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Jahrzehntelang nur rudimentär genutzter Raum wird durch eine Dachsanierung aufgewertet. Bilder: Velux

Technik 2011-01-21T00:00:00Z Sanierung: Gewinn an Licht und Raum

Energetische Aufwertung, Ausbau des Dachbodens, Solaranlage und Erweiterung der Wohnfläche mittels Anbau und das alles in einem ensemblegeschützten Gebäude. Wir schildern, wie der Holzbauer unter anderem mit Holzständerbauweise diese Anforderungen umsetzte.

Mauerwerksbauten mit roter Klinkerfassade sind in Norddeutschland eine weit verbreitete und identitätsstiftende Bauweise. In dieser Domäne des Mauerziegels gelang es, ein massives Gebäude in Holzbautechnik zu revitalisieren sowie zu erweitern, ohne dabei die regionaltypische Architektur zu beeinträchtigen. Das Wohnhaus mit einem Voll- und einem Dachgeschoss steht in einer klassischen Hamburger Gartenstadt aus den 1930er-Jahren, deren Ensemblecharakter durch eine Erhaltungsverordnung geschützt ist. Umbauten an den Gebäuden dürfen das historische Erscheinungsbild der Siedlung nicht beeinträchtigen, Gebäudeerweiterungen sind nur zur rückwärtigen Gartenseite gestattet.

Trotz dieser Einschränkungen konnte die Wohnfläche des Siedlungshauses im Rahmen eines Komplettumbaus von 110 qm auf rund 180 qm vergrößert werden. Eingriffe in die tragende Mauerwerksstruktur wurden dabei ebenso vermieden wie Veränderungen an der Gebäudeansicht von der Straßenseite. Der Flächengewinn entstand durch einen Anbau in den Garten hinein, durch die Verlängerung des vorhandenen Steildachs über diesen Anbau hinweg sowie durch den Ausbau des ursprünglichen Spitzbodens.

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Schnittzeichnung Quelle: Ing.-Holzbau Raap

Die dadurch gewonnenen Räume erweitern nicht nur den verfügbaren Platz fürs Wohnen, sie verleihen dem vorher kleinen und etwas verwinkelten Haus auch eine ganz neue Atmosphäre. Wo vorher der für die dreißiger Jahre typische Eindruck von Enge und zu wenig Licht herrschte, öffnen sich jetzt große, vor allem aber helle und freundliche Wohnräume. Dafür sorgen die großzügig dimensionierten Fenster, allein im Dachgeschoss wurden zusätzlich zu einer vorhandenen Gaube sechs Wohndachfenster neu eingebaut. Durch eine geschickte Integration der Dachfenster blieb auf dem neuen Teil des Daches sogar Platz für eine rund 18 m2 große solarthermische Anlage. „Reizvoll an diesem Projekt war, dass wir nicht nur den Bestand saniert haben, sondern gleichzeitig einen Neubau angeschlossen und obendrein eine Solaranlage integriert wurde. Solche Projekte sind nicht alltäglich“, so Rainer Mügge, Geschäftsführer der ausführenden Ing.-Holzbau Raap GmbH.

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Ein Holzständerbau auf einem Betonsockel vergrößert die Wohnfläche des 30er-Jahre-Häuschens auf modernes Niveau.

Holzanbau unauffällig integriert

Erster Schritt der Wohnflächenerweiterung war der neue Anbau auf der gartenzugewandten Giebelseite in Holzständerbauweise: „Aufgrund der engen Grundstücksgrenzen es war links und rechts ein Mindestabstand von 2,50 Meter einzuhalten - entschieden wir uns für die Holzbauweise. Denn so konnten wir aufgrund der im Vergleich zum Massivbau geringeren Wanddicke bei gleichen Dämmwerten mehr Rauminnenfläche gewinnen. Zudem kam uns die kürzere Bauzeit und die nicht benötigte Trocknungszeit sehr entgegen“, so die Bauherrnfamilie. Mit 5 m Länge und einer Breite, die fast vollständig der historischen Hausbreite entspricht, entstand im Anbau eine 28 m2 große Küche, die sich mit einer großzügigen Fensterfont zur Gartenseite öffnet. Durch den kleinen Kunstgriff, den Anbau geringfügig schmaler als die historische Front zu planen, bleiben der Übergang von alter zu neuer Substanz und damit der ursprüngliche Hauskörper weiter erkennbar. Gleichzeitig ist die Erweiterung von der Straße aus ganz im Sinne der Erhaltungsverordnung kaum zu erkennen. Zumal sich die Holzkonstruktion mit einer optisch an den Altbau angelehnten Klinkerfassade ohne gestalterischen Bruch an den Massivbaukörper anfügt. Die Klinkerfassade war nötig, weil „in der Gartenstadt, die durch eine Erhaltungsverordnung als Ensemble geschützt ist, alle Bestandshäuser sowie Anbauten mit rotem Klinker, einem historisch gesehen typischen Fassadenmaterial in Hamburg, versehen sein müssen“, so der Bauherr.

Der Bauherr gewann also durch den Um- und Ausbau nicht nur neue Räume und Flächen fürs Wohnen, sondern auch eine völlig andersartige Wohnatmosphäre hinsichtlich des Tageslichts und der Behaglichkeit. Der deutlich reduzierte Energieverbrauch schont die Umwelt und trägt langfristig zur Kostensenkung bei.

zuletzt editiert am 02. Oktober 2025
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