Holz
Foto: bmH bauen mit Holz

Holzmangel

10. May 2021 | Teilen auf:

Rohholzpreise: Holzbau Baden übergibt Forderungen an die Politik

Der Zimmererverband Holzbau Baden e.V. und proHolz Schwarzwald haben mit den Landtagsabgeordneten Reinhold Pix (Grüne), Dr. Patrick Rapp (CDU) und Alexander Schoch (Grüne) die derzeitige Explosion der Holzpreise und die Verfügbarkeit am Baustoffmarkt besprochen.

Das Präsidium des ältesten Zimmererverbandes in Deutschland Holzbau Baden e.V. stellte in einem Gespräch Forderungen an die Politik, um die Situation schnellst möglich zu entschärfen.

Die Forderungen des Verbandes:

  • Das Land Baden-Württemberg sollte als größter Waldbesitzer dringend dafür Sorge tragen, dass die Versorgung im eigenen Land mit dem Rohstoff Holz sichergestellt ist. Der Verkauf sollte nur an Akteure erfolgen, die unsere wertvolle Ressource nicht ins ferne Ausland verschiffen.
  • Auch private und kommunale Waldbesitzer sollten beim Verkauf Kunden bevorzugen, welche primär den heimischen Markt bedienen.
  • Wegen Trockenschäden in den letzten Jahren, musste viel Holz geerntet werden. Darum wird der Holzeinschlag nun durch das Forstschädenausgleichsgesetz gedrosselt, was die Situation weiter verschärft. Dieses Hemmnis sollte dringend aufgehoben werden.
  • Um zu verhindern, dass Schadorganismen verschifft werden, muss Rundholz vor dem Export begast werden. Dazu sind große Mengen Sulfuryldifluorid nötig. Ein Gas mit rund 5000-fachem Treibhauspotential bezogen auf CO2. Allein 2019 kamen in Hamburg 200 t dieses Gases zum Einsatz. Eine Treibhauswirkung vergleichbar mit dem Jahresausstoß eines Kohlekraftwerks. Dieser Wahnsinn muss aufhören und reguliert werden.
  • Das große Schadholzaufkommen der letzten Jahre konnte der europäische Holzmarkt nicht aufnehmen. Ein Großteil wurde daher nach China exportiert. Holz, welches für konstruktive Zwecke ohne weiteres eingesetzt werden könnte, fehlt nun. Mit großen Nassholzlagern müssen zukünftig Rohstoffpuffer geschaffen werden, um Nachfragespitzen abfedern zu können.
  • Die Materialengpässe sorgen auf Baustellen für Verzögerungen, Lieferfristen können unverschuldet nicht eingehalten werden. Sanktionen belasten die Branche nun zusätzlich. Ein unverschuldeter Verzug darf vom Land nicht sanktioniert werden.
  • Bei künftigen Ausschreibungen des Landes zu Bauprojekten, dürfen die Bauunternehmer nicht das alleinige Risiko der starken Materialkostenschwankungen tragen. Eine Preisgleitklausel muss daher Anwendung finden.
  • Es ist unabdingbar notwendig, dass bei bestehenden Aufträgen und Verträgen mit der öffentlichen Hand eine Nachverhandlung der Materialpreise ermöglicht wird. Es ist nicht verantwortbar, dass die exorbitant gestiegenen Preise zu Lasten unserer Betriebe gehen, wie es derzeit der Fall ist.
  • Holzhäuser verursachen bei der Herstellung bis zu 50 % weniger CO2 als herkömmliche Gebäude und speichern zusätzlich rund eine Tonne CO2 je Kubikmeter. Um Mehrkosten im Hausbau durch die Holzpreisexplosion zu kompensieren, muss Bauherren daher ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden. Eine Förderung nach verbauter Masse, wie Sie bereits in München und Freiburg erfolgreich stattfindet, ist zwingend erforderlich!
  • Die Corona-Bedingt vereinfachte Kurzarbeiterregelung muss den Betrieben auch bis Ende 2021 zur Verfügung stehen, um vorübergehenden Engpässen besser begegnen zu können.

Unsere Forderungen an die zuständigen Politiker und Behörden, dringend tätig zu werden und unsere Wertschätzungskette Forst und Holz vor weiteren, irreversiblen Schäden zu bewahren, wurden von den anwesenden Abgeordneten unterstützt, soweit dies ihnen möglich erscheint.

Die Holzbau-Offensive Baden-Württembergs droht sonst, bald zu scheitern.

Hintergrund: USA und China als Preistreiber

Grund für die hohen Holzpreise ist die weltweit große Nachfrage nach dem umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoff Holz. Vor allem in den USA scheint der Holzhunger aufgrund von Lieferproblemen mit Kanada unersättlich. Ebenfalls in Fernost findet das europäische Holz zahlungskräftige Abnehmer. Volle Auftragsbücher und fehlendes Baumaterial könnten laut Verband die hiesige Holzbaubranchenachhaltig schädigen und die 2018 ausgerufene Holzbau-Offensive der Landesregierung Baden-Württemberg unterlaufen. Politik und Wirtschaft laut Verband müssen daher dringend handeln.