Wiederverwendung Historische Baustoffe erneut einzubauen ist insbesondere in der Restauration eine übliche Vorgehensweise und auch eine historische Tradition, um zerstörte Hölzer zu ersetzen. Der Zimmermann hat sich mit zwei Händlern von historischem Bauholz unterhalten, für die Cradle to Cradle – ein Kreislauf, bei dem nichts verloren geht – bereits seit Jahrzehnten selbstverständlich ist.

Der Zimmermann: Herr Rupp, wie kamen Sie dazu, mit historischem Bauholz zu handeln?
Hubert Rupp: Ich bin Zimmermeister und habe 1994 begonnen, Fachwerkhäuser zu sanieren. Damals war es schwierig, originalgetreue Balken und Bretter rechtzeitig und den Anforderungen entsprechend zu erhalten. Deshalb habe ich zunächst jegliches historisches Bauholz, an das ich herankam, für den Eigenbedarf aufbewahrt. Mit der Zeit ist daraus ein eigenständiger Geschäftszweig entstanden.
Herr Knapp, wie war es bei Ihnen?
Thomas Knapp: Die Firma Knapp besteht als Familienbetrieb seit fast 40 Jahren und nun bereits in zweiter Generation. Mein Sohn Ben Staude, gelernter Tischler, ist seit 2020 mit in der Geschäftsführung. Entstanden ist der Betrieb ursprünglich aus Eigenbedarf, als wir unser eigenes Fachwerkhaus restauriert haben. Die Sandsteindachplatten eines Dachs von einem nicht mehr zu erhaltenden Nebengebäude haben wir damals zur Wiederverwendung verkauft, und zwar an das Kloster Corvey in Höxter, das heute Weltkulturerbe der Unesco ist.

Wie kommen Sie an das historische Holz ran?
Thomas Knapp: Wir verarbeiten nur Althölzer aus Rückbauten von historischen Gebäuden. Uns werden Hölzer vor allem von Rückbauunternehmen, aber auch von Zimmereien oder Privatpersonen angeboten, oft auch ganze Häuser. Wir beziehen einen großen Teil unserer Rohware aus einem Umkreis von 200 km. Wir importieren aber auch aus dem europäischen Ausland; der Importanteil liegt zurzeit bei etwa 65 Prozent.
Hubert Rupp: Ich habe mich auf Schwarzwaldhöfe spezialisiert und profitiere von guten Kontakten zur Landwirtschaft im Schwarzwald. Zudem wird mir deutschlandweit Holz aus Rückbauten angeboten. Das Holz muss sehr materialschonend geborgen werden, vieles per Hand. Ein Bagger kommt kaum zum Einsatz, und wenn doch, dann muss die Person, die ihn führt, gut geschult sein. Der Verkauf läuft europaweit.
Mit welchen Holzarten handeln Sie?
Thomas Knapp: Eichenholz ist der Schwerpunkt unseres Betriebs. Fichte, Tanne, Kiefer führen wir auch für einen grundlegenden Bedarf. Da in früheren Zeiten oft mit dem gebaut wurde, was vorhanden war, sind manchmal Ausnahmen wie Sparren aus Buchenholz dabei. In Südosteuropa ist viel mit Ulme gebaut worden, die kommt in Ausnahmefällen ebenfalls vor.
Hubert Rupp: Das ist bei mir ähnlich. Vor allem handele ich mit Fichte und Tanne, aber auch Eiche. Aus Nord- und Ostdeutschland kommt ab und zu Kiefernholz. Ich lagere Fachwerkhölzer wie Riegel, Pfosten, Streben, Rähm oder Schwellen und auch komplette Fachwerkkonstruktionen. Zudem finden sich bei mir Pfetten und Sparren für Dachstühle und Deckenbalken oder vollständige Balkenlagen. Ein großer Schwerpunkt liegt auf dem Handel mit historischen Dielenböden in Fichte/Tanne, Eiche oder Pitch Pine. Diese arbeiten wir originalgetreu mit Nut und Feder oder Stufenfalz auf.
Wir unterteilen die Hölzer nach dem optischen Gesamteindruck in die von uns selbst definierten Qualitätsklassen Standard und Premium.
Thomas Knapp
Bieten Sie unterschiedliche Qualitäten an?
Thomas Knapp: Wir unterteilen die Hölzer nach dem optischen Gesamteindruck in die von uns selbst definierten Qualitätsklassen Standard und Premium. Beide Klassen haben in der Regel vier Originaloberflächen mit Toleranzen von ± 1 cm im Querschnitt. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass Premium deutlich weniger Zapfenlöcher hat und die Balken gerader sind. Beide Klassen können wir auch im Wunschmaß anbieten. Unsere Blockbandsäge macht sehr schöne und saubere Schnitte. Die Kundschaft sägt manchmal gerne selbst zu, weil dann eine höhere Wertschöpfung bei ihnen bleibt. Ansonsten lässt sich noch sagen, dass das Bauholz eine Ausgleichsfeuchte von 20 Prozent hat; das steht auch in der Standardartikelbeschreibung. Für Fensterkanteln muss sie dagegen circa 15 Prozent und für Tischlereien neun Prozent betragen. Dieses Holz wird entsprechend klimatisiert gelagert.
Hubert Rupp: Wir sortieren das Holz nach Holzart, Qualität, Stärke, Länge und Herkunft. Wir haben keine definierten Klassen wie die Firma Knapp. Aber alle Balken durchlaufen den gleichen Prozess, wenn sie auf dem Hof ankommen. Wir reinigen sie, entnageln auf Sicht, schneiden gesund und messen auf. Auf Stirnholzplättchen vermerken wir die Positionsnummer von der Holzliste der Zimmerei, die bestellt hat. So kann die Zimmerei jedes Holz im Stapel direkt ihrer Liste zuordnen. Außerdem werden die Balken beim Zusammenstellen noch gebürstet, dadurch bekommt die Oberfläche ein sehr schönes Erscheinungsbild. Balken, die nicht gereinigt oder entnagelt sind, verkaufe ich nicht. Die Preise richten sich nach Holzart, Qualität, Länge und Querschnitt. Wir schneiden ebenfalls zu. Dann werden die Balken komplett entnagelt und auf das gewünschte Maß per Blockbandsäge zugeschnitten. Das ist ein extra Aufwand und wird berechnet. Dank meiner langen Erfahrung kann ich den Preis pro m³ machen, sodass die Kundschaft weiß, was auf sie zukommt. Alle Balken sind lufttrocken gelagert.


Wie prüfen Sie das Bauholz auf Schädlinge oder auf Schadstoffe?
Hubert Rupp: Bereits vor dem Abbau beschäftigen wir uns mit der Historie des Gebäudes. Hölzer aus Produktionsstätten, in denen Stäube aus Schwermetallen, beispielweise bei der Keramikproduktion, angefallen sind, nehmen wir nicht an. Wenn Unsicherheit besteht, wird eine Schadstoffanalyse gemacht. Insekten und Pilze führen ebenfalls oft dazu, dass wir Holz, das uns angeboten wird, nicht annehmen. Balken, die zu stark vom Hausbock befallen sind, sind für eine Wiederverwendung oft zu sehr zerstört. Normaler Wurmbefall vom Klopfkäfer ist in Weichholz fast immer zu finden und ist meist kein Problem. Holz, das zu stark von Pilzen befallen ist, eignet sich auch nicht als Bauholz, sondern wird zu Brennholz.
Thomas Knapp: Geht es um holzzerstörende Insekten, reicht bei Eiche normalerweise eine Sichtprüfung. Eichenholz wird seltener von tierischen Schädlingen befallen, und wenn doch, dann im Splintholz und nur ganz selten im Kernholz. Zudem liegt es bei uns auch länger und wird beim Sortieren etc. häufiger angefasst. Wenn es befallen werden sollte, sehen wir das Mehl. Nadelholz kommt, bevor es ausgeliefert wird, für drei Tage bei 60 °C in die Wärmekammer, danach ist alles abgestorben. Damit anschließend nichts mehr passieren kann, halten wir die behandelten von den unbehandelten Hölzern fern und haben einen Lagerplatz für das erhitze und einen für das unerhitzte Holz. Pilze sieht man in der Regel, dafür reicht eine optische Prüfung aus. Und selbst wenn mal ein holzschädigender Pilz übersehen wird, auch dieser stirbt in der Wärmekammer ab. Ich möchte noch anmerken, dass viele Privatkunden, die das Holz beispielsweise für die Inneneinrichtung nutzen möchten, Wurmlöcher als dekorativ empfinden, sofern die Würmer nicht mehr leben.
Hubert Rupp: Auch bei uns kommt das Holz, bevor es wieder eingebaut wird, in die Wärmekammer. Die Kerntemperatur des Holzes muss mindestens zwei Stunden lang 60 °C betragen, das kann je nach Querschnitt drei Tage oder auch nur 1,5 Tage dauern. Die Wärmebehandlung machen wir, kurz bevor wir ausliefern, damit die Möglichkeit eines Wiederbefalls unterbunden wird. Wir bieten auch Holz an, das einst geflößt wurde. Weil im Wasser ein Großteil der Nährstoffe ausgespült worden ist, mögen die Insekten es nicht so gerne. Genauso ist es mit Rauchholz, also Holz, das durch Feuerstellen in den Gebäuden durchräuchert wurde; auch das wird von Holzschädlingen eher gemieden.
Bereits vor dem Abbau beschäftigen wir uns mit der Historie des Gebäudes.
Hubert Rupp
Wenn Holz konstruktiv, also für tragende oder aussteifende Zwecke, eingesetzt wird, muss es nach DIN 4074 „Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit“ sortiert sein. Wie ist das bei historischen Hölzern? Ermitteln Sie Festigkeit und Tragfähigkeit?
Hubert Rupp: Die Kriterien nach DIN 4074 sind auf historisches Holz nicht so leicht übertragbar. Das Holz ist bereits bearbeitet, hat Zapfenlöcher oder eine konische Form. Aber gesundes ausgebautes Holz hat bereits Jahrzehnte oder Jahrhunderte gehalten und wird die Tragfähigkeit auch weiterhin beibehalten. Das Statikbüro gibt Abmessungen vor. Zusammen mit der Zimmerei, die das Holz verarbeitet, schaue ich, ob vorhandene traditionelle Holzverbindungen den Querschnitt zu sehr schwächen. In der Regel wird aus einem ehemaligen Deckenbalken wieder ein Deckenbalken und aus einem ehemaligen Sparren wieder ein Sparren. Wir haben bereits aus historischen Balken mehrschichtige verschraubte Vollholzträger mit statischer Berechnung und Zulassung hergestellt, weil wir die erforderlichen Dimensionen als einzelne Balken nicht liefern konnten.
Thomas Knapp: Das sehe ich ähnlich. Wenn Zimmerleute sagen, sie benötigen für eine Restaurierung beispielsweise einen Balken aus Fichte/Tanne 20/24 cm, weil der vorher auch drin war, dann wird ein anderer historischer Balken aus Fichte/Tanne 20/24 cm genauso tragen können. Allerdings haben wir für ein sehr großes Projekt tatsächlich nach DIN 4074 sortiert. In dieses Projekt waren verschiedenste Händler von historischen Hölzern eingebunden.
Hubert Rupp: Dabei ging es um die Rekonstruktion des Dom-Römer-Areals in Frankfurt am Main. Die Anforderungen waren sehr scharf ausgeschrieben. Die gewünschten Querschnitte von Eichenholz bis zu 600/34/40 cm waren nicht leicht zu bekommen. Wir haben ebenfalls nach den ausgeschriebenen Sortierkriterien historisches Holz angeboten und geliefert. Das war ein sehr besonderer Auftrag und bislang ein Einzelfall.
Thomas Knapp: An dem Bauwerk waren nicht nur mehrere Händler, sondern auch mehrere größere Zimmereien beteiligt, die wir beliefert haben. Insgesamt wurden im Dom-Römer-Areal 100 m³ historisches Eichenholz verbaut. Der normale Holzhandel fängt bei dieser Dimension erst an, aber für uns war die Menge durchaus eine Herausforderung. In dieser Zeit haben wir parallel gearbeitet. Die Anfrage kommt bei uns rein, wir fragen bei den Rückbauunternehmen, ob es lieferbar ist, in der Zeit kam schon die nächste Anfrage. Das Holz sortierten wir visuell nach der Laubschnittholznorm DIN 4074-5 in die ausgeschriebene Klasse LS10. Dadurch konnte das Holz der erforderlichen Festigkeitsklasse D 30 für Eiche nach DIN EN 338 zugeordnet werden. Um das Holz entsprechend den definierten Eigenschaften nach DIN 4074 sortieren zu können, haben wir vorab eine Schulung gemacht. Wir werden nach DIN 4074 sortiertes Holz auch weiterhin als Qualitätsklasse „Premium Plus“ anbieten.
Für die Rekonstruktion des Römers in Frankfurt haben wir nach DIN 4074 sortiert.
Thomas Knapp
Greift eigentlich die Altholzverordnung bei Ihren Produkten?
Thomas Knapp: Ein ganz klares Nein. Die Altholzverordnung regelt die Verwertung und Beseitigung von Altholz, sofern es im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes Abfall ist. Damit ist die Aufbereitung von Altholz zu Holzhackschnitzeln und Holzspänen oder die energetische Verwertung, sprich Verbrennung oder Vergasung, gemeint.
Hubert Rupp: Bei unseren Hölzern handelt es sich nicht um Abfall. Es wird auch nicht downgecycelt, also in der Nutzung abgewertet, sondern so wiederverwendet, wie ursprünglich vorgesehen. Der Produktlebenszyklus wird verlängert.
Bei unseren Hölzern handelt es sich nicht um Abfall. Der Produktlebenszyklus des Bauholzes wird verlängert.
Hubert Rupp

Haben Sie Wünsche oder Tipps für die Zimmereien?
Thomas Knapp: Da wir auch viele kürzere Hölzer haben, freuen wir uns, wenn genau das bestellt wird, was gebraucht wird. Am besten gibt man uns eine genaue Stückliste, was benötigt wird. Danach stellen wir das Holz zusammen. Unsere Preise sind gestaffelt, je kürzer das Holz, desto günstiger ist der Kubikmeterpreis.
Hubert Rupp: Die Zimmereien sollten sich nicht nur auf die Konstruktion konzentrieren. Auch alte Böden können durchaus ein Thema für sie sein, die werten ein Gebäude richtig auf.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Verband
Zusammenschluss vor 30 Jahren
Historische Baustoffe Rupp aus Breisach und Knapp Historische Baustoffe aus Deensen sind Mitglieder im Unternehmerverband Historische Baustoffe e. V. (UHB) mit Sitz in Fulda. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Anbietern historischer Baustoffe und antiker Baumaterialien zur Wiederwendung. Er wurde 1992 gegründet. Allen Gründungsmitgliedern gemeinsam war der Wunsch, der großangelegten Vernichtung von historischen Baustoffen entgegenzuwirken. Dabei gingen sie von der Erkenntnis aus, dass diese Baustoffe Kulturgüter sind, die unsere Bau- und Wohnkultur beschreiben und über zum Teil längst vergangene Handwerkskünste Auskunft geben.
www.historische-baustoffe.de