Bei der Dachsanierung seines Privathauses entschied sich ein Zimmermeister für einen industriell gefertigten Dachstuhl aus Nagelplattenbindern. Als Dacheindeckung auf der Südseite erstellte er mit Solarthermie- und Photovoltaikmodulen sein eigenes, kostengünstiges und ästhetisches Sonnenkraftwerk.
Unmittelbar am Waldrand und umgeben von Ackerland steht die Zimmerei von Zimmermeister Peter Manlik aus dem mittelfränkischen Roth am See. Sein Privathaus, ein Bungalow aus den 1970-er Jahren, befindet sich ebenfalls auf dem Firmengelände in der Nähe der Lilienthal-Kaserne der Bundeswehr.
Das Dach des Bungalows war seit geraumer Zeit schadhaft und musste dringend saniert werden. Dabei wollte Manlik möglichst weg von dem anfälligen Flachdach hin zu einem Steildach. Wichtig war ihm auch, auf dem Dach Solarthermie- und Photovoltaikmodule zu installieren. Bereits 2006 hatte er auf seiner Zimmerei Solarstrommodule montiert und war seitdem begeistert von deren Funktion und nicht zuletzt vom Ertrag der Energieanlage.

Das Wohnhaus wurde seinerzeit in Mischbauweise erstellt: Die Gebäuderückseite ist massiv gemauert, die Vorderfront in Holzständerbauweise erstellt. Insgesamt hat das Haus eine Breite von 21,5 m; hinzu kommt noch eine Doppelgarage von über 11 m Breite. Die Tiefe des Bungalows beträgt aufgrund mehrerer Außenwandversprünge zwischen 10,56 m und 18,21 m. Das Flachdach des Wohnhauses besteht aus einer aufgeständerten Holzkonstruktion, ausgebildet als Deckenscheibe mit Gefälle zur Gebäudemitte hin. Tragende Wände sind in dem Gebäude nur wenige zu finden. Stattdessen große Räume und ein Wintergarten. Für ein zimmermannsmäßiges Pfettendach war der Bestand nicht geeignet. Zu groß wäre hier der Aufwand für Unterstützungen und zusätzliche Aussteifungen gewesen. Also entschied sich der Zimmerer für einen Dachstuhl aus Nagelplattenbindern. „Zwar kann ich den nicht ausbauen, aber das Haus ist ohnehin groß genug für unsere Familie“, sagt Manlik. Lediglich über der Garage habe er ein Pfettendach aufgesetzt. Hier könne man dann später noch zusätzlichen Wohnraum schaffen.

Binder überspannen das gesamte Gebäude
Aus statischer Sicht war der Einbau von Nagelplattenbindern insgesamt die einfachste Lösung: Vorne wurde das Dach auf Pfosten der Abmessungen 16 cm × 16 cm und einer darüber liegenden Pfette von 16 cm × 20 cm aufgelegt. Hinten stützt es sich einerseits auf die massive Außenwand des Bestandes, andererseits ebenfalls auf neu gesetzte Pfosten außerhalb der bestehenden Außenmauer. Die Nageplattenbinder lieferte die Firma Holzbau Dünstl aus Oberschneiding inklusive der notwendigen statischen Berechnungen.
Das neue Satteldach ist asymmetrisch. Die Rückseite hat eine Dachneigung von 37°. Hier kamen als Dacheindeckung Tegalit-Ziegel von Braas zum Einsatz. Auf der Vorderseite des Gebäudes, der Südseite, installierte Manlik 74 Photovoltaikmodule des Roto-Systems Sunroof und 5 Solarthermie-Kollektoren des gleichen Systems. Auf der Garage wurden zusätzlich 47 Photovoltaik-Module montiert. Die Dachneigung beträgt in diesen Bereichen 23°. Auf dem Flachdach waren bereits vor der Sanierung Solarthermie-Kollektoren aufgeständert gewesen. Insofern konnten die neuen Solarthermie-Kollektoren an die bestehenden Leitungen angeschlossen und befüllt werden.
Die Photovoltaik-Module montierten die Mitarbeiter der Zimmerei Manlik, wie auch die Solarthermie-Kollektoren, alle selbst und verkabelten sie untereinander zu mehreren Gruppen. Die Kabelbündel wurden später von einem Elektrofachmann zusammengeführt und an die entsprechenden Spannungswechsler angeschlossen.
Betreiber ist sehr zufrieden mit der neuen Anlage
Die Südseite des Steildachs wurde komplett mit Solarmodulen eingedeckt und bietet dem Betrachter ein einheitliches und aufgeräumtes Bild. Für die Ortgänge und die Traufen verwendeten die Handwerker systemeigene vorbewitterte Bleche. Diese sind für den Anschluss „Traufe und Ortgang“ an die Module bereits grob vorbereitet. Bauseits werden sie dann passend abgekantet und an die örtlichen Gegebenheiten angepasst.
Im Vergleich zu den aufdach montierten Modulen auf der Zimmereihalle steht die Leistungsfähigkeit der im Dach integrierten Module im Jahresdurchschnitt nicht nach. Die Belüftung im großen Dachraum der Binderkonstruktion und auch in der 4 cm starken Konterlattungsebene funktioniert sehr gut, zudem sei das Dach mittlerweile ein echter Hingucker, so Manlik.
Wolfgang Schäfer
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Journ. Wolfgang Schäfer ist Redakteur der Zeitschrift BAUEN MIT HOLZ und Lektor im Bruderverlag.