Mobiler Anhängerkran
Bei diesem Anhängerkran ermöglicht eine variable Stützensteuerung die Aufstellung der Stützen unabhängig voneinander in verschiedenen Winkeln. (Quelle: Böcker Maschinenwerke GmbH)

Technik

29. September 2022 | Teilen auf:

Kran sicher aufstellen

Auf fast jeder Baustelle ist ein Kran vor Ort, um schwere und sperrige Lasten zu transportieren. Beim Aufbau von Auto- und Anhängerkranen ist einiges zu beachten, damit sicher und unfallfrei gearbeitet werden kann.

Werden ortsveränderliche Krane wie Auto- oder Anhängerkrane auf der Baustelle aufgebaut, stehen Standfestigkeit und Sicherheit mit an erster Stelle. Für den Aufbau ist neben der Unfallverhütungsvorschrift „DGUV Vorschrift 52: Krane“ immer auch die Betriebsanleitung oder Montageanweisung des Herstellers zu beachten.

Eine wesentliche Voraussetzung für das sichere Aufstellen des Krans ist ein fester und verdichteter Untergrund. Der Untergrund ist auf seine Tragfähigkeit zu prüfen und die zulässige Bodenpressung mit dem Bodendruck abzugleichen, der durch das Krangewicht und die angehängte Last entsteht. Um den Druck gleichmäßig auf den Boden zu verteilen, vergrößern Platten unter jeder Kranstütze die Abstützfläche. Die Abstützplatten müssen dazu vollflächig auf einem ebenmäßigen Untergrund aufliegen.

Zur Bestimmung des Bodendrucks geben die Hersteller im Allgemeinen in der Betriebsanleitung und an jeder Kranstütze die maximale Stützkraft an. Aus der Stützkraft und der Stützfläche lässt sich der maximal wirkende Stützdruck ableiten (Berechnung siehe Kasten). Hält der Boden dem maximalen Druck nicht stand, schaffen größere Abstützplatten Abhilfe, um den Druck auf eine größere Fläche zu verteilen.

Als weiterer Faktor muss vor dem Aufstellen des Krans die Neigung des Geländes geprüft und beim Aufbau ausgeglichen werden. Daneben spielen die Wetterbedingungen vor Ort eine Rolle, insbesondere die Windgeschwindigkeiten. Beispielsweise definiert der Kranhersteller Böcker aus Sicherheitsgründen eine Obergrenze von 45 km/h, je nach Stützenstellung liegt die zulässige Windgeschwindigkeit auch unter diesem Wert. Grenzen für den Einsatz eines Krans bei Windeinwirkung gibt der Kranhersteller in der Betriebsanleitung – gegebenenfalls auch in der Tragfähigkeitstabelle – an.

Abstände einhalten

Bei der Auswahl des Aufstellorts ist zudem zu beachten, dass sich keine Stromleitungen in unmittelbarer Nähe befinden. Die DGUV Vorschrift 52 gibt in § 39 Mindestabstände an und definiert in Abhängigkeit von der Netz-Nennspannung Schutzabstände von 1,0 m (bei bis zu 1 kV) bis 4,0 m (bei über 110 bis 220 kV).

Berechnung des Stützdrucks

Formel

Stützkraft (N) / Stützfläche der Kranstütze (cm²) = Bodendruck (N/cm²)

Beispiel

Die Stützkraft und die Stützfläche geben die Hersteller im Allgemeinen in der Montageanweisung oder Betriebsanleitung an.

Stützkraft = 65.000 N
Stützfläche = 40 ∙ 40 cm = 1.600 cm²

65.000 N / 1.600 cm² = 40,63 N/cm²

Dann muss überprüft werden, ob die Beschaffenheit des Bodens dem Stützdruck von 40,63 N/cm² standhält. Beispiele für Tragfähigkeitsangaben von Untergründen finden sich oft in der Betriebsanleitung des Krans. Grundsätzlich ist die Beurteilung des Untergrunds Aufgabe der zuständigen Bauleitung oder des Bauingenieurbüros.

Beispielsweise kann für üblichen Asphalt auf Gehwegen oder auch für halbfesten, bindigen Boden eine zulässige Flächenpressung von etwa 20 bis 22 N/cm² angenommen werden. Die Stützfläche von 1.600 cm² wäre dann nicht ausreichend.

Erforderliche Stützfläche:

65.000 N / 20 N/cm² = 3.250 cm²

Die Stützfläche müsste 3.250 cm² betragen. Das entspricht einer Stützplatte mit einer Abmessung von mindestens 57 cm je Seite.

Bei unbekannter Netzspannung ist ein Schutzabstand von 5,0 m einzuhalten. Zwischen sich bewegenden Teilen des Krans und festen Teilen der Umgebung wie Bauwerk, Gerüst, Materialstapel muss ein Abstand von mindestens 0,50 m bestehen bleiben. Auch bei Böschungen und Hängen ist ein Sicherheitsabstand zu wahren.

Mobiler Autokran
Die Stützbalken dieses Autokrans können stufenlosausgefahren werden. Dadurch lässt sich der Kran auchin engen Baustellen und trotz Treppen oder unebenenGeländes sicher aufstellen. (Quelle: Klaas Service- und Vertriebs GmbH)

Schon bei Wahl des Aufstellorts ist sicherzustellen, dass sich im späteren Betrieb keine Personen oder Gegenstände im Drehbereich des Krans befinden. Dabei müssen insbesondere die Straßenführung und der Fußgängerverkehr beachten werden. Zudem gehört eine ordnungs- und sachgemäße Absperrung und Sicherung des Arbeitsbereichs zu den zwingenden Voraussetzungen. Dabei sind regionale Sonderregelungen zu prüfen und im Vorfeld ggf. Genehmigungen einzuholen.

Hersteller entwickeln stetig weiter

Verschiedene Unternehmen entwickelten die Abstützsysteme ihrer Krane weiter, um die Standsicherheit zu optimieren. Beim Abstützsystem des Krananbieters Klaas können vier Stützbalken paarweise oder auch einzeln ausgefahren werden, ohne dass eine vorgegebene Rasterung einschränkt. Hindernisse wie Gerüste oder Hecken lassen sich so umbauen. Auch bei unebenem Gelände, Treppen oder Bordsteinkanten wird eine gleichbleibend große Abstützfläche ermöglicht. Je nach Kranmodell ist das vordere Stützenpaar als V- oder H-Abstützung konstruiert. Die elektronische Aufbauautomatik ermöglicht einen Aufbau und die Nivellierung der Stützen über die Fernbedienung. Der Stützendruck wird während des Aufbaus sowie im Kranbetrieb überwacht und über die Fernbedienung angezeigt. Nur wenn alle vier Stützen einen gleichmäßig hohen Druck haben, sind alle Kranfunktionen aktiviert.

Bei unzureichendem Stützendruck erfolgt automatisch eine Sicherheitsabschaltung.

Auch die von Böcker entwickelte Stützentechnik soll ermöglichen, die einzelnen Kranstützen der Autokrane unabhängig voneinander in definierten Stellungen auszufahren. So sind einseitig abgestützt beispielsweise Arbeiten bei laufendem Straßenverkehr möglich. Eine vollvariable Stützensteuerung der Anhängerkrane erlaubt laut Hersteller die Aufstellung der Stützen unabhängig voneinander in verschiedenen Winkeln, sodass der Kran auch bei beeng-ten Platzverhältnissen und neben Hindernissen aufgebaut werden kann. Bei Modellen mit schwenk- und klappbaren Stützen können die Stützen beim Aufbau einfach an Hindernissen vorbei oder darüber hinweg geschwenkt werden. Dank einer Autonivellierungsfunktion der Abstützung fahren alle vier Stützen selbstständig aus und nivellieren das Gerät vollautomatisch.

zuletzt editiert am 17.02.2022