Schul- und Forschungszentrum im Zillertaler Rotholz
Foto: Adrian Hipp

Technik

22. July 2021 | Teilen auf:

Schul- und Forschungszentrum: Hybrider Bau für mehr als 1000 Lernende

Mit der Errichtung von drei miteinander verbundenen Baukörpern – Höhere Schule, Internat sowie Forschungseinrichtungen – beweist der Auftraggeber Weitblick. Der moderne Campus wurde in hybrider Holzbauweise errichtet, zwei der Gebäude sind sogar mit dem „klimaaktiv Gold“-Standard zertifiziert.

Das neu errichtete Schul- und Forschungszentrum im Zillertaler Rotholz ist auf mehrfache Weise herausragend. Denn die HBLFA (Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt) Tirol vereint erstmals sowohl die Vermittlung von Bildungsinhalten als auch die Gewinnung neuer Erkenntnisse durch gezielte Fachforschungen unter einem Dach. Mit dem Start des Schuljahres im Herbst 2020 beleben mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler, 250 Lehrerinnen und Lehrer, Bedienstete und Lehrlinge die 13 Klassen, 200 Internatsplätze, die vielen Arbeits- und Praxisräume sowie eine großzügig bemessene Lehrküche.

Foto: Adrian Hipp

Campus als Gesamtheit

Auf dem Campusareal mit einer Gesamtfläche von 30.000 m2 befinden sich die drei jeweils miteinander verbundenen Baukörper von Internat, Schule mit Turnsaal und Forschungseinrichtung mit Lehrbetrieb. Mit der Generalplanung war die Architekten-ARGE BME-Adamer°Ramsauer, unter der Federführung von Arch. DI Karl Brodl, beauftragt. Architekt Klaus Adamer (Architekten Adamer°Ramsauer ZT Gesellschaft OG) erklärt das Aufteilungskonzept: „Jedes einzelne Gebäude hat seine eigene Identität. Schule und Internat sind den ökologischen Werten des Schultyps entsprechend in den Obergeschossen in Holz-Bauweise, das Gebäude von Forschung & Service wegen der Hygienevorschriften von Produktion und Labor in Beton errichtet.“

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Das Team der Niederlassung Villach von Rubner Holzbau verantwortete die Werk- und Montageplanung des Schul-Neubaus. Die realisierten Baugruppen lassen sich unterteilen in den Holz-Skelettbau der Schule, die Holz-Beton-Verbunddecken für die Geschossdecken und das Dach, die Fassadenelemente in Pfosten-Riegel-Bauweise sowie die vorgefertigten Lärchen-Fassadenelemente für Schul- und Internatsgebäude und die Brettsperrholz-Wände und Brettstapeldecken im Internat.

Nachhaltigkeit hatte bei der Planung und Umsetzung der ineinandergreifenden Bereiche des Schul- und Forschungscampus höchste Priorität. Rubner Holzbau verarbeitet grundsätzlich nur PEFC-zertifiziertes Holz, im Fassadenbereich des Neubaus der HBLFA Tirol kam ausschließlich heimische Lärche zum Einsatz. Sowohl bei der Herstellung als auch dem Transport sowie dem zukünftigen Rückbau wurde großes Augenmerk auf den ökologischen Fußabdruck im Allgemeinen und möglichst geringe CO2-Emissionen im Speziellen gelegt.

Holz durchgängig sichtbar

Der Baukörper der Schule hat eine Brutto-Grundfläche von 10.373 m 2  mit einer Hüllfläche von 10.984 m 2 , das Internat hat eine Brutto-Grundfläche 5.682 m 2  und 4.144 m 2  Hüllfläche. Bei beiden Objekten ist der Baustoff Holz bewusst offen verbaut, so bleiben z.B. die Träme in den Klassenzimmern sichtbar und machen den Holzbau spürbar. Die vorgefertigten Fassadenelemente bestehen aus unbehandelten, vertikal angeordneten Lärchenholzlatten mit hochwertigen Holz-Alufenstern. Alle Klassenzimmer sowie die Gänge sind mit Holzbelägen ausgestattet. Insgesamt wurden von Rubner Holzbau 1.400 m 3  Fichten-Brettschichtholz (mit max. Spannweiten von 27,5 m), 400 m 2  Holz-Glas-Fassade, 2.500 m2 Fassadenelemente, 4.300 m 2  Dach- und Deckenelemente, 2.200 m 2  Brettstapeldecke in Sichtqualität und 2.500 m 2  Brettsperrholzwand in Sichtqualität verbaut.
Schul- und Forschungszentrum im Zillertaler Rotholz

Foto: Adrian Hipp

Vorfertigung und Timing

Der hohe Grad der werksseitigen Vorfertigung sämtlicher Holzelemente hat dazu beigetragen, dass die Gebäude rasch, effizient und mit geringstmöglichem Einfluss auf das Einzugsgebiet (Umwelt und Anrainer) der Großbaustelle errichtet werden konnte. Günther Meinhardt, Projektleiter im Team Villach bei Rubner Holzbau, berichtet vom minutiös ausgeklügelten Montagekonzept: „Die Produktion in unserem Werk in Ober-Grafendorf war optimal auf die Montagebegebenheiten abgestimmt, sodass die engen Terminfenster mit weitgehend vorgefertigten und just-in-time auf die Baustelle gelieferten Elementen ideal genutzt werden konnten. Mit unserem ausgeklügelten Montagekonzept konnten wir auch die Herausforderung meistern, über einen Zeitraum von zehn Wochen die großflächigen Holz-Beton-Verbunddecken in Sichtqualität bis zum Zeitpunkt der Dachdichtheit zu schützen. Geschossweise versetzte Teilbereiche wurden so montiert, dass der jeweils darunter liegende Teil gut geschützt war, damit Wind und Wetter keine Angriffsfläche hatten.“

Foto: Adrian Hipp

Energienutzung mit Konzept

Das gesamte Energiekonzept von Schule, Internat und Forschungseinrichtung greift ganzheitlich ineinander. Auf dem Dach befindet sich eine PV-Anlage mit einer Leistung von 56 kWp, alle drei Gebäude sind an die Biomasse-Nahwärme Rotholz angeschlossen, Grünflächen auf den Dächern absorbieren und verzögern den Energieeintrag und tragen zur thermischen Stabilisierung der Gebäude bei. Durch die Planung als kompakte und hochgedämmte Baukörper, sorgfältige Materialwahl, kontrollierte Belüftung mit Wärmerückgewinnung und optimalen Sonnenschutz sowie viele weitere Maßnahmen in Ausführung und Betrieb werden alle drei Baukörper den hohen Anforderungen des klimaaktiv-Gebäudestandards gerecht.

Der Schulneubau erreicht dabei 943 von 1.000 möglichen Punkten, mit 1000 Punkten kommt das Internats-Gebäude sogar auf die höchstmögliche Punktezahl des klimaaktiv GOLD Standards! Mit 748 Punkten wurde das Verwaltungs- und Forschungsgebäude (nicht in Holzbauweise ausgeführt) in die silberne Nachhaltigkeitsklasse gereiht. Durch die Zuerkennung dieser beeindruckenden klimaaktiv-Standards an die HBLFA Tirol wird eindrucksvoll bestätigt, dass sich die Vermittlung von Wissen und Können zu landwirtschaftlichen und lebensmittelbezogenen Themen optimal in ein in Holzbauweise errichtetes Lernumfeld einfügt.

Foto: Adrian Hipp


  • Fertigstellung: 2020
  • Bauherr: Landwirtschaftliche Bundesversuchswirtschaften GmbH (BVW), Wieselburg (AT)
  • Architekten: ARGE BME + Adamer°Ramsauer, Wien + Kufstein (AT)
  • Bauherrnbegleitung und ÖBA: Vasko + Partner, Baumanagement Forstner
  • T otalunternehmer: ARGE Porr/Rieder, Rotholz (AT)
  • Tragwerksplanung: Lackner & Egger ZT, Villach (AT)
  • Brettschichtholz: ca. 1400 m3 (Holzart: Fichte, max. Spannweiten: 27,50 m)
  • Holz-Glas-Fassade: ca. 400 m2
  • Fassadenelemente: ca. 2.500 m2
  • Dach- und Deckenelemente: ca. 4300 m2 (max. 360 x 800 cm, Brandschutz R 60, Oberfläche: Herakustik)
  • Brettstapeldecke: ca. 2200 m2 in Sichtqualität (Elementgrößen: 2,95 x 7,20 m, Dicken: 10 – 14 cm)
  • Brettsperrholz Wand: ca. 2500 m2 (Elementgrößen 3,00 x 7,00, Dicken 10 bzw. 18 cm, Oberflächen: Wohnsicht)