Holzlatte, Holzstapel, Bauprodukt Quelle: bmH bauen mit Holz
Quelle: bmH bauen mit Holz

Holzmangel

07. May 2021 | Teilen auf:

Statement: "Bauen, Arbeiten, Leben mit Holz ist nachhaltig und zukunftsweisend"

"Wir wollen und werden dennoch weiterhin als Kommune unsere Vorbildfunktion wahrnehmen und bei unseren öffentlichen Bauten, verbindlich Holzbauweise festlegen, weil wir auch bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben", so der kommunale Investor der Gemeinde Frickingen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen am Markt und die Perspektive der Preisentwicklung ein? Was plant Frickingen in den kommenden Jahren im Holzbau? Wie gehen Sie mit der aktuellen Preisentwicklung und Lieferzeiten um?

Aus Sicht einer waldbesitzenden Kommune gilt in Rücksprache mit unserem Förster vorab festzustellen, dass sich die Absatzsituation auf dem gesamten Holzmarkt deutlich verbessert hat. Im Segment Eschen- und Eichenstammholz sind die Preise und Nachfrage konstant auf einem sehr guten Niveau. Buchenstammholz, vor allem im höherwertigen Bereich, lässt sich jedoch nur bei bescheidenen Preisen verkaufen. Die Nachfrage nach Nadelstammholz (Fi,Ta) ist sehr hoch, man spricht bereits von einer Knappheit am Markt, jedoch widerspiegelt sich dies noch zu wenig am Verkaufserlös, vor allem im Blick auf die letztendlich für den Verbraucher derzeit zu zahlenden sehr hohen Endpreise am Markt. Hier stimmt das Verhältnis nicht; es verbleibt deutlich zu wenig beim Waldbesitzer vor Ort. Die Industriehölzer (Nd,Lb) lassen sich nur zu wenig auskömmlichen Preisen vermarkten, obwohl auch dort im Bereich der Platten für den Innenausbau eine hohe Nachfrage herrscht. Immerhin scheint sich die Holzmarktlage nach dem turbulenten Vorjahr mittlerweile etwas zu stabilisieren.

Die Situation der Kommune als Bauherrin zeigt folgendes Bild: Planungsbüros und Holzbaubetriebe sind derzeit kaum in der Lage, verlässlich Kosten zu kalkulieren oder Angebote zu erstellen. Die Betriebe, insbesondere Zimmereien, berichten uns von bedenklichen Lieferengpässen bei der Rohware und den damit verbundenen drastischen Preissteigerungen beim Materialeinkauf; diese Situation für die Betriebe, insbesondere die Preisentwicklung bei den Endprodukten, betrachten wir alle mit großer Sorge. Denn wenn dann zwangsläufig zu erwarten ist, dass ein Submissionsergebnis zu deutlich über der ursprünglichen Kostenberechnung des Architekturbüros liegt und damit die Ausschreibung zu keinem wirtschaftlich akzeptablen Ergebnis führt, ist das nicht zielführend. Auch für die aktuelle Holzbauoffensive Baden-Württemberg, die wir als Gemeinde Frickingen sehr begrüßen, ist dies nicht dienlich.

Wir wollen und werden dennoch weiterhin als Kommune unsere Vorbildfunktion wahrnehmen und bei unseren öffentlichen Bauten, verbindlich Holzbauweise festlegen, weil wir auch bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben. So läuft derzeit die Ausschreibungsphase für die Schaffung weiterer Plätze zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren beim Kinderhaus in Altheim, selbstverständlich als reiner Holzbau. Die einzelnen Planungen für den 1,5-zügigen Neubau unserer Grundschule in Holzbauweise sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen werden, damit mit der Umsetzung im Frühjahr 2022 begonnen werden kann. Wichtig ist in jedem Fall, den ausführenden Baufirmen ausreichend Vorlaufzeit zu gewähren.

Frickingen setzt auch auf den Holzbau: warum?

Wer sich sprachgebrauchlich auf den „Holzweg“ begibt, ist ja eigentlich auf dem falschen Weg. Wir sagen – der Frickinger Holzweg geht seit 30 Jahren genau in die richtige Richtung. Denn „Bauen, Arbeiten, Leben mit Holz“ ist nachhaltig und zukunftsweisend! Im Ergebnis sind alle unsere öffentlichen Gebäude nicht nur „Holzbauprämiert“, sondern vor allem ausgezeichnet mit unterschiedlichen Architekturpreisen, das heißt für vorbildliches und städtebaulich ansprechendes Bauen. Dabei geht es uns in Frickingen als waldbesitzende und European-Energy-Award-zertifizierte Kommune längst nicht nur darum, Holz als geeigneten Bauwerkstoff und Energieträger (Nahwärmeversorgung mit Holzhackschnitzeln) einzusetzen, sondern mit der vorrangigen Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz, sowie auch mit der Nutzung von Sonnenenergie, regenerative Ressourcen zu verwenden. Es geht um aktiven Klimaschutz. Dies ist im „Energieleitbild der Gemeinde“ entsprechend verbindlich festgeschrieben. So ist unsere Gemeinde seit Jahren für ihr nachhaltiges Handeln in vielen Bereichen Vorbild und findet für diese Bemühungen auch entsprechend große Beachtung und Anerkennung – längst überregional.

Namen der Redaktion bekannt.