Um dem Hochwasser des österreichischen Wildwasserflusses Salza zu entgehen, ständerten die Planer das hölzerne Jugendcamp einfach auf. Tritt das Wasser über die Ufer, umspült es, wie bei einer Landungsbrücke, die Beton-Stützen. Wir nennen Details zur Brettsperrholz-Konstruktion.
Dem Wildwasserzentrum in der kleinen Ortschaft Wildalpen an der Salza fehlte es an Unterbringungsmöglichkeiten. Also beschlossen die Betreiber, die Naturfreunde Österreichs, den vorhandenen Campingplatz um ein Gruppenhaus zu erweitern. Die Architekten von Holzbox Tirol ZT Gmbh planten ihnen das Gebäude aus Brettsperrholz. Camp Wildalpen, das nun als Unterkunft für Paddler und Rafter dient, ist eines von sechs teils erst geplanten, teils schon realisierten Jugendcamps im Rahmen des Projektes Leader+, eine von der EU und dem Land Steiermark geförderte Maßnahme, um ländliche Regionen zu unterstützen. Es besteht aus sechs Modulen, fünf Appartments für je sechs Personen und einem Gemeinschaftsraum.
Das Gebäude wurde als Modulraumbau, zusammengesetzt aus werkseitig vorgefertigten Einheiten, projektiert. Aufgrund der schmalen Bergstraßen konnte das Holzbauunternehmen Strobl die Boxen nicht als Ganzes
anliefern, so dass die Zimmerer es dann großteils handwerklich vor Ort errichteten. Das Tragwerk ist dennoch für den Modulbau uneingeschränkt geeignet geblieben. Die Trennwände zwischen den Appartments sind
aus großformatigen Brettsperrholzplatten des österreichischen Herstellers KLH ausgebildet und wirken somit als wandartige Träger, an die die Bodenplatten aufgehängt und auf die die Deckenplatten gelegt werden. Somit
tragen diese 94 mm dicken Längswände aus dreilagigen Brettsperrholzplatten, deren 34 mm dicke Mittellage horizontal liegt, die vertikalen Lasten alleine ab. Sie sind punktförmig auf die Betonstützen gelagert. Nur das Gemeinschaftsraummodul steht auf dem betonierten Techniksockel auf, kragt aber flussseitig ebenso aus. Diese Auskragung ist dank der Wandscheiben ohne großen Mehraufwand möglich.
Das Obergeschoss erinnert an den punktgelagerten Überbau einer See- oder Landungsbrücke, die einseitig auf dem räumlich unverschieblichen Widerlagerblock aus Stahlbeton lagert. Das Erdgeschoss bleibt bis auf diesen betonierten Technik- und Trockenraum frei. Dieser bildet mit einer Kombination aus Treppe und Sitzstufen auch
den Hauptzugang zu den Laubengängen im Obergeschoss. Dieser Zugangssteg ist eine Pfostenkonstruktion aus Lärchenholz, gelagert auf auskragenden I-Profilen, welche an den BSP-Wandscheiben befestigt sind.
Die Queraussteifung der Boxen übernehmen zwei kurze Querscheiben, die Abschlusswände für den Sanitärbereich. Diese Querscheiben wirken im Zusammenhang mit den Boden- und Deckenplatten. Damit können die durch die Horizontalkräfte (Erdbeben, Wind) entstehenden vertikalen Kräfte direkt in die Längswände geleitet werden. Ein Aussteifungsrahmen oder ein Windverband ist somit nicht notwendig, so dass die Architekten die Außenwände der Module über die ganze Raumbreite offen nur mit einer Verglasung gestalten konnten.
Im Innenraum sind die 35 m² großen Module recht einfach gehalten. An den Außenfassaden liegen die Schlafkojen, die sich durch Schiebetüren von dem offen gehaltenen Raum abtrennen lassen. Jalousien schützen vor Sonne und unerwünschten Einblicken. In der Mitte eines jeden Wohnmoduls sind Nasszellen und freistehende Küchenelemente angeordnet. Durch die in der Tiefe offene Bauweise wird das Gefühl, auf einer Brücke zu sitzen, zusätzlich verstärkt.

Längswände stehen direkt auf den Säulen
Die Struktur des Tragwerks erinnert ebenfalls an eine Seebrücke. Über den paarig gereihten, unten eingespannten Stahlbetonstützen liegen die Längswände, die die Zimmer untergliedern, wie Joche als Primärtragwerk. Hier sind sie jedoch nicht unter der Gehbahn angeordnet, sondern darüber und tragen zugleich das Dach. Modular gedacht sind die Felder zwischen den Stützenpaaren nur über die Stützenköpfe verbunden, jedoch nicht über die Gehbahn oder über das Dach. Auch dieses Prinzip entspricht der Bauweise von Seebrücken. Gewisse Verschieblichkeiten von Stützenpaar zu Stützenpaar sind dabei elastisch berücksichtigt, da sich die Sekundärtragwerke zwischen den Jochen relativ zueinander in Grenzen schadlos bewegen können. So auch hier, nur dass die Felder zwischen
den Längswänden nicht aus Längsträgern, Gehbelag und Verbänden, sondern aus Platten bestehen, die die drei Funktionen vereinen. Sämtliche Tragwerksteile der Raummodule bestehen aus Brettsperrholz und sind daher in der Lage, die allgegenwärtigen zweioder dreiachsig wirkenden Beanspruchungen abtragen zu können.
Die Längswände lagern unmittelbar auf den Stützen. Sollte sich eine Stütze senken, verwindet sich die darüber liegende Raumzelle. Das System ist gegenüber Stützensenkungen sogar recht empfindlich. Da durch die Aufstockung die Stützen und die Unterseite der Raummodule zugänglich sind, lassen sich, falls sich tatsächlich mal eine Stütze absenkt, eventuelle Verwindungen einfach beheben. Die Längswände schwimmen auf unbewehrten Elastomerlagern. Diese können einen Anteil der vertikalen Lasten auch horizontal übertragen, wodurch sie sich gering verformen. Die Lager sitzen auf Auflagerplatten, die mit einer Toleranz von fünf Millimetern zu den Bodenplatten eingebaut sind. Verschieben sich die Raumzellen um mehr als fünf Millimeter, die Ursache dafür können sehr hohe Windkräfte sein, kontaktieren die Bodenplatte der Zellen die Stahlteile, die Kraft wird dann direkt über den Druckkontakt übertragen. Im Normalfall bleiben die Module aber elastisch komplett getrennt, womit die Schalnebenwege unterbunden werden. Zudem schützen die Elastomerauflager bei Hochwasser vor aufsteigender Feuchte.
Der Gehweg ist mit den Modulen direkt verbunden, Relativverschiebungen können nicht vorkommen. Die Verschiebungen zwischen den Modulen in horizontaler Richtung sind durch die Koppelungen an der Unterseite unterbunden. Die vertikalen Differenzverschiebungen zwischen den Modulen sind aufgrund der steifen Wandscheiben so minimal, dass diese vernachlässigt werden können.
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in BAUEN MIT HOLZ Ausgabe 09/2008.
Klaus Fritzen und Angela Trinkert
Dipl.-Ing. (FH) Klaus Fritzen ist Herausgeber im Bruderverlag. Dipl.-Ing. (FH) und Zimmerin Angela Trinkert ist Redakteurin der Zeitschriften BAUEN MIT HOLZ und DER ZIMMERMANN.