Das Reißbrett ist aus modernen Planungsbüros verschwunden. Längst haben leistungsfähige Rechner und große Bildschirme seinen Platz eingenommen. Jedoch hängt ihre nutzbare Leistung stark von der richtigen Software ab. Für die Planung im Holzbau gibt es am Markt zahlreiche Lösungen.
Als große Vorteile des Holzbaus gelten der hohe Vorfertigungsgrad und die damit verbundene wetterunabhängige Herstellung von Gebäudeelementen in geschlossenen Hallen. Daraus folgen dann hohe Bauqualität und kurze Fertigungszeiten. Allerdings setzt dies voraus, dass der Planer das Gebäude vor Baubeginn komplett geplant haben muss. Er muss es zu Ende gedacht haben, bevor der Zimmerer den ersten Balken unter die Säge oder in die Abbundanlage schiebt. Dies wiederum erfordert vom Planer detailliertes holzbauspezifisches Wissen für eine genaue Planung.
Für die genaue Planung bietet der Markt heutzutage spezielle Software-Lösungen, und es scheinen keine Wünsche offenzu- bleiben. Geht man allerdings auf die Suche nach einer geeigneten Software für die Planung im Holzbau, wird selbst so manch erfahrener alter Hase im Planungsgeschäft an seine Grenzen stoßen: Die Hersteller bieten komplexe CAD-Lösungen mit zahlreichen Modulen. Alle diese Systeme haben ihre Eigenheiten, und die ideale Software für alle Nutzer scheint es nicht zu geben.
Vor der Entscheidung für eine Software sollte sich der planende Architekt genau überlegen, welche Anforderungen er an eine Software eigentlich stellt. Dafür sollte er sich seine Arbeitsabläufe verdeutlichen und sich fragen, bis zu welchem Detaillierungsgrad er arbeiten möchte, bevor er die Daten an den Fertigungsbetrieb übergibt. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass zwischen Entwurfs- und Ausführungsplanung noch die Statik stattfindet. Je nachdem, wie sich das Gebäude in Grund- und Aufriss darstellt, kann es hier durchaus zu erheblichen Differenzen kommen. So kann beispielsweise eine Firststütze, die im Obergeschoss ohne Weiteres in der Flurwand zwischen den beiden Kinderzimmertüren verschwindet, erhebliche Auswirkungen auf die darunter liegende Decke haben, wenn ihre Last dort nicht in eine Wand oder Stütze eingeleitet wird. Im Massivbau findet man an solchen Stellen häufig einen hochbewehrten Deckenbereich oder gar einen deckengleich eingebauten Stahlträger. Im Holzbau sind dann oft höhere Träger erforderlich. Wichtig für die effiziente Nutzung einer Planungssoftware sind auch die Schnittstellen zu anderen Programmen. So bieten einige Hersteller beispielsweise die Übergabemöglichkeit von Materiallisten an Excel an. Oder es können Ausschreibungstexte erstellt werden, die wiederum mit Kostenwerten verknüpft werden können. Ein weiteres Kriterium ist die bereits im Unternehmen befindliche Software: So bieten einige Hersteller unabhängige Komplettlösungen, andere hingegen setzten auf gängiger Planungssoftware wie beispielsweise AutoCAD oder AutoCAD Architecture auf. Wenn der Planer sich seine Bedürfnisse verdeutlich hat, ist es ratsam, sich von den verschiedenen Herstellern direkt beraten zu lassen. Die Hersteller von spezieller Holzbausoftware beschäftigen im Gegensatz zu den Herstellern von Massensoftware normalerweise branchenerfahrene Fachleute, die schon am Telefon eine fundierte Beratung anbieten. Dennoch sollte sich der Planer bei der Entscheidung Zeit nehmen und sich in Ruhe in die komplexe Materie aus CAD, CNC, CAM, BIM und was es sonst noch alles gibt einarbeiten. Und er sollte sich von dem Gedanken freimachen, dass beim Bau von Holzbauten eine völlige Automatisierung möglich wäre. Jedes Haus ist letztlich individuell zu betrachten, und selbst die großen Fertighaushersteller haben sich von dem Bau von Stangenware entfernt. Automatisierung gibt es erst in der Abbundanlage. Auf der Baustelle ist dann wieder Handarbeit für das Zusammensetzen angesagt.
Herstellerübersicht: Große Auswahl mit unterschiedlichen Ansätzen
Bentley Systems Europe B.V.
Bentley speedikon HouseBuilder ist eine Planungssoftware, die speziell auf die Vertriebsunterstützung im System- und Fertighausbau angepasst ist und für den Verkauf von System- und Fertighäusern eingesetzt wird. Sie ermöglicht die Übergabe von Entwurfsdaten an die weitere Projektabwicklung. Das Unternehmen Bentley hat seinen Haupsitz in den USA.
cadwork informatik AG
Die cadwork informatik AG wurde 1988, nach Abschluss eines CAD-Forschungsprojektes an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne, gegründet. 1992 kam in Hildesheim ein zweites Entwicklungszentrum dazu. Mittlerweile gibt es international insgesamt 18 Niederlassungen. Durchgängigkeit von der Planung bis zur Produktion, hohe Flexibilität und einfache Handhabung das sind wesentliche Eigenschaften, die das 3D-CAD/CAM-System cadwork auszeichnen. Die Software-Spezialisten konzipieren Ihre Anwendungen für alle Bereiche des Holzbaus.
DataCad Software und Service GmbH
DataCAD ist ein Programm für den architektonischen Entwurf mit photorealistischer Darstellung, Animation und Baudokumentation. Der Hersteller bietet außerdem ein Modul für den Holzbau an, in dem Holzbauteile in 3D generiert werden können. Es ist möglich, die benötigten Massen berechnen zu lassen.
Dietrich''s Datenverarbeitung für Handel und Produktion AG
Das Unternehmen existiert seit 1982 und bietet mittlerweile ein umfangreiches Softwarepaket für die Planung und Abwicklung von Holzbauten an. So stehen Module für die Eingabeplanung, die Kalkulation oder auch für die Arbeitsvorbereitung zur Verfügung. Mit den Ausgabedaten können nach eigener Aussage sämtliche CNC-gesteuerten Abbundmaschinen angesteuert werden.
hsbCAD
Das Holzbauprogramm hsbCAD wurde im Jahr 1988 als AutoCAD- bzw. AutoCAD-Architecture-Applikation entwickelt und diente anfangs zur automatisierten Planung und Arbeitsvorbereitung im Holzrahmenbau. Später kamen weitere Module für Dach- und Deckenelemente hinzu. Nach und nach bauten die Entwickler das System zu einer umfangreichen Gesamtlösung für den gesamten Planungsprozess aus. Die hsb-Gruppe gehört mittlerweile zur ITW-Gruppe.
Kempter GmbH
Mit BauCAD *K+R* bietet die Kempter Gmbh seit 1987 Bausoftware für Architektur- und Ingieurbüros auf der Basis von AutoCAD an. Dabei stehen der architektonische Entwurf und die Übergabe an den Fachingenieur im Vordergrund. Ein spezialisiertes Holzbaubaumodul ist nicht verfügbar. Jedoch lassen sich durchaus Dachvolumina berechnen oder Dachausmittlungen durchführen.
Megatech Software GmbH
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Oldenburg wurde 1985 gegründet. Es bietet mit seiner Software MegaCAD neben Branchenlösungen für den Maschinenbau auch CAD-Lösungen für Architekten und Ingenieure. In der Produktpalette befindet sich unter anderem ein Holzbaumodul, mit dem neben der Planung von Holzbauten auch die Ansteuerung von Abbundanlagen möglich ist.
Nemetschek Deutschland GmbH
Der Konzern mit Sitz in München wurde bereits 1963 gegründet und gilt heutzutage als einer der weltweit führenden Anbieter von Software für Architekten und Ingenieure. Mit Allplan hat das Unternehmen eine Software im Programm, die unter anderem auch ein Holzbaumodul für die Planung, Fertigung und die Maschinenansteuerung im Holzbau enthält. Die Anwendung verknüpft Massivbau und Holzbau in einem integrierten System.
Reico Gesellschaft für Organisationsinnovation im Archtitekturbüro mbH
Mit Cadder bietet das 1980 gegründete Unternehmen eine 3D-Planungssoftware, in die auf Wunsch auch ein Holzbaumodul integriert werden kann. Es bietet die üblichen Ausgabeformate und liefert zahlreiche Ausgabedaten wie Nutzflächen nach DIN 277, ein Raumbuch, eine Baukostenberechnung oder auch Holz- und Stücklisten.
S&S Datentechnik für den Holzbau GmbH
Das Unternehmen wurde 1986 gegründet und stellte zunächst ein EDV-Programm für den Dachabbund zur Verfügung. Später kamen Zusatzmodule für den Holzrahmenbau und den Blockhausbau dazu. Mittlerweile bietet der Softwarehersteller zahlreiche Softwaremodule für den Dach- und Holzbau an. Unter anderem finden sich in der Produktpalette auch Softwarelösungen für Architekten und Bauingenieure, mit denen sich komplette Häuser planen lassen.
SEMA GmbH
Der Softwarehersteller aus Wildpoldsried ist seit Anfang der 80er-Jahre am Softwaremarkt aktiv. Zunächst programmierten die Mitarbeiter Abbundroutinen zur Ansteuerung von Abbundmaschinen. Daraus entwickelte sich ein komplexes CAD-System, das mittlerweile auch für die Planung und dreidimensionale Visualisierung von Bauprojekten eingesetzt werden kann. Es bietet zahlreiche Schnittstellen und liefert bei Bedarf abbundfertige Daten. Durch die Übergabe der Daten an andere Softwaresysteme sind außerdem statische und bauphysikalische Nachweise möglich.
