Andreas Haas, Fachbereichsleitung Hochbau und Gebäudemanagement, Tübingen
Andreas Haas, Fachbereichsleitung Hochbau und Gebäudemanagement, Tübingen.

Holzmangel

07. May 2021 | Teilen auf:

Statement: "Technologische Entwicklungen haben das Anwendungsspektrum positiv beeinflusst"

"Was plant Tübingen in den kommenden Jahren im Holzbau?" "Wie gehen Sie mit der aktuellen Preisentwicklung und Lieferzeiten um?", diese und andere Fragen beantwortet der kommunalen Investor Andreas Haas, Fachbereichsleitung Hochbau und Gebäudemanagement, Tübingen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen am Markt und die Perspektive der Preisentwicklung ein?

Die reine Verfügbarkeit entwickelt sich positiv. Uns sind aus dem Hochbau keine Lieferschwierigkeiten bei Holzprodukten bekannt. Auch haben technologische Entwicklungen das Anwendungsspektrum positiv beeinflusst. Die Preisentwicklung sehen wir kritisch. Insbesondere ist der Holzbau gegenüber konventionellen Bauweisen eher im Nachteil, was aus technologischer Sicht und hinsichtlich der Verfügbarkeit nicht nachzuvollziehen ist. Ein auch wirtschaftlicher Vorteil würde dem Holzbau gegenüber konventionellen Bauweisen den entscheidenden Marktvorteil bringen und diese Frage aus der ideologischen Bewertung in eine wirtschaftliche bringen.

Tübingen setzt auch auf den Holzbau: warum?

Die Universitätsstadt Tübingen überprüft alle ihre Handlungsweisen hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen. Die Verwaltung hat dem Gemeinderat vorgeschlagen, alle Neubauten verpflichtend in Holzbauweise zu errichten. Deshalb wird die Frage nach der Bauweise in diesem Segment nicht mehr gestellt, sondern auch exotische Projekte wie eine Radstation oder Feuerwehrgebäude in Holzbauweise gebaut. Neben den ökologischen Vorteilen wie Nachhaltigkeit und vermiedene CO 2 -Emissionen sind auch akustische, technische, produktionstechnische und atmosphärische Qualitäten willkommene Verbesserungen, von denen der Bauprozess und die Nutzer gleichermaßen profitieren.

Was plant Tübingen in den kommenden Jahren im Holzbau? Wie gehen Sie mit der aktuellen Preisentwicklung und Lieferzeiten um?

Die Universitätsstadt hat weit über die eigene Bautätigkeit hinaus den Holzbau als verantwortbare Bauweise auch in anderen Bereichen etabliert. Die Bauleitplanung setzt hier neuerdings genauso Maßstäbe, indem auch private Bauherren hierzu verpflichtet werden. Auch die städtische Wohnbaugesellschaft GWG baut weitestgehend in Holz, so dass hier ein großes Potential erschlossen wird. Angegangen werden soll auch die Kontrolle der Bezugsquellen möglichst in Verbindung mit den städtischen Quellen des eigenen Baumbestandes. Der Preisentwicklung wird begegnet durch weiträumige europaweite Ausschreibungen und entsprechend professionelle Planung. Allerdings sind die Marktmechanismen nur bedingt beeinflussbar. Es wird erwartet, dass die Vergrößerung des Angebotes und die Verbreitung des Holzbaus positive Impulse setzen können.