wichtig, dass der potenzielle Kunde Sie mag", so Erdle. Ähnlich argumentierte Jose Flume, Managementtrainerin für Führung und Motivation. Laut ihr lassen sich Kommunikationsstrategien entwickeln, die das Herz und den Verstand des potenziellen Kunden erreichen.

Markus Langenbach und Laura Westerhoff

zuletzt editiert am 04. August 2021
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