Die Vision ist, den Standortvorteil im Südschwarzwald mit seinem großen Holzvorkommen zu nutzen und hier neue Wege in der Entwicklung von nachhaltigen Gewerbegebieten zu beschreiten. (Quelle: Martin Hienerwadel)
Die Vision ist, den Standortvorteil im Südschwarzwald mit seinem großen Holzvorkommen zu nutzen und hier neue Wege in der Entwicklung von nachhaltigen Gewerbegebieten zu beschreiten. (Quelle: Martin Hienerwadel)

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20. October 2021 | Teilen auf:

Erstes klimaneutrales Holzbau-Gewerbegebiet in Deutschland

Die Stadt Lörrach will auf dem 7,4 Hektar großen Gelände des ehemaligen Textilunternehmens Lauffenmühle das erste klimaneutrale Gewerbegebiet in Holzbauweise in Deutschland entwickeln.

Die Vision ist, den Standortvorteil im Südschwarzwald mit seinem großen Holzvorkommen zu nutzen und hier neue Wege in der Entwicklung von nachhaltigen Gewerbegebieten zu beschreiten. Kein Gewerbegebiet in Deutschland setzt diese Vision so konsequent um. Das Holz kann sowohl als Baustoff wie auch als Energieträger eingesetzt werden. Die Idee hat auch das baden-württembergische Wirtschaftsministerium begeistert. Das Ministerium fördert die Weiterentwicklung der Idee mit rund 7,5 Millionen Euro. Im nächsten Schritt werden die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Vision erarbeitet. Noch in diesem Jahrzehnt soll das Gewerbegebiet Flächen für Produktion und Dienstleitungen bieten. Getreu dem Motto der Klimaneutralität folgend, kommen für das Gewerbegebiet nur innovative und nachhaltige Unternehmen in Frage.

Das neue klimaneutrale Gewerbegebiet entsteht inmitten der Stadt auf dem ehemaligen Werksgelände der Lauffenmühle. Bei der Umsetzung bleiben die ortsbildprägenden Elemente der alten Fabrik erhalten und werden in die Planung integriert.

Bei der Umsetzung bleiben die ortsbildprägenden Elemente der alten Fabrik erhalten und werden in die Planung integriert. (Quelle: Stadt Lörrach)

Holz als Baustoff

Beim herkömmlichen Bau von Gewerbebauten mit Stahl und Beton wird für die Herstellung der beiden Baustoffe viel CO2 ausgestoßen. Die Stadt Lörrach macht aus der Not eine Tugend und nutzt den Rohstoff Holz direkt vor der Haustür. Holz im Baubereich einzusetzen ist damit ein aktiver Beitrag, CO2 erst gar nicht entstehen zu lassen und darüber hinaus, CO2 zu binden. Somit entfaltet Holz in seiner Anwendung als Bau- und Werkstoff einen doppelten CO2- Einspargewinn.

Durch die Schädigung des Waldes in Form des Fichten- und Eschentriebsterbens steht aktuell und in den kommenden Jahren im Schwarzwald viel Holz zur Verfügung, das als Baustoff und Energieträger genutzt werden kann. Im Vergleich zu anderen Energieträgern hat Holz den Vorteil, dass es auch als Energieträger in Bilanz CO2-neutral und ein nachwachsender Rohstoff ist.

Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung ist es, den Standortvorteil im Südschwarzwald mit großen Holzvorkommen zu nutzen und hier neue Wege in der Entwicklung von Gewerbegebieten zu beschreiten. Das Holz kann sowohl als Baustoff, wie auch als Energieträger eingesetzt werden. Lörrach ist in der komfortablen Lage, im Besitz eines großen Stadtwaldes zu sein, der circa 1600 Hektar Mischwald umfasst, was etwa 40 Prozent der Gemarkungsfläche ausmacht.

Die Stadtplanung verfolgt in dem Projekt einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne der Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund soll auch der Anteil der sogenannten „grauen Energie“, das heißt Bauteile mit Beton und Stahlbeton, so gering wie möglich gehalten werden und aus der vorhandenen alten Bausubstanz Wertstoffe und Baustoffe zu einem hohen Teil recycelt und wiederverwertet werden. Es sollen aber auch alle Möglichkeiten des Einsatzes regenerativer Energien ausgeschöpft werden, mit Wasserkraft, Sonnen- und Windenergie. Holz als Werkstoff könnte in der Wertschöpfungskette eine zunehmend wichtige Rolle spielen, zum Beispiel in der Ausschreibung der Gewerke und Gewerbeflächen.

Die Stadtplanung verfolgt in dem Projekt einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne der Nachhaltigkeit. (Quelle: Stadt Lörrach)

Recycling vorhandener Baustoffe

Natürlich wirken sich nicht nur Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz positiv auf die Klimabilanz eines Bauwerks aus, sondern auch die Nutzung bereits bestehender Gebäudestrukturen. Daher soll aus den abgerissenen Gebäuden der Baustoff vor Ort recycelt und für benötigte Bauteile wiederverwendet werden. Für die Energiegewinnung ist neben Holz auch der Einsatz von erneuerbaren Energien vorgesehen, vor allem aus Sonnenenergie im Süden der Republik.

Klimaschutz in Lörrach

Bereits im Jahr 2012 hat die Stadt Lörrach zum Ziel erklärt, bis 2050 klimaneutrale Kommune zu sein. Im Herbst 2019 wurde dieser Beschluss durch den Ausruf des Klimanotstandes weiter bekräftigt. Mit der Entwicklung eines klimaneutralen Gewerbegebietes setzt die Stadt einen Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune. Nachhaltige Energiepolitik hat in Lörrach lange Tradition: 2002 war Lörrach als erste deutsche Kommune mit dem Schweizer Label Energiestadt® ausgezeichnet worden, 2007 hat sie als erste Kommune BadenWürttembergs den European Energy Award® (eea) erhalten und 2010 den Sprung zum European Energy Award® GOLD geschafft. Diese Goldauszeichnung konnte Lörrach 2013, 2017 sowie 2021 erfolgreich wiederholen. Das erste CO2-neutrale Wohnquartier Deutschlands, der Niederfeldplatz, wurde ebenfalls in Lörrach errichtet. Damit nimmt Lörrach deutschlandweit eine Vorreiterrolle im klimaneutralen Städtebau ein und nähert sich Schritt für Schritt seinem Ziel, der Leuchtturm des Südens zu sein.

Holz als Werkstoff könnte in der Wertschöpfungskette eine zunehmend wichtige Rolle spielen, zum Beispiel in der Ausschreibung der Gewerke und Gewerbeflächen. (Quelle: Stadt Lörrach)
Natürlich wirken sich nicht nur Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz positiv auf die Klimabilanz eines Bauwerks aus, sondern auch die Nutzung bereits bestehender Gebäudestrukturen. (Quelle: Stadt Lörrach)

Lörracher Nachhaltigkeitskonferenz am 16. Oktober 2021

Am Samstag, 16. Oktober 2021 lädt die Stadt Lörrach nun zur 1. Lörracher Nachhaltigkeitskonferenz im Rahmen der Projektförderung durch die HolzbauOffensive Baden-Württemberg ein. Das Projekt „Lauffenmühle Lörrach – next innovation“ wird im Werkraum Schöpflin in Lörrach-Brombach vorgestellt. Mit Impulsvorträgen und Gesprächsrunden werden Referent*innen, Bürger*innen und Branchenvertreter*innen mit den Vertreter*innen der Stadt die Zielsetzung des Projekts erörtern und sich vielfältigen Fragestellungen annähern: „Die Zukunft des Waldes im Klimawandel: Opfer oder Klimaschützer?“ – „Was haben Baukultur und Klimaschutz miteinander zu tun?“ – „Regionale Baustoffe und nachhaltige Kreislaufwirtschaft auf dem Lauffenmühle-Areal – Unser Beitrag zum Klimaschutz“. Fachleute aus Holzbau und Waldwirtschaft, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung begleiten den Prozess und werden zum Projekt Stellung beziehen. Am Nachmittag öffnet das Gelände der „Lauffenmühle“ zu Führungen und waldpädagogischen Angeboten und zur Übergabe des IBA KIT der IBA Basel 2020.

Das Lauffenmühle-Areal wird als Leuchtturmprojekt des Südens zum Reallabor für klimaneutrale Gewerbegebiete in Holzbauweise für ganz Deutschland. Weitere Informationen können auf der Website der Stadt Lörrach abgerufen werden: https://www.loerrach.de/Lauffenmuehl

zuletzt editiert am 20.10.2021