Daniel Schaible
Zimmerer und Holzbauunternehmer Daniel Schaible, Holzbau Schaible GmbH. Foto: Daniel Schaible

Holzmangel

07. May 2021 | Teilen auf:

Statement: "Ich rechne für die nächste Zeit mit steigenden Problemen und Preisen bei Holz und Holzwerkstoffen"

"Wesentliche Probleme haben wir momentan beim BSH, Brettsperrholz, Holzwerkstoffplatten und Holzweichfaserdämmstoffen." So Zimmerer und Holzbauunternehmer Daniel Schaible, Holzbau Schaible GmbH über die aktuelle Situation.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen am Markt und die Perspektive der Preisentwicklung ein?

Die Situation ist sehr diffus und auch schwer zu beschreiben. Zuerst das Positive: Es gibt regionale Lieferketten, wie zum Beispiel das regionale Sägewerk mit angegliedertem Abbundzentrum, die nach wie vor sehr gut funktionieren und die Preisanpassungen in einem einigermaßen erträglichen Tempo und Ausmaß durchführen. Jedoch drohen auch hier Probleme, da insgesamt eine sehr hohe Nachfrage im Holzbau vorherrscht. Wesentliche Probleme haben wir momentan beim BSH, Brettsperrholz, Holzwerkstoffplatten und Holzweichfaserdämmstoffen: hier erfährt die Preisentwicklung eine Steigerung von 50% bis 100% im Vergleich zum Vorjahr mit extrem steigenden Lieferzeiten.

Die Probleme sehe ich sehr vielschichtig und auch schwierig zu durchschauen. Es wird viel darüber gesprochen, aber den einen Grund für die aktuelle Situationen und die eine Lösung sehe ich momentan nicht. Es handelt sich meiner Meinung nach um eine Kombination aus sehr vielen langfristigen und kurzfristigen Themen, die sich momentan für den Holzbau sehr ungünstig aufsummieren. Zum einen ist da die gute Konjunktur am Bau kombiniert mit der gesteigerten Nachfrage zum Nachhaltigen Bauen mit Holz. Nach und nach, auch durch gute Verbandstätigkeit, ist der Holzbau im Mehrgeschossigen Wohnbau angekommen. Dort wird mit hohem Vorfertigungsgrad in der Industrie und wenig Aufwand auf der Baustelle viel Holz verbaut, was dazu führt, dass die Zimmerer und Holzbaubetriebe insgesamt mehr Holz verbauen können und derzeit die Industrie, aus welchen Gründen auch immer, die Nachfrage nicht decken kann.

Auf der anderen Seite ist da der „Holzmarkt“. Hier haben sich schon über Jahre Probleme aufgestaut. Das Problem fängt im heimischen Wald an, wo das Holz vor unserer Haustüre Tag für Tag wächst. Die preisliche Wertschätzung des Nutzholzes ist für das, was es leistet, zu niedrig. Wer einen eigenen Wald hat, kann davon ein Lied singen. Erst, wenn es sich auch für private Waldbesitzter wirtschaftlich lohnt, einen Wald vernünftig zu pflegen, den Bestand durch Nachpflanzungen aufrecht zu erhalten und das Holz ohne Schäden am Bestand zu ernten, sehe ich das Bauen mit Holz als nachhaltig und die langfristige Versorgung mit dem Rohstoff Holz als gesichert.

Weitere Probleme sehe ich bei der Verarbeitung des Holzes, sehr viele regionale Sägewerke wurden aufgrund des Wettbewerbes zu großen, überregionalen Sägewerken zusammengeschlossen. Bei den verbliebenen Sägewerken wurde in den vergangenen Jahren aufgrund des niedrigen Ertrages wenig investiert, viele Säger haben sich auf Nischenprodukte spezialisiert. Wenn nun wenige große Sägewerke, die international agieren, den heimischen Markt nicht beliefern, führt das zwangsweise zu Problemen. Hier muss ein Umdenken stattfinden und verstärkt auf regionale Lieferketten gesetzt werden. Befeuert wird diese Thema nun noch durch aktuelle Themen wie die hohe Nachfrage und damit hohen Preisen auf dem internationalen Holzmarkt, was derzeit oft als alleinige Begründung für die Preissteigerungen verwendet wird, was ich aber nicht so sehe. Dann gibt es da noch das leidige Thema Corona, das meiner Meinung nach die Industrie mehr ausbremst als die Bauwirtschaft und somit zusätzlich zu einer Verknappung des Materials führt. Diese Verknappung wiederum führt dann noch zu einem Phänomen, das wir aus der ersten Cornawelle vom Klopapier her kennen.

Daher rechne ich für die nächste Zeit noch mit steigenden Problemen und Preisen bei Holz und Holzwerkstoffen. Ich hoffe aber, dass ab Mitte des Jahres, wenn die Hamsterkäufe getätigt sind, die Lager gefüllt sind, die Handwerkerferien kommen und sich der Impfeffekt einstellt, auf eine Besserung der Situation. Ich rechne aber langfristig mit einem höheren Holzpreis, der sich dann auch hoffentlich positiv auf die heimische Sägeindustrie und den heimischen Wald auswirkt! Sorgen mache ich mir um den Ruf des Holzbaues, den wir über die letzten 10 Jahre gepflegt und aufgebaut haben, der jetzt, in dieser schwierigen Zeit, innerhalb kürzester Zeit wieder zunichte gemacht werden könnte.

Vielen Betrieben fällt es schwer, ihre Preiszusagen und Leistungstermine einzuhalten. Betrifft der Materialengpass ausschließlich den Werkstoff Holz oder gibt es andere Gründe dafür?

Hauptgrund ist tatsächlich der Materialengpass beim Rohstoff Holz. Mittlerweile sind jedoch auch andere Güter wie Dämmstoffe, Verbindungsmittel und Dachziegel betroffen. Ich sehe hier auch das Thema wie oben, dass die Industrie mehr von Corona betroffen ist als das Bauhandwerk. Ich habe aber auch den Verdacht, dass manche Lieferanten als Trittbrettfahrer auf die Kostenspirale aufspringen: Verknappung des Angebots, Preissteigerung, Hamsterkäufe, weitere Verknappung usw. und so versuchen ihre Erträge auf Kosten des Handwerks zu maximieren.

Können Einkaufsgenossenschaften zu einer Preisstabilisierung beitragen?

Einkaufsgenossenschaften stehe ich eher kritisch gegenüber, der Markt ist sehr vielfältig, es werden oft projektbezogen verschiedenste Materialien eingekauft. Eine Zwischenschaltung einer weiteren Organisation im Einkauf würde die Beschaffungen weiter verkomplizieren. Die Marktsituation hat sich in den letzten Jahren dahin verändert, dass eine Direktvermarktung zwischen Industrie und Holzbauunternehmen aufgebaut wurde. Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg, jedoch muss jeder Holzbaubetrieb genau überlegen, mit wem wer welche Geschäfte eingeht und sollte versuchen, verlässliche, regionale Lieferketten und Geschäftsbeziehungen aufzubauen und zu pflegen. Das spart Transportkosten und ist nachhaltig!