Rettenmeier übernimmt die Geschäftsbetriebe der „Ziegler Holzindustrie GmbH & Co. KG“, der „Ziegler Naturenergie GmbH“, der „Ziegler Forstservice GmbH“ und der „Holzzentrum Ziegler GmbH“.
Follow-Up 06.02.2025, siehe unten
31.01.2025 - Wesentliche Teile des Ziegler-Geschäftsbereichs Holzverarbeitung wurden an einen Investor veräußert. Dies teilte der Insolvenzverwalter dieser Unternehmen, Volker Böhm von Schultze & Braun, soeben mit. Böhm unterzeichnete laut Pressemitteilung gestern Abend einen entsprechenden Kaufvertrag mit dem fränkischen Holzkonzern „Rettenmeier Holding AG“. Rettenmeier übernimmt die Geschäftsbetriebe der „Ziegler Holzindustrie GmbH & Co. KG“, der „Ziegler Naturenergie GmbH“, der „Ziegler Forstservice GmbH“ und der „Holzzentrum Ziegler GmbH“. Außerdem erwirbt Rettenmeier die nicht insolventen Ziegler-Gesellschaften „Prechtl GmbH Anlagen- und Maschinenbau“ sowie die „Ruhland Druckluft & Systemtechnik GmbH“.
Rettenmeier wolle alle Standorte erhalten und übernehme den Großteil der beschäftigten Arbeitnehmer, heißt es weiter in der Mitteilung. Im Einzelnen: Bei der „Ziegler Holzindustrie GmbH & Co. KG“ sind dies 516 von ursprünglich 665 Arbeitnehmern, bei der „Ziegler Naturenergie GmbH“ alle 54 Arbeitnehmer, bei der „Ziegler Forstservice GmbH“ alle 18 Arbeitnehmer und bei der „Holzzentrum Ziegler GmbH“ 46 von 97 Arbeitnehmern, wobei beim Holzzentrum Ziegler der Großbrand Ende November 2024 berücksichtigt werden muss. Bei den nicht insolventen Gesellschaften „Prechtl GmbH Anlagen- und Maschinenbau“ (10 Arbeitnehmer) sowie „Ruhland Druckluft & Systemtechnik GmbH“ (3 Arbeitnehmer) übernimmt Rettenmeier alle Beschäftigten.
Schlechte Nachrichten: Kündigungen bei Ziegler Logistik
Aufgrund der Verluste im Geschäftsbetrieb der „Ziegler Logistik GmbH“ mussten die 300 Beschäftigten gekündigt werden. Aufgrund der fortgesetzten Verluste sei eine Fortführung des Unternehmens ohne einen Investor nicht mehr möglich. Zwar hätte es lange so ausgesehen, dass auch für die Ziegler Logistik GmbH eine Investorenlösung zustande kommen könnte. Ein Investor hatte bis zuletzt die Übernahme geprüft, so die Mitteilung weiter, sich dann jedoch erst kurz vor Verfahrenseröffnung gegen eine Übernahme entschieden. Böhm sei deshalb gezwungen, den Betrieb der Ziegler Logistik GmbH Ende Januar einzustellen. In einem Insolvenzverfahren darf ein Unternehmen nicht fortgeführt werden, wenn es Verluste macht, weil dadurch die Gläubiger weiter geschädigt würden, so die Presseinformation.
Für einige weitere Unternehmen der Ziegler-Gruppe dauern die Investorenverhandlungen noch an. Aber auch hier werde in Kürze mit Entscheidungen gerechnet.
Seit Ende November 2024 hatten 27 der 45 Ziegler-Gruppengesellschaften Insolvenz angemeldet. Die Gruppe hatte in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch Zukäufe einen offensiven Wachstumskurs eingeschlagen. Neben dem Kerngeschäft, der Holzbearbeitung und -verarbeitung für die Bauindustrie, ist die Ziegler-Gruppe mittlerweile u.a. in der Logistik, der Pelletproduktion, der Forstwirtschaft, im Haus- und Modulbau sowie in angrenzenden Gewerken wie der Haustechnik tätig. Allerdings wurde die Unternehmensgruppe inmitten ihrer Wachstumsphase durch den Nachfrageeinbruch im Bausektor infolge des Ukraine-Krieges und des Zinsanstiegs schwer getroffen. Nach eigenen Angaben beschäftigte die Ziegler-Gruppe zu Beginn der Insolvenzanträge rund 3.000 Mitarbeiter in drei Ländern (Deutschland, Schweden und Rumänien) und erwirtschaftete im Jahr 2023 bei schwachen Märkten einen Gruppenumsatz von rund 750 Millionen Euro.
Schultze & Braun ist Dienstleister für Insolvenzverwaltung und Beratung im Sanierungs- und Insolvenzrecht mit rund 600 Mitarbeitern in Deutschland und dem europäischen Ausland.
Follow-up: 06.02.2025
Strategischer Investor unterzeichnet Kaufvertrag für alle sechs Betriebe der E+G-Gruppe
Alle sechs Geschäftsbetriebe der E+G-Gruppe wurden nach neuerlicher Mitteilung des Insolvenzverwalters vom 6. Februar 2025 an einen Investor veräußert. Erwerber sei demnach die „FBSL Holding GmbH“, deren Gesellschafter im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind und zu Teilen aus dem bisherigen Management der E+G-Gruppe bestehen. Der Käufer wolle an den bestehenden Standorten festhalten und habe rund 140 der 170 Mitarbeiter übernommen.
Im Einzelnen habe die FBSL Holding GmbH die Geschäftsbetriebe der folgenden Ziegler-Unternehmen übernommen: „Engelhardt+Geißbauer GmbH“, „Schwebheimer Holzelementebau GmbH“, „Sendel+Göß Haustechnik GmbH“, „Zimmerei Mohr GmbH“, „Mohr Holzhaus GmbH“ und „E+G Besitzgesellschaft mbH“. Die Gläubiger haben der Übernahme bereits zugestimmt, heißt es weiter in der Mitteilung. Über den Kaufpreis wurde demzufolge Stillschweigen vereinbart. Der Betriebsübergang erfolgt zum 6. Februar 2025.
Laut der Presseinformation vereine die FBSL Holding GmbH das Renommee eines regional verwurzelten Familienunternehmens mit dem Know-how des bisherigen Managements. Die Investorenfamilie mit Sitz südlich von Nürnberg konzipiere und baue unter anderem PV-Anlagen für Gewerbe- und Privatkunden. „Durch den Einstieg des Investors erhält die Engelhardt+Geißbauer-Gruppe Zugang zu einem weiteren wichtigen Markt und gewinnt gleichzeitig einen neuen vielversprechenden Vertriebskanal“, betonte Insolvenzverwalter Böhm nach Unterzeichnung der Kaufverträge.
Geschäftsführer der neuen E+G-Gruppe, die weiterhin unter der Marke „Engelhardt+Geißbauer – Das Holzhaus aus Franken“ auftritt, bleibe Stefan Bauereiß. Dieser werde künftig in den operativen Bereichen durch Marco Stäudtner, den bisherigen Leiter der Projektabwicklung, als weiteren Geschäftsführer unterstützt.
Die Unternehmen der Engelhardt+Geißbauer-Gruppe hatten Ende November 2024 trotz guter Auftragslage Insolvenzantrag stellen müssen. Grund sei gewesen, dass Engelhardt+Geißbauer innerhalb der Ziegler-Gruppe verpflichtet war, für Verluste der insolventen Muttergesellschaft einzustehen. „Die Übernahme durch die FBSL Holding GmbH ist eine gute Nachricht für alle Haus-Kunden von Engelhardt+Geißbauer“, sagte Volker Böhm. „Die Kunden haben nun wieder Planungssicherheit für ihre Projekte.“
Bereits während des vorläufigen Insolvenzverfahrens hatte Böhm den Geschäftsbetrieb der Gruppenunternehmen fortgeführt. Die Engelhardt+Geißbauer-Gruppe verfüge bis weit in das Jahr 2025 hinein über eine sehr gute Auftragslage. Zurzeit lägen rund 50 Bestellungen für Häuser vor, die Produktion sei damit ausgelastet und verlaufe termingerecht. Unter dem neuen Eigentümer werde Engelhardt+Geißbauer die bestehenden Verträge weiterführen.
Quelle: www.schultze-braun.de/newsroom
