Ein Handwerker läuft auf der frisch verlegten Holz-Dachplatte eines Rohbaus aus Holzständern, umgeben von einem Baugerüst auf einer Baustelle.
Kerto LVL Platten für Dach- und Deckenkonstruktionen erreichen laut Hersteller eine Feuerwiderstandsklasse von REI 30. Standardisierte Breiten und individuelle Längen sollen einen geringen Verschnitt und eine vergleichsweise schnelle Montage ermöglichen. (Quelle: Metsä Wood)

Technik 2026-09-21T08:57:05.229Z Neues Rückgrat für alte Gebäude

Bei der Sanierung im Bestand werden vorhandene Tragstrukturen weitergenutzt, anstatt sie zu ersetzen. Leichte und steife Bauteile aus Furnierschichtholz (LVL), etwa Kerto LVL von Metsä Wood, ermöglichen es, Decken zu ertüchtigen, Dachtragwerke zu erneuern oder zusätzliche Geschosse aufzusetzen, ohne Fundamente und Stützen zusätzlich stark zu belasten. Ein hoher Vorfertigungsgrad erlaubt es, auch komplexere Eingriffe in kurzen Bauphasen umzusetzen – teilweise bei weiterlaufendem Gebäudebetrieb. So lassen sich bestehende Gebäude konstruktiv ertüchtigen und für eine weitere Nutzungsphase vorbereiten.

Der Gebäudebestand rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Planung. Energieeffizienz, graue Emissionen und knappe Flächen sprechen dafür, vorhandene Bauten konstruktiv weiterzunutzen, statt sie zu ersetzen. Für Architekten und Tragwerksplaner stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie sich bestehende Tragstrukturen sanieren, ergänzen oder überbauen lassen, ohne deren statische und konstruktive Grenzen zu überschreiten. Im Bestand zählt jedes Kilogramm, und viele ältere Gebäude sind nicht auf zusätzliche Lasten ausgelegt oder nur eingeschränkt nachweisbar.

Chance für tragende Sanierungen

Furnierschichtholz (LVL), etwa Kerto LVL von Metsä Wood, verbindet als industriell gefertigter Holzwerkstoff ein geringes Eigengewicht mit hoher Tragfähigkeit und Steifigkeit. Damit sollen sich Decken und Dachtragwerke mit schlanken Querschnitten realisieren lassen, die vorhandene Fundamente und Stützen vergleichsweise wenig zusätzlich beanspruchen. Geschossdecken können ertüchtigt werden, indem neue Träger und Platten aufliegend integriert werden; geschwächte Holz- oder Stahlprofile lassen sich ersetzen, ohne das Eigengewicht deutlich zu erhöhen. Die schlanken Querschnitte ermöglichen zudem größere Spannweiten bei geringer Bauhöhe, was insbesondere in Bestandsräumen mit begrenzter lichter Höhe relevant sein kann. So entstehen Tragstrukturen, die sich konstruktiv in das bestehende System einfügen, statt es grundlegend zu verändern.

Ein Blick in den Rohbau eines Dachgeschosses während der Sanierung, bei dem eine neue tragende Holzkonstruktion (Balkendecke) installiert wird und die Dachschrägen mit Stützstempeln gesichert sind.
Im Dachraum übernimmt ein neues Tragwerk aus Kerto LVL die Lasten, während die historische Substanz erhalten bleibt. (Quelle: Metsä Wood)

Aufstockung: Verdichtung auf vorhandenen Fundamenten

Das Potenzial zeigt sich besonders bei Aufstockungen. Zusätzliche Geschosse im innerstädtischen Kontext oder auf sensiblen Bestandsbauten erfordern leichte Konstruktionen, klar definierte Lastpfade und einen Bauablauf, der den laufenden Betrieb möglichst wenig beeinträchtigt. LVL-Werkstoffe eignen sich für vorgefertigte Decken- und Wandelemente, die auf bestehende Stützen- und Fundamentstrukturen aufgesetzt werden können. Die Kombination aus schlanken Trägern und flächigen Platten ermöglicht tragfähige, vibrationsarme Deckenkonstruktionen, die sowohl in reinen Holzbauten als auch in Holz-Stahl-Hybriden eingesetzt werden. Übergänge zwischen vorhandenen Decken und neuer Holzkonstruktion können konstruktiv so ausgebildet werden, dass Lasten geordnet in den Bestand eingeleitet werden, ohne umfangreiche Verstärkungsmaßnahmen im Unterbau auszulösen. Für die Planung ergeben sich dadurch Möglichkeiten, zusätzliche Wohn- oder Nutzflächen zu schaffen, ohne den Bestand vollständig neu konzipieren zu müssen.

Innenansicht einer modernen Holzkonstruktion eines Dachstuhls während der Sanierung, mit sichtbaren Holzbalken, großen Dachfenstern und einem Gerüst im Hintergrund.
Mit Kerto LVL wurde ein historisches Hallenbad konstruktiv erneuert: Schlanke Holztragwerke überspannen das Becken, stärken die bestehende Struktur und eröffnen Spielräume für eine zeitgemäße Nutzung des Bestands. (Quelle: insevia GmbH / Metsä Wood)

Dach- und Hallensanierung mit großen Spannweiten

Viele Sanierungsprojekte betreffen Dächer und große Innenräume: Bäder, Hallen, Gewerbebauten oder Bildungseinrichtungen benötigen weit gespannte Tragwerke, die sich in vorhandene Mauerwerks- oder Stahlbetonstrukturen einbinden lassen. Furnierschichtholz kommt hier als Träger, Hohlkastenelement oder Platte zum Einsatz. Geschädigte Dachtragwerke können durch neue Binder und Träger ersetzt werden, die aufgrund des hohen E-Moduls auch bei größeren Spannweiten mit moderaten Querschnitten auskommen. Großformatige Dach- und Deckenelemente lassen sich mit hohem Vorfertigungsgrad herstellen und auf der Baustelle in vergleichsweise kurzer Zeit montieren. In feuchte- oder chemisch belasteten Bereichen, in denen Stahl einem erhöhten Korrosionsrisiko ausgesetzt ist, stellt der Holzwerkstoff eine korrosionsfreie Alternative dar. Die Maßhaltigkeit und Formstabilität industriell gefertigter Elemente erleichtert die Einpassung in komplexe Geometrien und die Anbindung an begrenzte Anschlusspunkte im Bestand.

Ein modern eingerichtetes Büro mit einer markanten, sichtbaren Holzbalkendecke und integrierten Dachfenstern, die den Raum hell und einladend gestalten. Im Vordergrund befindet sich ein Konferenztisch mit dunklen Stühlen, im Hintergrund sind weitere Arbeitsplätze und große Fenster zu sehen.
Sanierung im Bestand mit Kerto LVL: Von der Ertüchtigung bestehender Decken über erneuerte Dachtragwerke bis hin zu Aufstockungen wird der Baukörper konstruktiv weiterentwickelt. Furnierschichtholz bildet dabei die tragende Grundlage. (Quelle: Steffen Spitzner)

Vorfertigung als Schlüssel im laufenden Betrieb

Sanierungen im Bestand finden häufig unter laufender Nutzung statt: Hochschulen, Bäder, Schulen oder Wohnanlagen können meist nur abschnittsweise gesperrt werden. Bauabläufe müssen daher präzise getaktet sein, mit kurzen Eingriffszeiten sowie klar definierter Logistik und Krannutzung. Ein hoher Vorfertigungsgrad, wie ihn LVL-Bauteile ermöglichen, kann solche Prozesse unterstützen. Träger- und Plattenelemente werden werkseitig passgenau auf die geprüften Bestandsmaße abgestimmt, einschließlich Aussparungen und Anschlussdetails. Auf der Baustelle beschränkt sich die Arbeit weitgehend auf Montagevorgänge, was die Eingriffszeit reduziert und den Bedarf an Lagerflächen verringert, da die Elemente just in time angeliefert und direkt versetzt werden können. Statische Eingriffe – etwa der Austausch kompletter Wand- oder Dachelemente – lassen sich so in Bauphasen organisieren, in denen das Gebäude temporär über alternative Lastpfade gesichert ist. Für die Planung bedeutet dies, dass Standsicherheit, Witterungsschutz und Aufrechterhaltung der Nutzung in klar strukturierten Sequenzen aufeinander abgestimmt werden können. Laut Herstellerangaben besteht Kerto LVL aus nordischer Fichte, ist wasserfest verklebt und bleibt auch nach vollständiger Durchfeuchtung formstabil; nach der Rücktrocknung könne die nächste Bauteilschicht ohne Einschränkungen aufgebracht werden. Dies kann bei unvorhersehbaren Sanierungs- und Umbaumaßnahmen zusätzliche Sicherheit bieten.

Sanierung als Weiterbauen in der Struktur

Sanieren im Holzbau bedeutet heute mehr, als schadhafte Bauteile zu ersetzen. Es geht darum, bestehende Strukturen konstruktiv weiterzudenken und gleichzeitig die architektonische Identität zu bewahren. Furnierschichtholz vereint geringes Gewicht, Tragfähigkeit, Maßhaltigkeit und Vorfertigungsfähigkeit – Eigenschaften, die sich insbesondere im Bestand nutzen lassen. Laut Herstellerangaben lässt sich der Holzbedarf mit Kerto LVL im Vergleich zu Brettschichtholz (BSH/GL) oder Konstruktionsvollholz (KVH) um rund 25 bis 35 Prozent reduzieren – bei vergleichbarer Tragfähigkeit und Leistung. Dies kann den Bauablauf beschleunigen, Logistik und Montage auf der Baustelle sowie den manuellen Transport der Elemente vereinfachen und in vielen Fällen den Einsatz kürzerer Verbindungsmittel ermöglichen. Zudem bieten die Paneele nach Herstellerangaben einen hohen Grad an Maßflexibilität, etwa mit Plattenstärken von 27, 39 oder 45 Millimetern als kundenspezifisch konfigurierbare Lösung.

zuletzt editiert am 21. September 2026
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