Gold Wohnüberbauung Maiengasse in Basel: Der neue Wohnhof: Ein 'Möglichkeitsfeld' für das ganze Quartier. Quelle: Kuster Frey
Gold Wohnüberbauung Maiengasse in Basel: Der neue Wohnhof: Ein "Möglichkeitsfeld" für das ganze Quartier. Quelle: Kuster Frey

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06. October 2021 | Teilen auf:

Prix Lignum 2021: Schweizer Bestleistungen mit Holz geehrt

Alle drei Jahre zeichnet der Prix Lignum die besten neuen Arbeiten mit Holz aus – vom Möbel über den Innenausbau bis zur ganzen Wohnsiedlung. Unter 15 Rängen aus fünf Grossregionen vergibt die Jury drei nationale Preise:

Gold, Silber und Bronze. Gold geht 2021 an die virtuose Wohnüberbauung Maiengasse in Basel, Silber an das beispielhaft nachhaltig konzipierte Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen in Salez. Bronze holt sich eine Aufstockung in Vevey, die zum Wegweiser für ein ganzes Quartier wird. Ein genial einfaches Möbel und ein mehrfach gelungener Innenausbau erhalten den erstmals durchgeführten Sonderpreis Schreiner. Zukunftsweisende Arbeiten mit Holz bekannt machen, das ist das Ziel des Prix Lignum. Der Preis wird in diesem Jahr zum fünften Mal seit 2009 gesamtschweizerisch verliehen. Zugelassen waren Bauwerke, Innenausbauten, Möbel und Kunstwerke aus der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein, die zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. März 2021 fertiggestellt wurden. Auf dem nationalen Podest des Prix Lignum stehen diesmal eine wegweisende innerstädtische Verdichtung, ein klug konzipierter Low-Tech-Bau und eine Erweiterung, die geschickt neue Werte in einem alten Quartier schafft.

Gold | Virtuose Logik – Wohnüberbauung Maiengasse in Basel

Gold Wohnüberbauung Maiengasse in Basel: Blick aus der Maiengasse in den Hof Quelle: Kuster Frey
Gold Wohnüberbauung Maiengasse in Basel: Ein Haus aus Holz gefügt: In Konstruktion, Fassade und Detail. Quelle: Kuster Frey
Puffer und Kommunikationszone: Der Aussenbereich der Erdgeschosswohnungen hofseits. Quelle: Kuster Frey

Der Ersatzneubau an der Maiengasse in Basel von Esch Sintzel Architekten (Zürich) bringt den Holzbau in mehrerlei Hinsicht entscheidend weiter. Er verdichtet die Stadt und schafft angemessene öffentliche Räume und Wegverbindungen. Die Siedlung führt Holz auf überzeugende Weise in ein städtisches Umfeld ein, wo in Zukunft viel mit dem Material gebaut wird. Daneben sind die soziale Durchmischung und bezahlbarer Wohnraum ebenso wichtige Aspekte.

Die Architekten setzen Holz auf allen Ebenen als tragendes und prägendes Baumaterial ein. Ihr Entwurf nimmt Bezug auf die vergangene Werkhofwelt, bildet aber eine eigene, atmosphärisch dichte Sprache aus. Die virtuose Komposition entstammt der Logik des Holzbaus. Die präzisen Schwellenräume zeigen im Detail eine sichere Hand. Die sichtbaren Balkendecken ermöglichen luftig hohe Räume und beeinflussen das Wohngefühl wesentlich. Digital gefräste Details senken die Kosten und erhöhen die gestalterischen Möglichkeiten.

Die Siedlung ist fast ausschliesslich mit Holz gebaut. Diese vielteilige und feinfühlige Konstruktion steht für eine neue Frische im Schweizer Holzbau. Das Projekt weist die Branche in die Zukunft, von der Materialherkunft über den Städtebau und die Konstruktion bis zum Umgang mit Farbe. In all diesen Bereichen spielt das Holz die Hauptrolle.

  • Bauherrschaft: Immobilien Basel-Stadt, Basel
  • Architekt: Esch Sintzel GmbH, Architekten ETH BSA SIA, Zürich
  • Holzbauer: HUSNER AG Holzbau, Frick
  • Holzbauingenieur: EBP Schweiz AG, Zürich
  • Schmid Landschaftsarchitekten GmbH (Landschaftsarchitektur) , Zürich. Büro für Bauökonomie AG (Baumanagement) , Basel. BWS Bauphysik AG (Bauphysik) , Winterthur. Bachofner GmbH (Brandschutz) , Frümsen. Architektur & Farbe, Andrea Burkhard (Farbberatung), Zürich.

Silber | Clevere Einfachheit – das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen in Salez

Eingebettet in die Landschaft. Quelle: Seraina Wirz, Zürich
Blick in die Landschaft. Quelle: Seraina Wirz, Zürich
Haupteingang des Landwirtschaftliches Zentrum St.Gallen in Salez. Quelle: Seraina Wirz, Zürich
Ausschnitt der Südfassade. Quelle: Seraina Wirz, Zürich

Das Gebäude des Architekten Andy Senn (St. Gallen) ist ein Leuchtturmprojekt des ökologischen Bauens. Es schliesst das Ensemble städtebaulich überzeugend ab und gibt den Boden des Vorgängerbaus dem Ackerbau zurück. Statt auf automatisierte Technik setzt der Low-Tech-Bau auf natürliche Mechanismen und Materialien. Das spart graue Energie und passt hervorragend zur guten Ökobilanz eines Holzbaus.

Das Haus nutzt die Vorteile von Holz auf allen Ebenen aus, von der Struktur im Grundriss bis zur Stimmung in den Räumen. Daneben zelebriert der Bau andere Naturbaustoffe wie Lehm oder Kasein. Die reduzierte Architektur trumpft nicht auf mit gestalterischen Kapriolen, sondern mit kluger Funktionalität, genauen Details und hohen Räumen. Der Holzbau ist sorgfältig geplant und ausgeführt. Die eigens entworfenen Klapptische führen dessen handwerkliche Präzision in der Schreinerarbeit fort. Das Kunst-am-Bau-Projekt lässt die traditionelle Schindelkunst hochleben.

Die vielen angehenden Bauern und Bäuerinnen lernen in Salez, wie ressourcenschonend man heute mit Holz bauen kann, und nehmen diesen Eindruck mit nach Hause. So hilft das Gebäude, das Bauen im ländlichen Raum mit dem nachwachsenden Material zu stärken. Ein Gewinn für die Architektur und für die Landschaft, in der diese meist prägend steht

  • Bauherrschaft: Kanton St.Gallen, vertreten durch das Hochbauamt des Kantons St.Gallen, Thomas Widmer, St.GallenHolzbauingenieur:merz kley partner ag, Konrad Merz, AltenrheinEgeter & Tinner AG, René Tinner, Haag. Schreiner: Schreinerei Stolz, Christoph Stolz, UnterwasserStieger AG, Stefan Willi, Mels. WeitereBauleitung: Bau-Data AG, Cesare De Sanctis, BuchsLandschaftsarchitektur: Mettler Landschaftsarchitektur AG, Rita Mettler, GossauHaustechnikkonzepte, Richard Widmer, WilHaustechnikkonzepte, Hans Schär, Stein AR. Elektrokonzept: Bölle & Partner, Peter Bölle, St.GallenBauphysik: Lenum AG, Martin Zinsli, VaduzBrandschutzplanung: Josef Kolb AG, Josef Kolb, Romanshorn
  • Architekt: Andy Senn Architekt BSA SIA, Andy Senn, St.Gallen
  • Holzbauer Blumer-Lehmann AG, Richard Jussel, Gossau. Abderhalden Holzbau AG, Heinz Abderhalden, Wattwil. Gebrüder Schöb AG, Peter Schöb, Gams. Alpiger Holzbau AG, Reto Göldi, Sennwald. BN Holzbau Bless Norbert AG, Martin Ammann, TscherlachBernhof-Vetsch AG, Hans Vetsch, Frümsen. Düsel Bodenbeläge AG, Mario Düsel, Buchs SG. Etter Fenstertechnik GmbH & Co. AG, Günter Etter, Rosenfeld-Leidringen. Dütschler AG, Hansueli Dütschler, Salez. Bach Heiden AG, Mark Brassel, Wolfhalden.

Bronze | Mehrwert für ein ganzes Quartier – Aufstockung in Vevey

Die Architekten leiten aus dem denkmalgeschützten Bestand  ein Vokabular ab. Quelle: Joël Tettamanti
Auch im Inneren nehmen die Architekten das Thema des Wintergartens auf. Quelle: Joël Tettamanti
Aus dem alten Thema des Dachstuhls entwickeln die  Architekten eine raumfüllende, eigene Sprache. Quelle: Joël Tettamanti

Die Aufstockung von Rapin Saiz Architectes (Vevey) wirkt, als hätte es sie schon immer gegeben. Genauer: Sie macht das Haus besser, als es vorher war. Die Architekten leiten aus dem denkmalgeschützten Bestand ein Vokabular ab, mit dem sie die Geschichte des Hauses weitererzählen. Hinzu kommen Themen, die sie in der Nachbarschaft abgeschaut haben. Das Resultat ist eine Aufstockung, die das Quartier nicht nur baulich, sondern auch baukulturell nachverdichtet.

Auch im Inneren nehmen die Architekten das Thema des Wintergartens auf und spinnen es weiter. Die Teilung und Fügung des Holzbaus gliedern den offenen Raum unter dem Dach. Die Ausführung ist sorgfältig und auf jedes Detail bedacht. Aus dem alten Thema des Dachstuhls entwickeln die Architekten eine raumfüllende, eigene Sprache. So entsteht ein Raum, der den wenigen Platz mit architektonischem Reichtum wettmacht.

Die Strategie ist exemplarisch für viele Aufstockungen in der Schweiz. Sie stärkt die Vorteile des Holzbaus für diese allgegenwärtige Aufgabe, für die der Baustoff Holz prädestiniert ist. Sie beweist, dass die Nachverdichtung ein Gewinn sein kann für alle – die Eigentümer, die Bewohnerinnen und das Quartier. Und sie vereint den Werkstoff Holz mit dem Massivbau, als hätten die beiden schon immer zusammengehört.

  • Architekt: Rapin Saiz Architectes, Vincent Rapin, Vevey
  • Holzbauer: Burgy Sàrl, Pierre-André Burgy, Denges
  • Holzbauingenieur:Ratio Bois Sàrl, Samuel Ballif, Cuarny
  • Schreiner:Wider SA, Morges; la Passion du Bois, Belfaut